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Stefan Hiss, umkränzt von Mundharmonikaspieler Michael Roth und Bassist Volker Schuh, in Schröders Garten. Foto: t&w
Stefan Hiss, umkränzt von Mundharmonikaspieler Michael Roth und Bassist Volker Schuh, in Schröders Garten. Foto: t&w

Bier und Wurst und Tanzmusik

oc Lüneburg. Der Sommer hat seine verlässlichen Seiten bzw. seine verlässlichen Saiten und Tasten, seine verlässlichen Lieder und auch seine verlässlichen Gastspiele. Eines kommt aus Stuttgart in den Norden: Hiss. Da steht er also wieder, der fahrende Musikant Stefan Hiss, er hat sich die Koteletten und den Oberlippenbart gestutzt, das Resthaar nach hinten gegelt, das weiße Beltuna-Akkordeon vor den Bauch geschnallt und den kalten Blick des Mannes aufgesetzt, der alle Abenteuer zwischen Pampa, Taiga und Prärie, jede Straße zwischen Arizona und Ilmenau kennt. Hiss in Schröders Garten: ein Muss, ein Plus in jedem Sommer.

Stefan Hiss und Recken verpacken von Schwaben aus die Welt in Polka und RocknRoll. Sicher, es gibt auch mal Walzer, Rumba, Cha Cha Cha, es swingt, die Band feiert ironisch den freien Jazz, und wenn Michael Roth, der Mann mit dem Gürtel voller Mundharmonikas Freiraum bekommt, dann verpasst er der Welt den Blues. Den Kern aber bildet das Polkamassiv Stefan Hiss. Er schreibt Texte, in denen er das Skurrile und das Finstere, die Liebe, den Tod und den Suff umspielt. Kein Klischee ist vor ihm sicher, aber jedes fette Bild („Deine Liebe ist die schönste aller Plagen“ und sowas) bekommt die Ironie und den Sarkasmus untergeschoben, die es amüsant und mitunter ziemlich wahrhaftig macht.

„Lieder mit Tipps, die das Leben verkürzen“, habe man viele im Repertoire, aber ab und zu auch mal eins zur Verlängerung, da geht es dann um „Bier, Wurst und Tanzmusik“. Und klappt es nicht mit dem Lebenserhalt, dann kommt eben ein Stück, das mitgesungen wird: „Hebt Euer Glas und trinkt auf die Toten...“ Auf dem jüngsten Hiss-Album wird „Das Gesetz der Prärie“ verkündet, darauf singt Stefan Hiss auch mal Sehnsuchtsvolles auf Spanisch. Am Ende eines langen Musiker-Arbeitstages aber, nach so rund zwei und einer halben Stunde, bleibt dem fahrenden Musiker nur eine einfache Wahrheit: „Meine Braut ist die Straße“. Sie führt an diesem Mittwoch nach Rotenburg/Wümme, dann weiter nach Tübingen, Simmersfeld, Affalterbach und anderen ungeahnten Orten entgegen.

Die Band geht auf das Jahr 20 der Karriere zu, neben Hiss und Roth ist am Bass Volker Schuh von Anfang an dabei. Die Gitarre, die auch mal zu einem langen 70er-Jahre-Solo ausfliegt, bedient Thomas Grollmus, die Trommeln der ebenfalls solistisch bedachte Bernd Öhlenschläger. Sie sind nicht mehr jung, bald 2000 Konzerte hinterlassen eben Spuren, aber Hiss spielt sich und das Publikum schnell warm  und das sollte auch 2015 eine flotte Polka an der Ilmenau garantieren.