Donnerstag , 29. September 2016
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Sängerin mit Charisma und großer Stimme: Cécile Verny. Foto: t&w
Sängerin mit Charisma und großer Stimme: Cécile Verny. Foto: t&w

Jazz darf einfach alles

oc Lüneburg. Es gibt so viele Frauen im Jazz, die einfach verdammt gut singen. Die Luft an der Spitze ist dünn, drum lebt manche mit dem ewigen Stempel des Geheimtipps. Was ja eigentlich ein Garant für Aufmerksamkeit ist, aber Cécile Verny muss dennoch um eben diese kämpfen. Das mag im Süden, wo sie lebt, dank höherer Präsenz anders sein, und knapp hundert Besucher sind es ja immerhin, die dem Cécile Verny Quartett beim abschließenden, vierten Sommernachtskonzert im Kulturforum zuhörten. Vor elf Jahren war sie zuletzt in Lüneburg.

Mit eigenem Quartett aber ist sie bereits seit mehr als 25 Jahren unterwegs. Cécile Verny ist eine Multikultifrau. Sie stammt von der Elfenbeinküste, kam als Kind nach Frankreich, lebt seit 25 Jahren bei Freiburg. Einiges davon findet sich in ihrer Musik, die meistens sehr rhythmisch betont daherkommt und viele Einflüsse in sich aufsaugt. Verny kann einen französischen Balladenton anschlagen, Jazzrockgefilde einer Julie Driscoll in Erinnerung rufen, mit Scat-Gesang und Vokalisen ins Improvisieren ausbrechen, sie klingt Blues- und manchmal Swing-informiert.

Das  noch – aktuelle Album „Fear & Faith“ steht im Mittelpunkt des Abends. Die Stücke, so erzählt sie es, haben ihren Ursprung beim Jammen in Hotelzimmern. Zur Reife gebracht wurden sie mit Hilfe des Produzenten (und Trompeters) Nils Wülker. Vieleicht war er es, der den Stücken viel Songstruktur und einigen rockigen Geist einimpfte. Jedenfalls kommen die Titel in der Regel kompakt daher, aber spätestens live wird die Struktur häufig aufgebrochen, jeder aus der Band bekommt seinen Raum.

Das Quartett entwickelt sich seit den frühen Tagen gemeinsam, auch wenn auf der aktuellen Tournee Samuel Jersak die Tasten von Andreas Erchinger übernimmt. Jersak ist ebenfalls ein Musiker, der sich zwischen den Genres bewegt, entsprechend gut passt er sich in die Band ein. Die Autonomie des Bass-Spiels demonstriert Bernd Heitzler in vielen Ausflügen und ohne reine Virtuosität auszustellen  das ist unaufgeregt von hoher Qualität. Entsprechend bearbeitet Lars Binder das Schlagwerk, auch bei ihm geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Klang.

Das Quartett demonstriert, wie sich solistische Qualitäten zu einem sehr dicht gewebten musikalischen Geflecht fügen können, im Unterschied zu vielen Formationen, die ein Thema in den Raum schleudern, von dem sie dann alle losfliegen. Für den Zusammenhalt aber sorgt in erster Linie die Sängerin, deren Stimme eine enorme Bandbreite besitzt, die sehr sicher geführt wird, einen berührenden Balladenklang besitzt, aber auch lustvoll tanzen und grooven mag. Bei aller Erfahrung, die sie als mehrfach ausgezeichnete Sängerin einbringt, klingt Cécile Verny frisch, motiviert und gespannt auf das, was um sie herum geschieht.

Zwei Zugaben sind an einem langen Abend fällig, Zeit zum Signieren von CDs findet sie natürlich auch. Es müssen nicht wieder elf Jahre sein, bis sie den Weg nach Lüneburg findet.