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Auf dem Weg zum Lagerfeuer kann es auch mal etwas nasser werden. Foto: brüggemann
Auf dem Weg zum Lagerfeuer kann es auch mal etwas nasser werden. Foto: brüggemann

Es ist angezündet

oc Bostelwiebeck/Wettenbostel. Es steht ein kleiner Wegweiser an der Straße, er führt zum Jahrmarkttheater. Dort, an der Hauswand, lehnen Schilder: „Achtung Bosteln“. Anja Imig und Thomas Matschoß haben ja nicht nur mit ihrer Theatermacherei das kleine Bostelwiebeck belebt, sie haben mit ihren Akteuren auch eine neue Sportart erfunden, eben das Bosteln, so eine Art Boßeln. Jetzt verteilen sich ein paar Zelte auf dem Gelände, werden zum Mittagessen Tische zusammengerückt. Anschließend geht es rüber nach Wettenbostel, zu letzten Proben für „The History of Lagerfeuer“. Die Premiere Donnerstag, 31. Juli, ist längst ausverkauft. Und nicht nur die.

Im sechsten Jahr machen Matschoß, Imig und Mitstreiter Theater auf dem Wettenbosteler Hof von Maria Krewet. Ungewöhnliches Theater. Das Publikum bekommt einen Hocker und wandert von Spielort zu Spielort. „Was ihr wollt“ gab es zum Start, „Dracula“ im vergangenen Jahr. Vor einiger Zeit nun stieß Matschoß auf das Kernwerk von Prof. Dr. Dr. Alfred Holzmacher-Stockton. Er hat einen, nein, den entscheidenden Wälzer zur Kulturgeschichte geschrieben, erschienen bei utopia. „The History of Lagerfeuer“ führt die Menschheit auf einen Kern zurück  ans Feuer. Dorthin also, wo beim Palaver alle großen Ideen entstanden sind.

Matschoß studierte das Opus, war Feuer und Flamme, extrahierte zentrale Thesen und baute um sie herum einen Theaterabend, der die Vielfalt der Holzmacher-Stockton-Thesen untermauern und Köpfe rauchen lassen wird. Gespielt wird streckenweise simultan auf neun Bühnen, jeder Besucher wird diesen Abend anders erleben, muss sich entscheiden, was er nach einem Intro sehen und hören wird. Gebündelt wird die Collage oder Revue, wie immer man es nennen will, schließlich am Lagerfeuer. „Jeder Abend ist anders, auch für uns“, sagt Anja Imig. Sie ist wieder für die Ausstattung zuständig, hat zum Beispiel sämtliche Kostüme aus früheren recycelt.

Es werde kein Abend, den man einfach konsumieren könne, meint Thomas Matschoß, „aber es ist immer noch Volkstheater.“ Matschoß, den es immer mehr zum Spielen drängt, hat sich Verstärkung ins Team geholt: Andrea Hingst unterstützt ihn bei der Regie. Erwartet wird übrigens auch Professor Holzmacher-Stockton. Und natürlich gibt es jede Menge Musik.

Keiner also weiß so ganz genau, was am Lagerfeuer passiert. Aber die Karten sind fast durchweg ausverkauft, bis auf die Vorstellung am 24. sowie zwei neu hinzugefügte: Das 13-köpfige Team plus Technik, Logistik etc. legt zusätzlich am Mittwoch und Donnerstag, 27./28. August, los.

Begleitet wird „The History of Lagerfeuer“ von der Bibliothek der Utopien. Sie versammelt utopisches Gedankengut aller Art, von Karl Marx bis Karl May, von Schlegel bis zu den Schlümpfen. Jeder, der zur Vorstellung kommt, kann sich hier per Büchertausch bedienen, also Ideen, die im eigenen Regal ausgedient haben, gegen neue eintauschen.

Das Wettenbostel-Programm bietet außer der „History“ für Kinder ab vier Jahren „Gans der Bär“. Das Stück mit Musik nach dem Bilderbuch der Hamburgerin Katja Gehrmann steht am 16./17. und 23./24. August auf dem Plan. Außerdem gastiert die Freie Bühne Wendland mit „Emmas Glück“ (21. August) im zweiten Jahr in Wettenbostel.