Aktuell
Home | Kultur Lokal | Liebe kennt keine Grenzen
Am Freitag startet in Dömitz das Stück zum Leben an der Grenze. Foto: Jane Thorun
Am Freitag startet in Dömitz das Stück zum Leben an der Grenze. Foto: Jane Thorun

Liebe kennt keine Grenzen

oc Neu Lübtheen. Als Kind hatte Volkert Matzen eine Super-Berufsidee: Tankwart in der Wüste. „Wenn da einer vorbeikommt, der hält garantiert an“, sagte sich der Junge. Matzen, Jahrgang 1950, hat die Idee in die Realität umgesetzt, wenn auch etwas anders. Seit 15 Jahren macht er Theater in der kulturellen Wüste, in Neu Lübtheen, was gar kein Ort ist, sondern ein grünes Meer aus Wiesen und Hecken. Mitten­hin­ein duckt sich die Kulturkate, die Matzen und Mitgründerin Charlotta Bjelfvenstam zu einem kulturellen Markenprodukt gemacht haben. In diesem Sommer aber wird nicht vor Ort gespielt. Die Kulturkate geht auf Reisen, erzählt auf einem Floß eine Geschichte, die an die Elbe passt, ein Grenz-Märchen: „Die vergessene Brücke“.

Die Vorlage stammt von Ödön von Horvath aus dem Jahr 1933, der Umgang mit dem Stück ist „sehr frei“. Ort des Geschehens ist nun in den 80er-Jahren ein kleiner Grenzübergang zwischen verfeindeten Ländern. Hüben bewacht Grenzorgan Hartmut den Übergang und seine Tochter Ute. Drüben schiebt der junge Torsten Dienst. Es kommt wie bei Ohnsorgs: Die jungen Leute werden von der Liebe befallen. Für weitere Komplikationen sorgen eine insolvente Hotelbesitzerin, ein angelnder Drogist, ein schwäbelnder Tourist, Regierungschefs und der Herr Schmugglitschinsky, der seinem Namen alle Ehre macht.

Das Autorenduo verknüpft die märchenhafte und groteske Handlung mit dokumentarischen Zeugnissen: Protokolle, Briefe und Medienberichte. 25 Jahre nach dem Mauerfall passt ein Stück zum Thema Grenze, und es wird längs der Grenze gespielt, zwischen Dömitz und Lauenburg. Dafür hat die Kulturkate ein 100 Quadratmeter großes Floß gebaut. Es beschert Matzen nun jeden Tag ein ungeahntes neues Problem. „Als wir das Projekt planten, warnten uns alle vor dem Hochwasser. Nun macht das Niedrigwasser Schwierigkeiten.“

Schauspieler, Band, Techniker, Helfer  Matzen und Bjelfvenstam bringen ein Team von rund 40 Mitstreitern in Bewegung, mit dabei ist der Lüneburger Schauspieler Leif Scheele. „Wir bekommen viel Unterstützung, aber alles ist knapp kalkuliert“, sagt Matzen, der als Schauspieler zwischen Berlin und Hamburg auf der Bühne stand, als Regisseur am Schauspielhaus Bochum, am Staatstheater Wiesbaden und andernorts tätig war.

„Die vergessene Grenze“ ist Teil des zweijährigen Projektes „Der Strom“, der Start beschreibt die Zeit bis 1989. Teil zwei wird von Wiedervereinigung und Nachwendezeit handeln, vielleicht auf dem Fluss, vielleicht in der kulturell begrünten Wüste Neu Lübtheens.

Die Premiere findet morgen, Freitag, in Dömitz statt, dort wird auch am Sonnabend gespielt, jeweils um 21 Uhr. Die weiteren Stationen: Darchau (31. Juli, 1./2. August), Boizenburg (7. bis 9. August), Lauenburg (14. bis 16. August), Hitzacker (21. bis 23. August), Lenzen (28./29. August) und noch einmal Dömitz (30. August). Beginn ist donnerstags um 20.30 Uhr, sonst um 21 Uhr, Einlass jeweils eine Stunde vorher. 250 bis 400 Besucher können, je nach Spielort, maximal pro Vorstellung Platz finden. Die Preise sind gestaffelt für Stuhl oder  ermäßigt  Sitzkissen, mit dem man/frau z.B. auf der Uferböschung sitzt. Karten gibt es bei der LZ-Veranstaltungskasse, Am Sande. Sollten aktuell Änderungen nötig werden, stehen sie auf der Homepage: www.kulturkate.de.