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Zuschauen und fotografieren erwünscht: Tibetische Mönche arbeiten im Glockenhaus an einem Sand-Mandala, sie sammeln Spenden für Schulen ihrer Heimat. Foto: t&w
Zuschauen und fotografieren erwünscht: Tibetische Mönche arbeiten im Glockenhaus an einem Sand-Mandala, sie sammeln Spenden für Schulen ihrer Heimat. Foto: t&w

Der Palast der Grünen Tara

ff Lüneburg. Die Grüne Tara gelobte, immer wieder ausschließlich als Frau zu inkarnieren und als solche zu Buddhaschaft zu erwachen. Das hat sie  der Überlieferung zufolge  tatsächlich durchgehalten, weshalb sie als Mutter aller Buddhas gilt und sich als feministische Leitfigur beschreiben lässt. Der Grünen Tara ist ein Mandala gewidmet, das zurzeit im Lüneburger Glockenhaus entsteht. Vier tibetische Mönche arbeiten mit feinem, farbigem Sand an dem fragilen Gebilde, am Sonnabend wollen sie ihr Werk selber zunichte machen: Dann wird das Mandala aufgelöst, der Sand gegen 16 Uhr in die Ilmenau gestreut.

Sinnlos gewesen ist der Aufwand nicht. Denn der Geist der Tara, der sich in dem kreisrunden Bild manifestiert, wird dann über den Fluss in die Welt hinaus getragen, zugleich gilt die Zeremonie als Zeichen für die Vergänglichkeit allen Seins. Das Mandala zeigt aus der Vogelperspektive den Palast der Grünen Tara, symbolhaft für weibliche Kraft und ihre Tugenden  also etwa, auf die innere Stimme zu hören, dem eigenen Gefühl Raum zu geben und im Umgang mit den Mitmenschen auf friedliche Strategien zu vertrauen. Natürlich kann die Grüne Tara, selbst gesegnet mit 21 Schwestern, auch Männer in ihrem Tun und Denken inspirieren.

Zum Beispiel die vier Geshes, Professoren der Klosteruniversität Sera, die heute, 8. August, noch von 10 bis 12 und 14.30 bis 17 Uhr (Eintritt frei) im Glockenhaus arbeiten  mit Seilen vom möglicherweise hustenden oder niesenden Publikum zum Schutz des empfindlichen Mandalas abgetrennt, aber ansprechbar und auch gern fotografierbar. Die Männer in ihren typischen dunkelroten Gewändern streuen den Sand, der in zahlreichen Farbtönen bereit steht, mit Hilfe von Trichtern. Es gibt keine weihevolle Stille, dafür ein Video, Fotos, Info-Texte und bunte Gebetsfahnen. Einer der Mönche hat den Mundschutz abgelegt, der die aus indischem Marmor hergestellten Farbkörnchen vor dem Atem schützen soll. Der Geistliche entspannt sich ein wenig, wandert im Glockenhaus herum, schüttelt Hände und spricht, er beherrscht ein paar Brocken Deutsch, mit den Besuchern.
Vier- bis sechstausend Mönche haben im südindischen Sera ihre Exil-Heimat gefunden; ihr Studium, das unter anderem Kunst und Philosophie umfasst, dauert schon mal 20 Jahre. Die vier Geshes, von Elke Röhl und Petra Manning nach Lüneburg eingeladen, sammeln Spenden für Schulen in Tibet. Sie absolvieren mit ihrer Kunst, die auch Teil der theologischen Ausbildung war, so etwas wie eine Deutschland-Tournee. Die Mönche waren bereits in der Nähe von Schneverdingen, Kassel und Hannover, ihre nächste Station ist das Völkerkundemuseum Hamburg. Elke Röhl und Petra Manning haben bereits zum zweiten Mal Gäste aus Sera eingeladen; im Jahre 2012 waren sie, damals in der Ritterakademie, mit dem gleichen Projekt auf große Resonanz gestoßen.