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Claudia Kröger (li.) und Kathrin Hanke schreiben gemeinsam Krimis mit starkem Lüneburg-Bezug. Foto: layer
Claudia Kröger (li.) und Kathrin Hanke schreiben gemeinsam Krimis mit starkem Lüneburg-Bezug. Foto: layer

Wir sind nun etwas grausamer

oc Lüneburg. Kathrin Hanke und Claudia Kröger sehen sich nicht oft und arbeiten trotzdem so gut wie jeden Tag zusammen. Frau Hanke sitzt in Hamburg und macht sich nebenbei Gedanken über den Namen ihres vierten, im September erwarteten Kindes. Frau Kröger hat es nach Eichholz verschlagen, 100 Einwohner, Elbmarsch, das reinste Idyll. Ein guter Ort, um hässliche Verbrechen zu planen, rein gedanklich. Hanke/Kröger schreiben gemeinsam Krimis, der zweite ist gerade auf den Markt gekommen: „Heidegrab“, erschienen ist er wie der Vorgänger im Gmeiner Verlag. „Wir sind etwas grausamer geworden“, sagt Kathrin Hanke und nimmt einen Schluck Rhabarberschorle.

Eigentlich wollten die beiden ja nur „mal etwas Schönes“ gemeinsam schreiben. Dass es ein Krimi wurde, dass er in Lüneburg spielt, das hat sich so erschrieben. Und kam gut an: Mittlerweile wird die fünfte Auflage „Blutheide“ vorbereitet, verkauft wurden an die 10000 Bücher. Davon kann man bzw. frau nicht leben, gilt aber damit als erfolgreich. Jetzt müssen sich Hanke/Kröger an Abgabefristen halten, und tatsächlich schreiben sie schon an Folge drei und haben ein Exposé fertig für Band vier um die Ermittlerin Katharina von Hagemann, die vermutlich irgendwann von ihrer Münchner Vergangenheit eingeholt wird. Das deutet sich bei „Heidegrab“ so ein bisschen an.

Aber erst einmal heißt es: In Lüneburg ist Stadtfest. Mit der Ruhe in der Stadt ist es aber schon vor der Sause vorbei, denn in Geocaching-Verstecken tauchen abgetrennte Körperteile auf. Immer von demselben Opfer, aber wer da zu Tode gefoltert wird ist und vor allem, von wem, da tappen Katharina von Hagemann und Chef Benjamin Rehder im Dunkeln. Sie ermitteln gegen eine obskure, mittelalterliche Riten pflegende Studentengruppe, bekommen von einem selbst Geocaching betreibenden Gerichtsmediziner Hinweise und wundern sich über einen Stadtfestverantwortlichen, der in Sachen seiner verschwundenen Tochter nicht sehr kooperativ auftritt.

In „Heidegrab“ spielt das Autorinnenduo mit den Perspektiven. Auch die des Opfers wird eingesetzt, da ist der Krimi sehr dicht und nah an skandinavischen Mustern, die auch nicht mit Grausamkeiten geizen. Auf der anderen Seite blättert sich das Privatleben von Katharina, Benjamin und anderen vertrauten Figuren auf. Dann rückt der Krimi näher an triviale Muster. „Gerade von Leserinnen kommen Anfragen, wie es mit dem Privatleben so weitergeht“, erzählt Kathrin Hanke. Klar, die Liebe und das Lieben werden nicht vergessen.

Kröger/Hanke treiben ihre Bücher in einem gemeinsamen Dokument voran. Das Gerüst des Krimis steht dabei fest, bei den Details kann sich immer etwas drehen. Per Mail oder Anruf weiß die eine von der anderen, dass sie sich an den Text setzt. „Wir sprechen immer die nächsten zwei, drei Passagen ab“, sagt Claudia Kröger. Diskutiert wird viel, gestritten selten bis nie. Das klappt gut. „Wir schreiben nicht nur, wir sprechen auch die gleiche Sprache“, sagt Kathrin Hanke.

So quasi nebenbei wuchs ein weiteres Projekt, ein krimineller Freizeitplaner für die Heide, der kommt im April 2015 heraus. Die „Heide“-Mörderei geht in einem Jahr weiter, aber jetzt dreht sich alles um „Heidegrab“. Der Fall erscheint zusätzlich als Hörbuch, und Lesungen stehen bevor. Ausverkauft ist die Buchpremiere am Freitag, 11. Juli, bei Lünebuch. Am 24. Juli folgt um 19.30 Uhr eine Lesung in der Buchhandlung Patz in Bienenbüttel, nach der Babypause steht am 23. Oktober Hanstedt auf dem Plan.