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Volker Degen-Feldmann (re.) und  Hajo Fouquet vor dem Theater, das zurzeit energetisch saniert wird. Foto: t&w
Volker Degen-Feldmann (re.) und Hajo Fouquet vor dem Theater, das zurzeit energetisch saniert wird. Foto: t&w

Es geht los, aber wie weiter?

oc Lüneburg. Vor dem Sommerurlaub kommt bei Politikern die Sommerreise. Da schauen sie, wie das Land aufs Regieren reagiert. Kurz schaute die fürs Theater zuständige Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic jüngst in Lüneburg vorbei. Sie fand lobende Worte, erkannte und akzeptierte aber auch das Kernproblem der drohenden roten Zahlen, hatte aber und hat nichts frei im Etat, mit dem sie das Loch im Theateretat stopfen könnte. Das Minus summiert sich in den kommenden Jahren in Höhen, die das Theaterleben der Stadt ins Mark träfen. Was tun, fragt die LZ die Chefs des Theaters: Volker Degen-Feldmann, den Verwaltungsdirektor, und Hajo Fouquet, den Intendanten.

Die Ministerin sagt, sie hat kein Geld mehr frei im Etat. Droht nun die Pleite?

Degen-Feldmann: Das Thema ist ja noch nicht vom Tisch. Wir hoffen, dass es im September bei den Haushaltsberatungen des Landes noch Bewegung gibt.

Fouquet: Wir haben jetzt den Entwurf für einen neuen Vertrag vorliegen, der die Theaterfinanzierung bis 2017 regelt, auf dem Tisch. Er ist frühzeitig gekommen, und wir sind nun aufgefordert, Stellung zu beziehen. Wir haben von allen Seiten der Politik und durch das Publikum sehr viel Zuspruch zu unserer Arbeit erhalten. Wir gehen davon aus, dass das nicht ohne Widerhall bleibt.

Um wie viel Geld geht es Ihnen?

Degen-Feldmann: Hintergrund sind ja die ausgebliebenen Zuschüsse für Tarif- und Kostensteigerungen in der Theaterförderung der Jahre 2005 bis 2011. Errechnet haben wir einen Bedarf von 800000 Euro, um das auf Dauer ausgleichen zu können. Das wären für das Land nach dem laufenden Finanzierungsmodell 400000 Euro.

Gibt es denn von Stadt und Kreis, also den kommunalen Trägern des Theaters, Signale, dass sie für die anderen 50 Prozent bereitstehen?

Fouquet: Es gibt von den Gesellschaftern die Aufforderung, entsprechend mit dem Land zu verhandeln, das machen wir in enger Abstimmung mit Stadt und Kreis. Dass sie mit je einem Viertel dabei wären, wäre natürlich gegebenenfalls eine logische Folge. Aber das sind alles Themen der laufenden Verhandlungen.

Degen-Feldmann: Positiv ist, dass vom Land in den neuen Vertrag die bisher einzeln zu beantragenden Förderprogramme zum Beispiel im Bereich des Kindertheaters als Festsumme integriert wurden. Das spart viel Bürokratie und gibt an dem Punkt Planungssicherheit.

Wenn es ums Sparen geht, fällt oft das Wort Spartenschließung. Ist das eine Option?

Fouquet: Die Ministerin hat deutlich gesagt, dass sie helfen will, einen Weg zu finden, damit dieses Theater in seiner Struktur weiterarbeiten kann. Spartenschließung ist für uns keine Option. Das Theaterprogramm wäre dadurch nicht billiger zu machen.

Degen-Feldmann: Rein rechnerisch wäre eine Einsparung nur duch das Schließen des Musiktheaters möglich, aber auch das nur über einen sehr langen Zeitraum.

Fouquet: Noch einmal: eine Sparte zu schließen, ist keine Option! Weder künstlerisch noch wirtschaftlich! Die Abwicklung der oft langfristig abgesicherten Mitarbeiter aus Orchester und Chor wäre über viele Jahre sehr kostspielig, ohne irgendeinen Gegenwert. Im Übrigen geben wir insgesamt heute für Gastkünstler weniger aus, als es vor fünf Jahren der Fall war.

Degen-Feldmann: Wir haben wirklich alles ausgereizt, sind absolut an der Grenze.

Aktuell wird in den Bau investiert.

Degen-Feldmann: Dabei handelt es sich um energetisch dringende Maßnahmen, um den Bau zu erhalten und das Haus auf heute nötige Standards zu bringen. Das Land, mit dem wir sehr gut kooperieren, stützt über EFRE-Mittel in Höhe von ca. 1,2 Millionen Euro die Baumaßnahmen, die alles in allem einem Volumen von 1,6 Millionen Euro entsprechen. Das Geld kommt nicht aus den Töpfen des laufenden Theaterbetriebs. Die Bauarbeiten werden übrigens noch rund vier Wochen dauern, die Proben aber nicht stören.

Der Probenbetrieb beginnt morgen, Freitag. Es wird wieder neue Gesichter am Theater geben.

Fouquet: Ja, ich freue mich, dass der Vertrag mit Stefan Zilias als neuem 1. Kapellmeister und Studienleiter unter Dach nund Fach ist. Wir bekommen drei Neue im Schauspielteam, das sind Alisa Levin, Felix Breuel und Martin Greif. Wir haben ab September Nadja Meyer als neue Frau für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, und beim Ballett tut sich auch Erfreuliches. Die Qualität unserer Arbeit sollte in allen Sparten mehr als gesichert sein:

Es beginnt in diesen Tagen in Lüneburg ein Internationales Sommerstudio für Operntalente mit einem Abschlusskonzert im Theater. Können Sie sich das überhaupt leisten?

Fouquet: Das kostet uns kein Geld. Das ist eine Veranstaltung der InCanto International Academy und des Conservatoriums Maastricht für Talente aus dem Bereich Gesang und Dirigat. Mit dabei ist unser Generalmusikdirektor Thomas Dorsch, auch die Regisseurin Ini Gerath ist Dozentin, sie hat gerade unsere „Zauberflöte“ inszeniert. Dass die Ergebnisse am 23. August um 20 Uhr in unserem Haus vorgestellt werden, freut uns natürlich.