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René Schneider tritt als Heidesänger auf, auch beim Heideblütenfest Amelinghausen. Foto: heidelieder.de
René Schneider tritt als Heidesänger auf, auch beim Heideblütenfest Amelinghausen. Foto: heidelieder.de

Vom Flamenco zu Hermann Löns

ff Amelinghausen. Die Lüneburger Heide ist nicht unbedingt ein klassischer Schauplatz für Walzerseligkeit. Doch dem Kronsberg, der zum krönenden Finale des Heideblütenfests Amelinghausen den zentralen Schauplatz bildet, wurde ein eigener Walzer komponiert; Refrain: „Denn einmal im Jahr / da kommen wir all hierhin / auf den Kronsberg zu Amelinghausen / zur Heidekönigin.“ Er stammt von René Schneider, einem Musiker, der auch schon als Flamenco-Sänger und -gitarrist durch Spanien tingelte. Jetzt hat Schneider eine CD mit Heideliedern produziert.

Die Melodien stammen von Fritz Jöde (18871970). Der Hamburger Musikpädagoge, Leiter des Internationalen Ins­tituts für Jugend- und Volksmusik in Trossingen, vertonte Texte von Hermann Löns. René Schneider wählte zwölf Lieder aus, dazu je eine Löns-Vertonung von Karl Blume und Eduard Künneke. In den Arrangements von René Schneider haben Werke wie „Der Tauber“, „Herzblatt am Lindenbaum“ und „Irrkraut“ einige Ähnlichkeit mit den Kunstliedern der Romantik. Dabei reichert der Sänger, der sich als kompetenter Gitarrist erweist, einige Lieder mit Etüden von Tarrega und Carcassi an, der letzte Track ist ein reines Instrumental: die „Cavatina“ von Stanley Myers, das Hauptthema aus dem Antikriegsfilm „Die durch die Hölle gehen“. Das verbindet Schneider mit dem Hinweis, dass Löns vor hundert Jahren, also 1914, als Soldat im Ersten Weltkrieg starb.

René Schneider tritt als „Heidesänger“ auf; ein Kind der Region ist er nicht. Geboren 1963 im Ruhrgebiet als Sohn eines Blues-Berufsmusikers, widmete er sich Reinhard Mey, Hannes Wader, George Moustaki, Cat Stevens, natürlich Bob Dylan. Nach einem Treffen mit Manitas de Plata zog es ihn zur südfranzösisch-spanischen Musik der Gipsy Kings, schließlich zum Flamenco. Dabei erwarb sich René Schneider bei den andalusischen Gitanos sogar einen Künstlernamen: „René el Payo“, der „Nicht-Zigeuner“. Er organisierte Flamenco-Tourneen, leitete mit seiner Frau zehn Jahre eine Flamencotanzschule und führte drei Jahre ein spanisch-lateinamerikanisches Kulturzentrum, die „Bodega La Guitarra“ in Saarbrücken.

Durch die Rückbesinnung auf Familientraditionen, etwa auf die Zeit des Großvaters als singender Wandergeselle in der Lüneburger Heide, wurde aus René el Payo wieder René Schneider. Auch wenn er selbst als Kind die „nie enden wollenden Spaziergänge“ wohl nicht unbedingt genoss. Mittlerweile hält sich der Künstler, der im saarländischen St. Ingbert einen Musikverlag (mit)betreibt, aus eigener Entscheidung heraus  zumindest in der Saison  in der Lüneburger Heide auf. Am Sonntag, 24. August, ist René Schneider auf dem Kronsberg bei der Wahl der Heidekönigin und beim Festumzug live zu erleben.