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Claudia Grottke verlässt das Theater, bleibt aber in Lüneburg. Foto: t&w
Claudia Grottke verlässt das Theater, bleibt aber in Lüneburg. Foto: t&w

Vier Jahre sind genug

oc Lüneburg. Claudia Grottke ist müde. Der Fußball. Die Verlängerung. „Drei Bier“. Aber sie ist da, sie ist fürs Foto cool, schiebt sich eine Zigarette zwischen die Lippen und ja, sie lächelt. Das macht sie nicht unbedingt gern auf Kommando, es geht auch nicht immer so einfach, wenn ihr nach einer Aufführung Beifall entgegenbrandet. Sie muss dann erst mal runterkommen. Zweimal noch spielt sie Shen Te und Shui Ta am Theater Lüneburg, dann nimmt sie sich ein Freispiel. „Vier Jahre ein Haus, das reicht. Ich brauche Veränderung.“ Claudia Grottke steigt aus.

Sie ist 31, stammt aus Berlin  „das lieb ich, das ist meine Heimat.“ Sie studierte in Stuttgart, erhält sich eine Hassliebe zur Stadt ihrer Ausbildung und kam nach Lüneburg. Erstes Engagement, erstes Stück: „Kleine Engel“ im T.3. Das letzte läuft noch: „Der gute Mensch von Sezuan“. In den Brecht hat sie sich hineingekämpft und ihn bezwungen, zweimal wird sie die Shen Te noch spielen, die nur gut sein kann, wenn sie sich ab und an als hartes Bruderherz Shui Ta ausgibt: heute, Donnerstag, und am Mittwoch, 9. Juli. Und dann?

In ein anderes Ensemble will sie nicht. „Ich fühle mich so wohl hier, woanders kann es gar nicht besser sein“, sagt sie. Und trotzdem sei es Zeit für etwas Neues. Was immer es wird. Experimentelles, etwas in Richtung Performance, das reizt sie. Aber es kann auch alles ganz anders kommen.

Was hat ihr die Zeit am Theater gebracht? „Ich habe gelernt, künstlerisch selbstbewusster zu werden, Mut gefunden, auch scheitern zu dürfen.“ Entwickelt habe sie sich vor allem bei Regisseuren, mit denen Schauspieler gemeinsam etwas entwickeln, „man ist dann nicht so was wie eine Marionette“. Die Arbeit mit Martin Pfaff beim „Schimmelreiter“ fällt ihr ein, mit Mark Zurmühle bei „Kabale und Liebe“ und Jasper Brandis bei „Clyde & Bonnie“, ihrem „Lieblingsstück“ in vier Jahren Lüneburg. Auch die „kleine Hexe“ hat ihr viel Spaß gemacht, die Arbeit mit dem TheaterJugendClub und generell die mit den Kollegen: „Ich liebe mein Ensemble.“ Nicht nur das: Sie dreht beim Gespräch einen Ring in den Händen, einen Verlobungsring von ihrer Freundin.

Ihre Basis bleibt ­ bis auf Weiteres  Lüneburg. Claudia Grottke freut sich, erst mal keine Termine zu haben. Die aber werden kommen und sie werden mit ihrem Beruf zu tun haben, an dem sie nie gezweifelt hat. Nur über die Richtung denkt sie viel nach, sie will „gute Projekte machen, auch wenn es mal kein Geld gibt“. Wo auch immer, was auch immer.