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Berit Neß (links) und Carolin George, Carsten Junge (links) und Landrat Manfred Nahrstedt präsentieren das neue Landkreis-Buch. Foto: ff
Berit Neß (links) und Carolin George, Carsten Junge (links) und Landrat Manfred Nahrstedt präsentieren das neue Landkreis-Buch. Foto: ff

Geschichten statt Geschichte

ff Lüneburg. Es gibt ein Standardwerk über den Landkreis Lüneburg. Es trägt den Titel „Vom Bardengau zum Landkreis“, stammt aus dem Jahre 1969, wurde 1985 noch einmal aufgelegt und hat in seiner staubtrockenen Gründlichkeit und den Schwarzweißfotos den Charme einer Doktorarbeit. Als Geschenk für Gäste, als Werbung und als Wegweiser für Touristen taugt es jedenfalls nicht mehr, zumal die jüngste deutsch-deutsche Geschichte völlig fehlt. Jetzt haben Carolin George und Berit Neß „Lüneburger Zeitzeugen“ befragt, so heißt das neue, offizielle Porträt des Landkreises. Es ist ab sofort im Handel.

Autorin Carolin George und Grafikerin Berit Neß haben bereits für die Region vier Bücher und vier Broschüren gemeinsam entwickelt, Kirchen- und Museumsführer beispielsweise. Buch Nummer fünf erfüllt  einerseits  die Anforderung wissenschaftlicher Präzision, andererseits den Wunsch nach Plakativität und Unterhaltung.

Keine leichte Aufgabe, es geht um einen großen Zeitraum  Bardowick wurde im Jahre 785 erstmals in einem Dokument erwähnt  und um eine vielschichtige Region zwischen Heide und Elbe. „Wie kann man von tausend Jahren erzählen? Da haben wir eben Hilfe von den Zeitzeugen bekommen“, sagt Carolin George. Diese Zeugen, um die sich die Historie rankt, können Gebäude sein wie das Schloss Bleckede, dessen Architketur aus unterschiedlichen Epochen stammt: Der Turm von 1287, Nord- und Westflügel aus dem 17. beziehungsweise 18., die Remise aus dem 19. Jahrhundert. Bäume sind Zeitzeugen, die knorrige, wuchtige „Tausendjährige Eiche“ von Hittbergen, die vermutlich „nur“ 800 Jahre zählt. Oder das Haus „Beim Benedikt“, das im 19. Jahrhundert ein Gefängnis für Schwerverbrecher war, die auf dem Kalkberg arbeiten mussten.

Aber es kommen auch echte Personen zu Wort, die Mitglieder der Familie Panz, die sich bis ins Jahr 1700 zurückverfolgen lässt und tatsächlich bis heute aus einer lückenlosen Folge von Elbefischern besteht. Oder Janusz Kahl, der als 17-Jähriger während des Warschauer Aufstands von den Nazis verschleppt und am 24. August 1944 ins Konzentrationslager Alt Garge, einer Außenstelle des KZ Neuengamme, deportiert wurde. Er überlebte, zum Gerippe abgemagert. Im vergangenen Jahr besuchte er Bleckede, um über seine Vergangenheit zu berichten.

Eindrucksvolle Fotos, knappe Texte  eher Geschichten als Geschichte, die sich nebenbei wie bei einem Mosaik zu einem Bild formiert. Die 39 Kapitel werden ergänzt von einer Zeitleiste, von Übersichten, und natürlich wurde darauf geachtet, dass alle Samtgemeinden vertreten sind. Das Hardcover-Buch, vom Landkreis in Auftrag gegeben, von der Sparkassenstiftung unterstützt, hat 144 Seiten, zahlreiche Farbillustrationen, kostet 24,80 Euro und ist im Lüneburger Chamäleon-Verlag erschienen. Landrat Manfred Nahrstedt hofft nun, dass beispielsweise auch Hotels und Pensionen ihren Gästen die „Zeitzeugen“ anbieten: „Bessere Werbung können wir für die Region Lüneburg nicht machen.“