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Alles nur gemalt: Der Schatten, den Karl-Willi Haase hier auf sein Gemälde wirft, hat er schon in den 80er-Jahren auf die Leinwand gebracht. Auch Rollo, Fenster und Blumen sind Erinnerungen an alte Winsener Atelier-Zeiten. Foto: ff
Alles nur gemalt: Der Schatten, den Karl-Willi Haase hier auf sein Gemälde wirft, hat er schon in den 80er-Jahren auf die Leinwand gebracht. Auch Rollo, Fenster und Blumen sind Erinnerungen an alte Winsener Atelier-Zeiten. Foto: ff

Wegbrechende Welten

ff Lüneburg. Karl-Willi Haase blickt auf eines seiner Gemälde. Den Schatten, den er dabei darauf wirft, und der den Künstler leicht verzerrt im Profil zeigt, hat er vor fast 30 Jahren gemalt  eine eigentümliche Zeitreise zurück. So ist die ganze Ausstellung ausgelegt, als Retro­spektive. Sie umfasst mehr als fünf Jahrzehnte, beginnend mit Holzschnitten aus den frühen 60er-Jahren. „Das war die Zeit meiner letzten Einzelausstellung“, sagt Karl-Willi Haase. Jetzt ist Zeit für eine „Bestandsaufnahme“; so heißt die Präsentation, die Sonntag, 15. Juni, um 11.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus eröffnet wird.

Karl-Willi Haase, 1939 in Hamburg geboren, lernte Schriftsetzer, studierte Bildende Künste, war mit Skulpturen, Holzschnitten und anderen Techniken etwa in den Kunsthallen Baden-Baden und Bremen präsent. Von 1973 bis 2004 arbeitete er als Lehrer. Haase lebt heute in Lüneburg und ist in den Ausstellungsbetrieb zurückgekehrt.

Am Anfang steht also der Holzschnitt mit seinen Verwerfungen, seinen (durchaus erwünschten) Zufallsprozessen  ungegenständliche Arbeiten, die wie erstarrte Explosionen wirken und nichts von der eckigen Linienführung haben, die normalerweise mit dieser Drucktechnik assoziiert wird. Am Ende steht ein Zyklus von surrealistischen Gemälden, die nun mit chirurgischer Linienschärfe gemalt sind, aber wiederum wegbrechende Welten zeigen: Fliesenlandschaften, die Wellen schlagen, kippende Wände, aufbrechende Erdspalten. Diese Welten sind mit roten, fliegenden, kippelnden Stühlen möbliert, die natürlich zum Sitzen nicht mehr taugen, sondern vielleicht für die Flüchtigkeit aller Positionen stehen mögen, ganz sicher aber für das Ende der Behaglichkeit und Verlässlichkeit.

Karl-Willi Haases persönliche Bestandsaufnahme berücksichtigt typische Bilder und Skulpturen der Pop-Art mit ihren knallbunten Farbflächen und plakativen Strukturen, zum Beispiel Schemata von Pumpen und Turbinen. Wiederum feiner gearbeitet sind Fantasy-Bilder  und nicht zuletzt das eingangs geschilderte, fast fotorealistische Gemälde. Es zeigt ein Sprossenfenster des Ateliers mit einem märchenhaften Ausblick. „Aber im Winter war es richtig kalt“, erinnert sich Haase. Und das Pflänzchen auf dem Fensterbrett wirkt ziemlich schlapp  „das hatte ich zur Einweihung des Ateliers geschenkt bekommen“.

Die Ausstellung des Bundesverbandes Bildender Künstler/innen (BBK) Lüneburg läuft bis 29. Juni, sie ist jeweils sonnabends, sonntags und mittwochs von 11 bis 17.30 Uhr geöffnet.