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Der Lüneburger Mike Grzywik-Groß hat sich als Autor der Reihe Das schwarze Auge einen Namen gemacht und den Deutschen Phantastik-Preis gewonnen. Er liest am 14. August im Mythos.  Foto: ff
Der Lüneburger Mike Grzywik-Groß hat sich als Autor der Reihe Das schwarze Auge einen Namen gemacht und den Deutschen Phantastik-Preis gewonnen. Er liest am 14. August im Mythos. Foto: ff

Pfadfinder in Aventurien

ff Lüneburg. Botschafter des Landes Aventurien wurde Mike Krzywik-Groß durch Zufall, sein Ziel war eigentlich ein ganz anderes Land: „Auf der Messe Nordcon habe ich Peter Fuchs angesprochen und wollte ihm ein Manuskript unterjubeln.“ Der lehnte es rundweg ab, machte dem Lüneburger dafür ein eigenes Angebot. Heute ist Mike Krzywik-Groß ein angesagter Fantasy-Autor. Im vergangenen Jahr gewann er  zusammen mit seinem Magdeburger Kollegen Christian Lange  den Deutschen Phantastik-Preis, beide sind dieses Jahr wieder (mehrfach) nominiert.

Aventurien, das ist eine mittelalterliche Welt, bevölkert mit Elfen, Ungeheuern, Zauberern und allerhand weiteren guten und bösen Gestalten  ähnlich wie Tolkiens Kontinent „Mittelerde“ aus der Trilogie „Der Herr der Ringe“, die auch als Vorbild diente. Die Geschicke der Mächte Aventuriens lassen sich beeinflussen: Das Land ist der Schauplatz des Rollenspiels „Das schwarze Auge“, 1984 erfunden und entwickelt von Ulrich Kiesow, Hans Jochaim Alpers und eben von Peter Fuchs  die deutsche Antwort auf das amerikanische „Dungeons & Dragons“.

Begleitend zu dem Spiel erscheint eine Reihe von (in sich geschlossenen) Romanen, die Aventurien ausgestalten  insgesamt einige Zehntausend Seiten Material mittlerweile. Damit gehören die Meere, Gebirge und Tiefebenen, die Höhlen, Burgen, Dörfer und Städte des Schwarzen Auges  neben dem unendlichen Universum Perry Rhodans  wohl zu den am detailliertesten geschilderten literarischen Welten überhaupt.

Zu den Pfadfindern Aventuriens gehört nun auch der Lüneburger mit seinen jeweils rund 350 Seiten umfassenden Erzählungen „Riva Mortis“ (2011), „Angbar Mortis“ (2012) und „Tuzak Mortis“ (2013). „Nach dem Treffen auf der Nordcon habe ich mich hingesetzt, zwei Wochen später war das Exposé fertig“, so Mike Krzywik-Groß, „ich hatte Blut geleckt.“

Der Autor, 1976 in Clausthal-Zellerfeld geboren, fand schon früh zur phantastischen Literatur, etwa durch Michael Endes „Die unendliche Geschichte“, natürlich durch Tolkien, auch durch die Rollenspiele. Sie werden tatsächlich bis heute mit Papier und Bleistift, mit den entsprechenden Rollenzuweisungen und Schauplatz-Beschreibungen gespielt  und behaupten sich offensichtlich gegen die Videospiele mit ihren immer aufwändigeren Grafiken und Soundtracks.

Mike Krzywik-Groß studierte Sozialpädagogik in Lüneburg, blieb gleich hier, um zu heiraten und betreut in Hamburg eine Wohngruppe von Jugendlichen: „Meine Erzählungen schreibe ich meistens im Zug. Zurzeit arbeite ich an einem Polit-Thriller, der sich um die Nazi-Szene dreht und in dem auch Lüneburg eine Rolle spielt.“ Aventurien hat er erst einmal verlassen, „das ist schon ein komisches Gefühl“. Nebenbei entstehen aber auch Kurzgeschichten für Anthologien, „ich mag als Helden vor allem diese kleinen, skurrilen Figuren, die ein bisschen abseits stehen“. Die Szene der Rollenspieler ist naturgemäß gesellig und gut vernetzt., sie trifft sich auf Messen und „Conventions“. Mike Krzywik-Groß, der sich unter www.krzywikgross.de vorstellt, gründete im vergangenen Jahr die Autorengruppe „AKzwanzig13“ (eine Frau, sechs Männer), die erfolgreich Crowdfunding für ihre erste Anthologie „Eis und Dampf“ betrieb: Geschichten des Steampunk, das ist eine noch recht junge Fantasy-Literatur-Welt, die das viktorianische England als Kulisse für grandiose (meist dampfbetriebene) Maschinen einsetzt und an die Szenarien Jules Vernes erinnert.

Am Donnerstag, 14. August, 19 Uhr, liest Mike Krzywik-Groß zusammen mit Christian Lange unter dem Titel „Mortis meets Kors Kodex“ im „Mythos“, Am Sande. Und sicher wird er auch Bücher sig­nieren: In der Szene der Orks, Drachen und Zauberer spielt der friedfertige Lüneburger bei den Lesern inzwischen selbst eine Heldenrolle.