Donnerstag , 29. September 2016
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Einer zieht, der Rest schiebt: 14 Helfer bringen den 1,5 Tonnen schweren Einbaum über den Fußweg an der Willy-Brandt-Straße vom Altbau an der Wandrahmstraße zur anderen Seite des neuen Museums, wo er dann hochgehievt wird. Foto: t&w
Einer zieht, der Rest schiebt: 14 Helfer bringen den 1,5 Tonnen schweren Einbaum über den Fußweg an der Willy-Brandt-Straße vom Altbau an der Wandrahmstraße zur anderen Seite des neuen Museums, wo er dann hochgehievt wird. Foto: t&w

Umzug der Schwergewichte +++ mit Video

rast Lüneburg. Die Einrichtung des neuen Lüneburger Museums an der Willy-Brandt-Straße hat begonnen, in den nächsten Wochen und Monaten werden laut Museumsleiterin Dr. Heike Düselder rund 13000 Exponate in den Neubau gebracht. Zum Auftakt gab es gestern eine spektakuläre Aktion: Ein Kran hievte einen alten Einbaum und die Luna-Säule  zwei der schwersten Ausstellungsstücke  durch ein Fenster in den zweiten Stock des Hauses, dessen Eröffnung sich um rund sechs Monate verzögert (siehe unten).

Der vorzüglich erhaltene Einbaum ist sieben Meter lang, wiegt etwa 1,5 Tonnen. Dr. Düselder: ,,Er wurde im Jahre 1903 von jemandem in der Elbe entdeckt, der ihn nicht einfach nur für Treibgut hielt  ein Glück. 18 Männer hatten das Boot damals aus dem Fluss geborgen, es wurde direkt zu unserem Museum gebracht. Auch das war Glück, denn das Landesmuseum in Hannover und ein Berliner Museum wollten den Einbaum auch haben.“ 2013 ließ das Lüneburger Museum den Einbaum dendrochronologisch untersuchen. Die Museums­chefin: ,,Die Altersbestimmung ergab, dass er aus dem 13. Jahrhundert stammt.“

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Um die 2,61 Meter hohe Luna-Säule ranken sich Legenden. Wann sie erschaffen wurde und wie sie nach Lüneburg kam, ist bis heute nicht geklärt. Foto: jj

Immerhin 14 Helfer waren gestern bei der Umzugsaktion vom alten in den neuen Gebäudeteil nötig. Kein einfaches Unterfangen: Der hölzerne Koloss wurde auf zwei kleinere Hubwagen gepackt und vorsichtig über die Rampe im Eingangsbereich auf die Wandrahmstraße bugsiert. Dort musste der Einbaum zunächst in Richtung Berliner Straße gedreht werden, dann ein zweites Mal auf den Bürgersteig an der Willy-Brandt-Straße in die richtige Richtung gebracht werden. Einfach mutete dagegen das Hineinhieven ins Museum ein  mit Klaus Böttcher saß ein erfahrener Mann im Führerhaus des Bruns-Krans. Er nahm das schwere Boot an den Haken, zog es in Höhe eines Fensters im zweiten Stock, dessen Scheibe bereits morgens von einer Spezialfirma herausgenommen worden war, und dirigierte es auf einer Länge von vier Metern ins Gebäude. Derweil wurde der Einbaum durch einen Hubwagen von unten gestützt, sodass er über Bretter schließlich in den Neubau rollen konnte. Die Kran-Aktion dauerte lediglich sechs Minuten.

Ebenso fix war die 2,61 Meter hohe Luna-Säule in ihr neues Domizil transportiert. Um sie ranken sich etliche Geschichten. Museums-Kurator Dr. Ulfert Tschirner geht davon aus, dass dieser schlanke Pfeiler zuerst auf dem Kalkberg stand, wo einst die Billunger- und später die Welfen-Herzöge in der Burg residierten.

Der Kurator vermutet, dass einer der Herrscher die Säule auf den Berg brachte. Es gibt die Legende, dass Julius Cäsar in einer Mondnacht 47 vor Christus bei seinen Feldzügen durch Germanien den Kalkberg sichtete und dort die Säule mit einem Mondgötzen darauf errichten ließ. Cäsar aber war nie in der Heide. Eine genaue Datierung des Werks ist unmöglich, da die Säule nur noch ein Torso ist, Basis und Kapitell, also der Aufsatz oder Kopf der Säule, fehlen. Geklärt werden konnte dagegen jüngst die Herkunft des Materials.

Lüneburgs Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring hatte Ende 2012 die Universität Hannover und Experten aus Würzburg eingeschaltet, die kamen zu dem Ergebnis: Die Säule stammt aus Prokonnesischem Marmor, der seit mehr als 2000 Jahren auf der türkischen Insel Mamara (Prokonnesos ist ihr türkischer Name) abgebaut wird, die Insel gehörte lange zu den wichtigsten Marmorlieferanten des Römischen Reiches. Gestützt wurde dies vom Kieler Leibniz-Labor.

Eröffnung verzögert sich um ein halbes Jahr
Die offizielle Eröffnung des neuen Museums an der Willy-Brandt-Straße war ursprünglich mal für Oktober oder November vorgesehen. ,,Doch die Einweihung verzögert sich um rund sechs Monate, wird im Frühjahr 2015 sein“, sagt Museumsleiterin Dr. Heike Düselder. Zwar werde der Neubau zum zunächst vorgesehenen Zeitpunkt auch fertig sein: ,,Aber wir wollen uns zur Eröffnung als ein komplettes Museum präsentieren“, begründet die Chefin – also inklusive dem Altbau an der Wandrahmstraße: ,,Seine Sanierung soll im Dezember beendet sein.“ Im alten Part des Hauses wird unter anderem die Ebstorfer Weltkarte zu sehen sein. Auf eine Eröffnung in den kalten Wintermonaten, in denen es darüber hinaus zahlreiche andere Veranstaltungen in Lüneburg gibt, wolle man verzichten, dafür im Frühjahr kommenden Jahres dann eine ereignisreiche Eröffnungswoche anbieten. Dr. Heike Düselder sagt: ,,So haben wir auch Zeit, das Museum komplett in Ruhe einrichten zu können.“