Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | 8Bits, Pacman und der Wäschemann
Die Rückkehr der rührenden Space Invaders: Tobias Hickethier erinnert mit seinem Vortrag an die Pionierzeiten des Computerspiels. Foto: ff
Die Rückkehr der rührenden Space Invaders: Tobias Hickethier erinnert mit seinem Vortrag an die Pionierzeiten des Computerspiels. Foto: ff

8Bits, Pacman und der Wäschemann

ff Lüneburg. Am Anfang waren ein Punkt und zwei Striche. Sie wanderten über den Bildschirm und verursachten eine mittlere Begeisterung. So sah das erste Computerspiel aus, über zwei Drehknöpfe ließ sich so etwas Ähnliches wie Tennis damit spielen. Das war 1972. Heute überbieten sich die Hersteller mit rasanten Abenteuern, ausgefeilten Charakteren der Protagonisten, hochauflösenden Graphiken, dramatischen Kulissen und aufwändigen Soundtracks. Aber der Charme des Eckigen kehrt zurück auf die Bildschirme, „die Acht-Bit-Ästhetik ist heute wieder aktuell“, sagt Tobias Hickethier.

Auf der Sommerloch-Gala 2014 in der Gasthausbrauerei Nolte sprach der Hannoveraner über das „Pong-Prinzip“, über die Entwicklung des Computers und der ersten Computerspiele, über rührend naive, verpixelte Bilder, über grottenschlechte Bildregie und mühselig arbeitende Rechner. Aber Pacman und die knuddeligen Space Invaders waren nicht aufzuhalten, später entwickelte sich ein eigenes Kunst-Genre um die ruckeligen, groben Animationen.

Drei Gameboys aus der Pionierzeit, 1989 gebaut und so klobig wie Utensilien aus einem Raumschiff-Orion-Film, setzen Sputnik Booster and the Future Posers für ihre Bühnen-Performance ein. Denn natürlich bot die Sommerloch-Gala hauptsächlich Musik: viel Elektronisches, aber auch Rock, Pop und sogar Shanties. „Der singende Wäschemann“  bürgerlich: Klaus Jess aus Bardowick  eröffnete, begleitet von Jens-Peter von Deym (Gesang, Akkordeon), mit maritimen Lieder das Programm, zum Beispiel mit Hans Albers, mit „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins…“

Das Konzept des Abends lautete: Nichts darf zusammenpassen. Das war schon bei der ersten Gala 2010 so. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei die lange Nacht wegen des Vorwurfs der Ruhestörung beendet, daraufhin wurde der Festsaal mit Panzerglas-Fenstern ausgerüstet. Dauergast Ulle Bowski konnte diesmal nicht dabei sein, er pilgert gerade den Jacobsweg. Dafür zog Bubi Elektrick vom Planeten Orkan wie immer seine spacige Comedy-Show ab. Die junge Band Punkt und Tilli`Martini aus Lüneburg waren erstmals dabei, gwEm (aus London), Blau (drei Typen, vier Lieder) und Die Moderne Welt (8Bit-Musik) setzten Akzente.

Auf der Nolte-Stube nachts um halb zwei mündete das Programm langsam ins Finale. Gastgeber Carsten Nolte rundete es mit „Naomi Sample and the Go Go Ghosts“ und wiederum schrägen E-Sounds ab. Die Truppe wurde bereits von Jacques Palminger nach Hamburg eingeladen, eine Party abzustylen. „Das nervt richtig“, hatte Palminger geurteilt. Gibt es ein schöneres Kompliment?