Dienstag , 27. September 2016
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Wolfgang Wiegand, Pastor Martin Rutkies, Stefanie Schmoeckel und Marie-Luise Meyer setzen sich für die Orgel ein. Das Geld für die Restaurierung ist noch nicht beisammen, ein bisschen weiterhelfen sollen Spenden für ein Konzert am Sonntag. Foto: ff
Wolfgang Wiegand, Pastor Martin Rutkies, Stefanie Schmoeckel und Marie-Luise Meyer setzen sich für die Orgel ein. Das Geld für die Restaurierung ist noch nicht beisammen, ein bisschen weiterhelfen sollen Spenden für ein Konzert am Sonntag. Foto: ff

Die romantische Seele freilegen

ff Barskamp. Die Romantik-Orgel der St.-Vitus-Kirche in Barskamp hat einen hübschen Prospekt, und sie klingt noch. Aber wie? Blechern, hart, insgesamt ziemlich dünn, ein wenig asthmatisch. Der Orgelbauer Eduard Meyer aus Hannover muss andere Vorstellungen gehabt haben, als er das Instrument im Jahre 1856 mit seinen 17 Registern im Geist seiner Zeit baute: Warm, rund und seelenvoll, das waren die Ideale der Romantik. Jetzt soll die Orgel wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden, mehr noch, sie soll zusätzliche Kraft bekommen. Die Gemeinde hat sich fest vorgenommen, das nötige Geld dafür aufzubringen.

St. Vitus bildet den Mittelpunkt des Kirchspiels Barskamp mit seinen Mitgliedsgemeinden Walmsburg, Tosterglope, Alt Garge und Göddingen. Die Kirche ist in ihren Ursprüngen älter als tausend Jahre. Der wuchtige Felsenturm diente einst, man sieht es ihm an, auch als Festung. Er ist allerding feucht und damit ein Teil des Orgelproblems, denn über die Luftzufuhr der komplexen Mechanik, die im Turm untergebrachten Keilbälge, bildete sich Schimmel. „Eigentlich sollte die Orgel nur renoviert werden“, so Pastor Martin Rutkies, „aber dann riet uns der Orgelsachverständige, mehr daraus zu machen.“ Also eine Restaurierung mit größtmöglicher Nähe zum Original und natürlich der Möglichkeit, wieder Orgelkonzerte anzubieten. Und: „Unsere Orgel soll auch wieder einen Wert für die Region darstellen.“

Bis dahin ist noch einiges zu tun. Viele Pfeifen bestehen nicht mehr aus Zinn und Blei, sondern aus billigem Zink. Die Originale waren im Ersten Weltkrieg ausgebaut worden, um zu Kanonen umgeschmolzen zu werden. Im Jahre 1939 gab es den zweiten Eingriff, wurde der romantische Orgelklang mit Blick auf mehr Trennschärfe und Transparenz verändert, auch das entsprach dem Geist der Zeit. Schließlich wurden die Bälge durch eine schwachbrüstige Mechanik im Untergehäuse der Orgel ersetzt, außerdem bestehen Elemente der Traktur mittlerweile aus Plastikteilen, die kaum für die Ewigkeit konzipiert waren.

Neue Pfeifen, vernünftige Traktur-Teile, eine leistungskräftige Windanlange  dies alles wieder zu richten kostet Geld: rund 100000 Euro, dazu noch einmal 15000 für Maler- und Putzarbeiten. Rund 55000 Euro sind beisammen, gerechnet wird mit einem Zuschuss der Landeskirche von 30000 Euro. Sponsoren aus der Region haben ihre Hilfe zugesagt, aber es fehlen noch einige Zehntausende für die laut Gutachter Axel Fischer „im Grundbestand wertvolle historische Orgel“.

2 Stefanie Schmoeckel und Johannes Kimstedt vom Kunstraum Tosterglope steuern ihren Teil bei: Sie schenken der Kirche ein Konzert. Am Sonntag, 13. Juli, 15 Uhr, spielt das Duo Anne-Suse Enßle und Philipp Lamprecht unter dem Titel „Points of contact“ auf Blockflöten und Schlaginstrumenten mittelalterliche und moderne, geistliche und weltliche Musik. Eintritt frei, Spenden erbeten.