Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Der Kreis schließt sich – Mit Video
An 127 Abenden hatte Elke Rickert Wetter, Technik und Publikum im Griff, heute zum letzten Mal. Foto: t&w
An 127 Abenden hatte Elke Rickert Wetter, Technik und Publikum im Griff, heute zum letzten Mal. Foto: t&w

Der Kreis schließt sich – Mit Video

oc Lüneburg. Einmal noch drängt heute Abend der Blick nach oben, halten die Wolken dicht? Einmal noch bleibt die Frage, läuft die Technik sicher? Kommen Leute? Soll ich denn heute irgendetwas anderes sagen? Vielleicht schon, denn heute Abend steht Elke Rickert zum 127. Mal vor den Kinobesuchern im Kurpark  und zum letzten Mal. Sie hat das Open-Air-Kino im Kurpark vor 20 Jahren mitgegründet, war an jedem Abend da, immer verantwortlich. Den letzten Film für heute um 22 Uhr haben ihre Kollegen ausgesucht: „Cinema Paradiso“, eine Liebeserklärung ans Kino. Elke Rickerts Liebe zum Kino endet heute nicht, sie begann aber einmal in Reppenstedt mit einem umgebauten Möbelwagen.

Klappstühle hatte der Wagen geladen, eine Leinwand, einen ratternden Projektor und Filmrollen. „Ich weiß nicht mehr, was ich dort gesehen habe, aber es ist meine erste Kino-Erinnernung, das war Ende der 60er-Jahre“, sagt Elke Rickert, die Erzieherin und Sozialarbeiterin wurde und fürs Kino den Beruf schließlich hinschmiss. ,,Infiziert wurde ich über das Filmforum der Volkshochschule, da liefen besondere Filme, über die man reden konnte“, erinnert sie sich. Im Herbst 1982 stieg sie ins Filmforum-Team ein und blieb bis zu dessen Ende dabei. Das war 1993.

Ihr Interesse am Film brauchte ein neues Ventil, mit Ulla Brennecke und Studierenden gründete sie die Kino-Werkstatt. Im September 1994 liefen die ersten Open-Air-Filme. Oberstadtdirektor Reiner Faulhaber hatte den Kurpark als Spielort empfohlen, das sollte sich bewähren. Anfangs gab es Doppelpack-Abende mit „Out of Rosenheim / Die Vögel“ und „The Commitments / Cinema Paradiso“. So schließt sich der Kreis.

Heute ist das Open-Air-Kino ein Teamwork von Kino-Werkstatt und Scala-Programmkino. Die neue Scala-Ära startete im Jahr 2000, mit Ulla Brennecke als Geschäftsführerin und mit Elke Rickert, die dafür die Sozialarbeit endgültig aufgab. „Das hab ich nie bereut.“ Ulla Brennecke hat sich mittlerweile aus der vorderen Reihe zurückgezogen, wird das Kino künftig von Berlin aus begleiten. Elke Rickert bleibt  „hoffentlich noch viele Jahre“. Scala und Open-Air-Kino schaffen es zugleich, beizeiten für einen Generationenwechsel zu sorgen. Das hält die Konzepte frisch und lockt jüngere Altersgruppen ins Haus. Das Open-Air-Kino wird ab 2015 verantwortlich von David Sprinz und Kevin Beck geleitet.

Die Technik für den Kurpark sei „wahnsinnig teuer“, sagt Elke Rickert, „darum müssen wir dort auf Kasse spielen“, sprich, darauf achten, dass es zugkräftige Filme zu sehen gibt. Und wie heute Abend hoffen, dass der Regen fernbleibt. Alles eine Frage der Kleidung. Das Kurpark-Kino kann auf viele feste Freunde bauen. Rund 500 Stühle stehen vor der Konzertmuschel, manch Stammgast bringt sich seine eigene Sitzgelegenheit mit. Und seit die Neue Arbeit die Kurpark-Gastronomie betreibt, sei die Atmosphäre rund um den Film noch besser geworden. „Sie machen da ein tolles Angebot“, sagt Elke Rickert

Und was war am Schönsten? Das ist sonnenklar: „Die drei Abende Ende der 90er-Jahre mit dem Stummfilmpianisten Willy Sommerfeld. Er war schon über 90, als er zu uns kam, wollte immer mitten ins Leben, wir gingen hinterher mit ihm auf den Stint“, erinnert sich Elke Rickert. Der Berliner Sommerfeld, eine Kinolegende, begleitete 1996, `97 und `98 Klassiker: „Der letzte Mann“, „Lichter der Großstadt“ und „Panzerkreuzer Potemkin“.

Keine Ahnung, wie Elke Rickert den Abend heute einleitet. Hier soll sie ein Zitat aus „Cinema Paradiso“ bekommen, da heißt es einmal: „Ich will damit sagen, dass das hier nicht deine Lebensaufgabe ist. Im Augenblick wirst du im Cinema Paradiso gebraucht und du brauchst das Cinema Paradiso. Aber das ist nicht von Dauer. Eines Tages wirst du etwas anderes machen.“ Indoor-Kino zum Beispiel.