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Ägypten in der Heide

aat Luhmühlen. Das Wetter spielte mit: Mit dem Sonnenuntergang am wolkenlosen Himmel wurde es auch Nacht auf der Bühne im „Himmel- und Heide“-Eventpark Luhmühlen. Am atmosphärisch beleuchteten Isistempel trifft im dritten Akt von „Aida“ die Titelheldin ihren geliebten Radames, belastet mit dem Auftrag, ihn zum Vaterlandsverräter zu machen. Ein dramatischer Höhepunkt der Verdi-Oper, deren Freiluft-Aufführung sich immer fesselnder entwickelte.

Mit rund 150 Mitwirkenden war das Tournee-Ensemble aus Bulgarien angereist. Große Stimmen und ein erfahrenes Ensemble von Solisten, Choristen und Tänzern wurden vom routiniert musizierenden Symphonieorchester der Staatsoper Plovdiv von einem Zelt neben der Hauptbühne aus begleitet. Dirigent Diego Crovetti, der mit „Aida“ bereits ein erfolgreiches Operndebüt in seiner Geburtsstadt Mailand feierte, leitete das auf zwei Schauplätze verteilte Team souverän mit großer Vitalität.

Zwar wurde die Musik verstärkt und erreichte das Publikum vor allem über die nicht immer perfekt ausgesteuerte Anlage. Doch sorgte Crovetti für nuanciertes Spiel, animierte die Solisten zu Höchstleistungen und schuf jenen spannungsreichen Fluss des Bühnengeschehens, der dieses Werk zu einem der beliebtesten Verdis macht.

Die Handlung spielt zur Pharaonenzeit in Ägypten, passend zum Anlass des Auftragswerks, der Feier zur Eröffnung des Suezkanals 1871 in Kairo. Das Spannungsfeld zwischen den verfeindeten Ländern Ägypten und Äthiopien gibt den Hintergrund der tragischen Liebesgeschichte. Dem siegreichen Anführer des ägyptischen Heers, Radames, wird Amneris, Tochter des Pharao, versprochen, doch er liebt die Sklavin Aida, die Königstochter Äthiopiens, die zwischen dem verbotenen Geliebten und ihrem Vater entscheiden muss und am Ende den Freitod an der Seite des zum Tode verurteilten Radames wählt.

Ein Stoff, den die Regie (Antonio Petris / Nadja Hristosova) mit wenig Requisiten, traditionellen Kostümen und geschickter Beleuchtung auf die provisorische Bühne brachte. Und eine wunderbare Musik, für die Solisten, Chor und Ballett alles gaben.

Mit einer Aufführung im geschlossenen Theater ist diese Freiluft-Veranstaltung kaum zu vergleichen, nicht nur, weil über lange Strecken eine Balance zwischen zuweilen diffusem Orchester- und schwachem Chorklang und laut hörbaren Solisten kaum möglich scheint. Vielleicht auch deshalb macht das Programmheft nicht deutlich, wer welche Rolle singt und spielt. Dabei waren einige Solisten mehr als durchschnittlich gut. Allen voran überzeugte das Duo Aida (Rossella Redoglia) und Amneris (Stefania Scolastici) mit großen, tragenden und emotionalen Stimmen. Am Ende gab es begeisterte Zustimmung.