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Auf dem Bleckeder Schlosshof begeisterte die norwegische Frauen-Blechbläsergruppe tenThing mit ungewöhnlichen Arrangements klassischer Werke. Foto: t&w
Auf dem Bleckeder Schlosshof begeisterte die norwegische Frauen-Blechbläsergruppe tenThing mit ungewöhnlichen Arrangements klassischer Werke. Foto: t&w

Sommerfrisches aus Norwegen

hjr Bleckede. Statt vornehmer Konzertkleidung trugen sie bunten Sommerlook, die Leiterin kam gar barfuß auf die Bühne. Skandinavier lieben es halt unkompliziert und bürsten manches gegen den Strich, auch musikalisch. Darauf versteht sich Tine Thing Helseth prächtig. Die Trompeterin aus Norwegen scharte neun herausragende Bläserinnen um sich, gründete das Ensemble tenThing und startete damit sofort durch. Derzeit bereichern sie die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Im Bleckeder Schlosshof gastierten die Ausnahme-Interpretinnen, boten ein vielgestaltiges Programm auf Weltklasse-Niveau. Vivaldis beschwingter Sommer aus dem „Vier Jahreszeiten“-Zyklus etwa tönte vor allem brillant, virtuos und mit seinen imposant rasanten Läufen höchst furios: ein pralles Feuerwerk mit technischen Kniffen, die nur die Besten ihres Fachs beherrschen. Das galt auch für die feierlich pompöse und trotzdem vitale Ankunft der Königin von Saba aus dem Händel-Oratorium „Solomon“.

Großartig ist das handwerkliche Können der zehn Frauen von den Fjorden. Punktgenaue Arrangements prägen einen unverwechselbaren Stil. Edvard Grieg und Harald Saeverud sind bedeutende Komponisten ihrer skandinavischen Heimat. Letztgenannter schrieb mit „Kjempeviseslatten“ einen Tanz, der norwegischen Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg gegen deutsche Okkupanten Mut zusprechen sollte. Entsprechend agitatorisch machtvoll fiel der Ton aus. Griegs „Lyrische Stücke“ op. 68 wirkten erheblich verklärter, obwohl die Bläserversion gegenüber der originären Klavierfassung deutlich opulenter zu Gehör kommt.

Tuba, Horn, Trompeten und Posaunen sorgten für bestechenden Sound und ungewöhnliche Lesarten bekannter Werke, zum Beispiel den „Valse Sentimentale“ von Tschaikowski, die Humorske aus der Feder von Antonin Dvorak oder Astor Piazzollas „Verano porteno“ und „Oblivion“, zwei argentinische Tangos, die in Blechbläser-Verpackung wesentlich markiger ausfallen. Näher am Original präsentierte sich „Hoe-Down“ aus dem Ballett „Rodeo“ vom Amerikaner Aaron Copland.

Kurt Weill wäre gewiss von der knackfrischen Adaption seiner „Dreigroschenoper“ begeistert gewesen. Die ewig jungen Songs passten maßgeschneidert zu der Bläser-Besetzung, und tenThing legte mit Esprit und Energie los. Die Suite nimmt den Tonfall der späten 20er-Jahre glänzend auf, beschwört den Geist der kurzen Epoche, kongenial von den Interpretinnen herausgespielt. Sie fühlten sich in solchem Klang-Metier äußerst wohl. Nach den Tango- und anderen Ausflügen lenkten die Gäste den Blick auch auf Bizets Oper „Carmen“  als Mini-Suite, komprimiert auf lediglich 400 Sekunden. Das Publikum jubelte.