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Die Zauberflöte startete stark, wird ein Hit der kommenden Spielzeit; hier eine Szene mit (v.l.) Karl Schneider, Kristin Darragh, Regine Sturm, Do-brinka Kojnova-Biermann und Christian Oldenburg. Foto: theater/tamme
Die Zauberflöte startete stark, wird ein Hit der kommenden Spielzeit; hier eine Szene mit (v.l.) Karl Schneider, Kristin Darragh, Regine Sturm, Do-brinka Kojnova-Biermann und Christian Oldenburg. Foto: theater/tamme

Die Quotenmacher

oc Lüneburg. Man kann Zahlen drehen und wenden, so und so auslegen, über Qualität sagen sie nur sehr bedingt etwas aus. Aber: Das Theater Lüneburg hat nach Besucherzahlen das beste Jahr in der Intendanz von Hajo Fouquet hingelegt. Auch auf längere Sicht zurück sind 101852 Besucher, die Co-Theaterleiter Volker Degen-Feldmann errechnet hat, selten erreicht worden. „Ich freue mich, dass die Spielzeit so gut aufgeht, zumal wir zwei wichtige Stellen neu besetzt hatten“, sagt Fouquet mit Blick auf die neuen Chefs für Musik und Ballett, Thomas Dorsch und Olaf Schmidt.

Wichtiger noch als das Durchbrechen der Marke 100000, was einem Plus von mehr als 5000 Besuchern entspricht, ist der Blick auf die Platzauslastung. Sie lag bei 80,4 Prozent, einem Plus von 2,5 Prozent. Die 80-Prozent-Marke ist eine Zahl, über die nicht viele Theater hinauskommen. Froh sind Degen-Feldmann und Fouquet außerdem, dass der Abonnentenstamm nahezu konstant bleibt, er liegt bei 2600. Besonders weisen die Theaterleiter auf die 15320 Besucher im Kinder- und Jugendtheater hin, „das ist ein Rekord. Die Sollzahl lag zur Eröffnung bei 10000“, sagt Fouquet.

Zahlen also, die bei den Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen für die künftige Finanzierung zeigen, dass die Arbeit des Theaters nicht nur künstlerisch auf gutem Weg ist. Trotzdem geht es, wie berichtet, darum, ein drohendes und schnell steigendes Defizit abzuwenden. Der Sockelbetrag der Theaterförderung muss um rund 400000 Euro steigen, um den jetzigen Status quo halten zu können. Zurzeit zahlen Land und Gesellschafter (Stadt/Kreis) jeweils 2,8 Millionen Euro für das Theater.

Die Spielzeit im Detail: Erfolgreichste Produktion im Großen Haus war „Carmina burana“. Je länger das Stück lief, desto weniger Karten gab es, die Platzauslastung erreichte 98,0 Prozent, die Nachfrage war nicht zu bedienen. Das Musical „Sunset Boulevard“ kam auf eine gute Quote von 86,9, die anspruchsvolle Oper „Lucia di Lammermoor“ erreichte sehr respektable 75,3 Prozent verkaufter Plätze. Nur bei „Zar und Zimmermann“ liegt der Wert von 72,3 Prozent doch unter den Erwartungen für ein eigentlich populäres Stück. Dass die ersten beiden „Zauberflöte“-Vorstellungen komplett ausverkauft waren, lässt beruhigt in die kommende Spielzeit sehen. Denn dann kommt der Mozart-Klassiker erst richtig ins Laufen.

Zu den Gewinnern zählt das Ballett. „Kaspar Hauser“ (Auslastungsquote: 71,2 %) landete fast zehn Punkte über der Vorjahresproduktion, beim Ballettstudio „Stairway to Paradise...“ (85,4) wurden doppelt so viel Karten verkauft wie 2013/14.

Es finden sich aber auch Bereiche, vor denen ein Minus steht, zum Beispiel beim Schauspiel. Der Start war perfekt: 95 Prozent aller Karten gingen für „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ weg, gut ging auch die Komödie „Agatha Christies Hobby ist Mord“ (80,9), Brechts „guter Mensch von Sezuan“ kam auf 78,0. Dass ein neues und etwas sperriges Stück wie „Benefiz  Jeder rettet einen Afrikaner“ (57,5) abfällt, überrascht nicht. Dass aber Goethes „Clavigo“ (59,8) nur wenig besser abschnitt, wundert denn doch. Da sprangen die Schulen nicht an wie erhofft. Nach oben zeigt die Quotenkurve beim Weihnachtsmärchen, die 30 Vorstellungen waren statistisch zu 85,4 Prozent besetzt.

Die Knaller aus dem T.NT kehren im Herbst zurück: „Das kleine Weihnachtsspektakel“ (zu 100 Prozent ausgebucht!), „Struwwelpeter“ (99,7), „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ (99,1), „Halbstark“ (98,3) und „Die Comedian Harmonists“ (98,3). Kein Glück hatte das Theater zur weiten Welt mit „Wir lieben und wissen nichts“ (33,4). Renner beim Kinder- und Jugendtheater T.3 waren „13“ mit einer 99,5-Prozent-Quote und „Kunst Ver-Rückt-Tanz“ (94,1), nicht so gut kam „Sei pünktlich“ an (48,1).

Jetzt aber sind Ferien, Künstler und Kollegen sonnen sich auf Kreta und radeln gen Lappland. Die Verwaltung bleibt präsent, ebenfalls sorgen Handwerker für Leben. Die Theaterkasse öffnet wieder am 18. August. Eine Woche später meldet sich der Opernnachwuchs, am 23. August mit dem Abschlusskonzert der 1. Internationalen Opernakademie.