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Schnell noch ein Foto und weiter ging die Sommerreise der Ministerin Dr. Gabriele Heinen-Klajic (Mitte), neben ihr Theater-Intendant Hajo Fouquet. Mit im kurzen Austausch zur schwierigen Lage des Theaters waren  v.l. die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne), die Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze (SPD), Theater-Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann, die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) und die Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden (Grüne). Foto: t&w
Schnell noch ein Foto und weiter ging die Sommerreise der Ministerin Dr. Gabriele Heinen-Klajic (Mitte), neben ihr Theater-Intendant Hajo Fouquet. Mit im kurzen Austausch zur schwierigen Lage des Theaters waren v.l. die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne), die Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze (SPD), Theater-Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann, die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) und die Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden (Grüne). Foto: t&w

Alles hängt am Geld

oc Lüneburg. Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Das Theater Lüneburg hat steigende Besucherzahlen, zählt im Bundesvergleich zu den wirtschaftlich sparsamsten Bühnen und schliddert doch in ein bedrohliches Defizit. Für einen ausgeglichenen Wirtschaftsplan fehlen schon für die Spielzeit 2014/15 fast 325000 Euro, drei Jahre weiter wäre das Theater insolvent. Die Verhandlungen mit dem Land über einen neuen Vertrag ab 2015 laufen. Gestern gab die zuständige Ministerin Dr. Gabriele Heinen-Klaji (Grüne) ein Kurzgastspiel im Theater, im Rahmen einer Sommerreise, die vom Alten bis ins Wendland führte. Geld brachte sie nicht mit, im LZ-Interview nahm sie Stellung zur Situation der Theater  und zur Leuphana.

Hintergrund: Das Land stützt das Theater Lüneburg mit zurzeit 2,8 Milionen Euro. Stadt und Kreis, seit 1975 koummunale Träger des Theaters, geben pro Jahr jeweils 1,41 Millionen Euro. Das Problem, an dem das Theater leidet, stammt aus den Jahren 2005 bis 2011. Da hatte das Land bei seiner Theaterförderung die Tarifsteigerungen ausgeklammert. Sie mussten aus dem eingefrorenen Etat bedient werden. Das ging lange durch den Griff auf Rücklagen gut, doch der Topf ist nun leer. Landesweit haben die kommunalen Bühnen in Osnabrück, Celle, Hildesheim und Wilhelmshaven mehr oder weniger ähnliche Probleme, insgesamt hätten sie gern ein Plus von 2,5 Millionen. Lüneburg bräuchte 400000 Euro, um Theater im heutigen Umfang und auf derzeitigem Niveau machen zu können.

Das Interview:

2 Über sieben Jahre waren in den Etats der Theaterförderung die Kosten für Tarifsteigerungen eingefroren. Das führt jetzt zu einer sich laufend steigernden Finanzkrise des Theaters. Sehen Sie bei den laufenden Verhandlungen Wege für eine aus Sicht der Theater dringend notwendige Aufstockung des Finanzsockels für die kommunalen Theater?

Heinen-Klaji: Erst einmal ist es als Erfolg zu werten, dass wir es geschafft haben, die Tariferhöhungen wieder fest in den Vertrag aufzunehmen, und dass wir in der Lage sind, eine mehrjährige Vereinbarung mit den Theatern abzuschließen. Mir war auch wichtig, die Summen für Anreizprogramme ins feste Budget zu übernehmen. Das sind positive Signale. Bei dem Problem, das bei der Grundfinanzierung droht, verstehe ich den Unmut. Ich setze mich auch gerne für die Theater ein, wir werden aber ein Aufstocken haushaltstechnisch nicht leisten können. Auch mein Ministerium muss Millionen-Euro-Beträge einsparen. So berechtigt die Forderung ist, ich fürchte, dass uns die Haushaltsmittel fehlen.

2 Sehen Sie Spielraum, dass die politische Ebene, die Fraktionen, hier noch etwas tun können?

Heinen-Klaji: Das müssen Sie die Abgeordneten fragen. Ich glaube schon, dass die Abgeordneten aus Ihrer Region wissen, welche Projekte besonders dringlich sind.

2 Halten Sie Spartenschließungen für einen möglicherweise sinnvollen Weg, Theater zu sanieren?

Heinen-Klaji: Bei solchen Überlegungen muss man immer bedenken, was das für das Publikum und das Angebot bedeutet. Ich sehe aber nicht die Gefahr, dass es dazu in Lüneburg kommen könnte, wir sichern mit den neuen Verträgen die kommunalen Theater bis 2017.

2 Das Dauerbrenner-Thema in Lüneburg ist die Leuphana Universität bzw. der dort entstehende Libeskind-Bau. Sehen Sie die Diskussion jetzt in ruhigerem Wasser?

Heinen-Klaji: Wir kennen die Risiken und die Berechnungen. Kostensteigerungen auf 100 Millionen Euro sind nicht auszuschließen. Ich hoffe aber, der Fall wird nicht eintreten. Wir ziehen da Kontrollen ein: Die Ausschreibung für einen Projektmanager läuft, ein Controlling-Beirat ist installiert und informiert die Stiftung der Leuphana, also den Bauherrn, über alle Schritte  zum Beispiel über die Nachverhandlungen mit dem Rohbauer. Das ist wichtig, damit das noch immer hoch ambitionierte Zeitfenster eingehalten werden kann, um die EU-Mittel zu erhalten. Da darf jetzt nichts mehr schiefgehen.