Donnerstag , 29. September 2016
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Aus der Alten Raths-Apotheke stammen die bemalten Bohlen, die künftig im Museum hängen werden. Foto: be
Aus der Alten Raths-Apotheke stammen die bemalten Bohlen, die künftig im Museum hängen werden. Foto: be

Kluge Geister aus der Apotheke

oc Lüneburg. Der Ratsapotheker Ulricus Luthmer wusste, wer wichtig war in seiner Zeit. Zum Beispiel der Mediziner Johannes Lang, dessen Kollege Conrad Gesner, der auch Philologe war und so etwas wie ein Polyhistoriker, oder Johannes Winter, der als Mediziner und Humanist seiner Epoche Impulse gab. Sie alle und einige mehr aus dem 16. Jahrhundert ließ Luthmer in der Raths-Apotheke an der Bäckerstraße verewigen. Dafür sorgte ein Mann, der auch bedeutend in seiner Zeit war: Daniel Frese. Mehrere der mit Schrifttafeln und Ornamenten bemalten historischen Decke der Apotheke werden nun restauriert und künftig im Museum Lüneburg zu sehen sein.

Über ein „Gemeinschaftsprojekt“ freut sich Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder. Apotheker und Hauseigentümer Gert Wellsow schenkt die Deckenmalereien dem Museum. Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring habe die Bedeutung der Malereien auf den Nadelholzbohlen erkannt. Die Restauratoren Inga Blohm und Markus Tillwick nehmen nun mit speziellen Vliesen Schmutz und Schwebstoffe aus den smalteblau und bleizinngelb leuchtenden Temperafarben, sie ergänzen fehlende Holzpartien und machen die bebilderten Bohlen museumsreif.

Markus Tillwick hat sich schon als Student mit der Raths-Apotheke befasst. Die bemalte Holzdecke aus dem Jahr 1598 beschrieb er in Studienarbeiten und 2001 in einer Schrift für die Lüneburger Denkmalpflege. 1987 waren die nun musealen Teile der Decke aus dem ehemaligen ersten Obergeschoss bei Sanierungsmaßnahmen sichergestellt worden. Die Herkunft der Malerei schien unbekannt, doch im Stadtarchiv stieß Tillwick auf Bau-Akten aus den Jahren 1598/99. Denen zufolge erhielt Daniel Frese 477 Mark, 1 Schilling und 9 Pfennige „vor allerhande arbeitt so er ihn und ausserhalb der Apotheken gethaen“. Das war viel Geld, also müssen Frese und Mitarbeiter auch viel geleistet haben. Die Farbigkeit, die Malweise stimme mit anderen Frese-Arbeiten in der Stadt überein, sagt Tillwick.

Die Holzdecke verkörpert Bürgerstolz. „Man hat damals führende Wissenschaftler der Zeit dargestellt, das besserte auch das eigene Selbstbewusstsein auf“, sagt Gert Wellsow, der in seiner historischen Kräuterkammer weitere Teile der gesicherten Decke besitzt. Zu den von Frese auf den Schrifttafeln mit Lebensdaten und Beruf verzeichneten zehn Gelehrten zählt mit Conrad Gesner (1516-1565) einer der bis heute bedeutendsten Naturforscher der Schweiz.

Die Schrifttafeln sind von Ornamenten im Stil der Zeit umgeben, Fruchtbündel mit Äpfel und Birnen sind zu sehen, Baldachine und Masken. Auch die Balken, auf denen die Decke ruhten, waren beschriftet. „Ein guter Arzt fragt nicht nach dem Geld, sondern nach der Gesundheit“ stehe da zum Beispiel, zitiert Gert Wellsow.

Es gebe in Deutschland nichts Vergleichbares zu dieser Art der Gestaltung, sagt Restaurator Tillwick. Der Lüneburger Landschaftsverband finanziert die Restaurierung. Künftig, wenn das Museum öffnet, was nicht mehr in diesem Jahr sein wird, werden die Frese-Malereien neben der Ebstorfer Weltkarte und den Globen zeigen, wie ein neues Weltbild entstand.