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Der gute Mensch von Sezuan läuft zurzeit im Theater, hier eine Szene mit Claudia Grottke und Ulrike Gronow. Foto: theater/tamme
Der gute Mensch von Sezuan läuft zurzeit im Theater, hier eine Szene mit Claudia Grottke und Ulrike Gronow. Foto: theater/tamme

Kunst gut, Kasse leer

oc Lüneburg. Das Theater steht blendend da. Die Kunst ist gut, der Besuch auch. Soweit alles prima. Nur beim Geld, da hört der Spaß Knall auf Fall auf. Beim Blick auf die mittelfristige Finanzplanung der Bühne kann es einem angst und bange werden. Das ist nicht neu, wird seit langem diskutiert, aber schon für die Spielzeit 2014/15 muss Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann ein Minus von 324380 Euro ausweisen. Und das ist erst der Anfang.

Alles wird teurer, vom Heizen bis zu den Gagen. Das jährliche Minus, das sich anbahnt, summiert sich bis 2018/19 auf mehr als zwei Millionen Euro. Das Loch, das sich zum Abgrund weitet, hat seinen Ursprung in den Jahren 2005 bis 2011. Zu der Zeit war der Zuschuss des Landes und der kommunalen Träger eingefroren. Steigende Gehälter wurden nicht wie zuvor und seit 2012 wieder mit einer Klausel berücksichtigt, die den Zuschuss parallel zu Tarifsteigerungen anglich. Lange ließ sich das Problem mit Rücklagen ausgleichen, jetzt sind die Reserven aufgezehrt. Unter Berücksichtigung des Eigenkapitals, etwas des Gebäudes, hat Degen-Feldmann errechnet, dass sich bei unveränderter Situation der Betrieb bis ins Wirtschaftsjahr 2017/18 fortsetzen ließe. Dann wäre das Theater insolvent.

Mit steigenden Eintrittspreisen für Drama, Oper und Ballett ist das auflaufende Defizit nicht zu stoppen, nur leicht zu mildern. Da die Besucherzahlen sehr positiv sind, wäre die Streichung einer Sparte fatal. Das fordert auch niemand. Im bundesweiten Vergleich zählt das Theater Lüneburg seit langem zu den Häusern, die am effizientesten arbeiten. Das lässt sich zum Beispiel am Zuschuss ablesen, der pro Besucher fließt. Das sind in Lüneburg nach den jüngsten vorliegenden Daten (2011/12) exakt 57,71 Euro, in Hildesheim 76,84 Euro, in Osnabrück 99,12 Euro, beim Staatsheater Oldenburg 126,65 Euro, beim Staatstheater Braunschweig 130,98 Euro, beim Staatstheater Hannover 148,50 Euro. Teurer als Lüneburg sind sogar niedersächsische Bühnen ohne Musiktheater: Celle 60,61 Euro, Göttingen 63,44 Euro. Eine bessere Quote als Lüneburg hat lediglich das musiktheaterfreie Wilhelmshaven (42,68 Euro).

Was tun? Zurzeit richten sich die Blicke nach Hannover. Der laufende Vertrag mit dem Land läuft Ende 2014 aus. 2,8 Millionen Euro pro Jahr gibt das Land derzeit für das Theater Lüneburg, jeweils 1,41 Millionen Euro kommen von Stadt und Landkreis. Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Kollegen von den weiteren Städten mit kommunalen Theatern ringen in Hannover um eine Erhöhung des Sockelbetrags seitens der Landesregierung. „Es geht um insgesamt 2,5 Millionen Euro für die kommunalen Theater, bei uns um 400000 Euro“, sagt Mädge. Das Ministerium kennt die Situation, erkennt die Problematik an, berichten Teilnehmer der bisher gelaufenen Gespräche. Eine Lösung zeichnet sich noch nicht ab.

Mädge sieht die Regierungsfraktionen in der Pflicht, das Ministerium entsprechend besser auszustatten. Namentlich gefordert seien Andrea Schröder-Ehlers (SPD) und Miriam Staudte (Grüne), etwa bei bevorstehenden Klausurtagungen. Die zuständige Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) besuche und unterstütze zwar mittlerweile die Leuphana, sie sollte sich aber auch einmal über die Arbeit des Theaters vor Ort informieren, meint Mädge.

Die Situation ist durchaus vertrackt. Auch im Wirtschaftsausschuss des Rates war die Theaterfinanzierung Thema. „Wir nehmen das nur zur Kenntnis“, sagt als Vorsitzender des Ausschusses Ulrich Blank (Grüne), weiter kommentieren wolle er die Diskussion nicht.

One comment

  1. Kunst gut, Kasse leer
    warum ist das wohl so? wir haben eine leistungsgesellschaft. die menschen haben keine zeit mehr für die kunst.