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Kino-Leiter Robert Strkic bei der 3D-Technik-Premiere mit dem Film Monsters vs. Aliens. Mittlerweile werden die großen Produktionen fast selbstverständlich nur noch in 3D-Technik präsentiert. Das freut nicht alle Cineasten. Foto: t&w
Kino-Leiter Robert Strkic bei der 3D-Technik-Premiere mit dem Film Monsters vs. Aliens. Mittlerweile werden die großen Produktionen fast selbstverständlich nur noch in 3D-Technik präsentiert. Das freut nicht alle Cineasten. Foto: t&w

Turbulente Abenteuer

ff Lüneburg. Der junge Wikinger Hicks erobert auf dem Rücken seines Drachen die Welt. Auf einer verseuchten Erde kämpfen Menschen und Affen um die Herrschaft. Gleichzeitig liefern sich Cyborgs, halb Mensch, halb Roboter, gewaltige Materialschlachten. „Drachenzähmen leicht gemacht“, „Planet der Affen“ und „Transformers“: drei Blockbuster, Kinofilme mit großer Kulisse  alle drei laufen aktuell im Lüneburger Filmpalast in 3D-Fassung. Der Zuschauer trägt eine Spezialbrille, die ihn die Bilder als Raum erleben lässt. Vor fünf Jahren rüstete Robert Strkic das Kino, das damals noch CineStar hieß, mit der neuesten 3D-Technik aus. Seine Erfahrung: Die meisten Kinobesucher genießen das Spektakel, ab und zu gibt es auch Kritik.

„Das 3D-Format ist zu einem festen Bestandteil des Kinos geworden“, sagt Robert Strkic, „es wird vom Publikum, aber auch von den Filmproduzenten favorisiert“. Seit 2009 sind vier der acht Säle mit 3D-Digitaltechnik ausgestattet. Einer kann außerdem Filme im HFR-Verfahren (high frame rate) zeigen. Das sind aufwändige Produktionen wie etwa die „Hobbit“-Trilogie, die mit 48 Bildern pro Sekunde (statt der üblichen 24) gedreht wurden und damit noch flüssiger im Ablauf wirken.

Die 3D-Technik lohnt sich vor allem dort, wo das Geschehen in erster Linie über dramatische Bilder transportiert wird, also etwa Space-Operas und Fantasy-Filme  bei Kammerspielen und kleinformatigem Autorenkino macht sie keinen Sinn. Bundesweit ging die Umrüstung der großen Kinos einher mit der Premiere von „Avatar“. Die Geschichte der Eroberung eines Planeten ist bis heute der erfolgreichste Kinofilm der letzten 14 Jahre. Für die Kinobetreiber ist die 3D-Technik natürlich ein Markt- und Wettbewerbsfaktor  auch mit Blick auf das Puschenkino, die TV-Technologie, deren Hersteller ebenfalls im 3D-Sektor Fuß fassen wollen.

Das Problem: Nicht jeder Filmfreund verträgt die ebenso eindrucksvollen wie turbulenten 3D-Filme auf großer Leinwand. „Rund einem Viertel aller Menschen bekommt diese virtuelle Räumlichkeit nicht. Mancher muss bereits nach wenigen Minuten das Kino verlassen, andere klagen nach dem Kinobesuch über Übelkeit, Sehstörungen oder Kopfweh  manchmal erst nach Stunden“, heißt es beispielsweise auf der Homepage „g-wie-gesund.de“ der Praxis für Angewandte Syn­er­getik von Peter und Ingrid Scharf. Menschen, die etwa auf einem Auge stark sehbehindert sind, bleiben solche Filme naturgemäß verschlossen. Andere reagieren von Natur aus besonders sensibel auf alle möglichen Reize und bleiben vorsorglich lieber draußen.

Obwohl die 3D-Movies in der Regel auch gleichzeitig in herkömmlicher Flächentechnik gedreht werden, ist die (billigere) 2D-Fassung für die Kino-Betreiber von den Film-Verleihern kaum zu bekommen  erst recht nicht für die großen, umgerüsteten Lichtspielhäuser. Diese Erfahrung musste etwa LZ-Leser Nicolai Krebsbach machen: „Ich selbst kann kein 3D gucken, würde aber gerne mal wieder ins Kino gehen, um zum Beispiel den Planeten der Affen zu gucken.“ Aber Robert Strkic musste passen, er kennt das Problem: „Ab und zu erleben wir, dass jemand an der Kasse ohne Ticket wieder umkehrt. Bei Kinderfilmen achten wir aber darauf, grundsätzlich auch die 2D-Fassung anzubieten.“ Das ist nicht zuletzt eine Geldfrage, etwa bei Kindergeburtstagen, die ins Kino führen sollen. „Drachenzähmen“, frei ab sechs Jahren, läuft, ebenso wie das animierte Flugzeug­aben­teuer „Planes 2“, in beiden Versionen.