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Nicoletta Olivieri probt mit Sopranistin Alexa Jarvis eine Arie aus Donizettis komischer Oper Der Liebestrank. Foto: ff
Nicoletta Olivieri probt mit Sopranistin Alexa Jarvis eine Arie aus Donizettis komischer Oper Der Liebestrank. Foto: ff

Legato bitte, nicht staccato +++ mit Video

ff Lüneburg. Manchmal ist es gar nicht so einfach, lustig zu sein. „Joke!“, fordert Nicoletta Olivieri, und noch einmal: „Joke! Its a comic situation, its not Don Carlos!“ Raoul Reimersdal soll also bitteschön etwas mehr Humor rüberbringen. Der junge Bariton aus Holland singt eine Partie aus Donizettis Komischer Oper „Der Liebestrank“, er gibt den Belcore, einen etwas tumben, ebenso heftig wie unglücklich verliebten Soldaten. Nun arbeitet Nicoletta Olivieri mit Raoul Reimersdal an der Artikulation, am Ausdruck. Am Ende haben beide ihren Spaß an der Arie „Come paride vezzoso“, und schließlich gibt es sogar ein Lob für den armen Sergeant Belcore: „Bravo!“

Es ist nicht leicht, Signora Olivieri zufriedenzustellen. Immer wieder unterbricht sie, Takt für Takt geht es vorwärts, und als ihr die Atemtechnik einer Sängerin bei einer Liedpassage nach dem fünften Anlauf immer noch nicht gefällt, zieht sie einen Schuh aus, und tut so, als wolle sie werfen. Nicoletta Olivieri hat als Coach schon mit Placido Domingo gearbeitet und mit Pavarotti. Jetzt sitzt sie am Konzertflügel und probt bei der ersten Lüneburger Oper-Sommerakademie mit jungen Sänger(inne)n aus aller Welt. Über zehn Tage geht der Reigen der Kurse, der eine Lücke schließen soll zwischen dem Abschluss der Gesangsausbildung, und dem Engagement an einem Opernhaus.

„In Deutschland werden noch feste Verträge geschlossen“, sagt Veranstalterin Janine Pas, „das gibt es sonst in der Welt kaum noch, und die Ausbildung wird immer kürzer.“ Aber wie soll ein junger Künstler beim Vorsingen überzeugen, wenn er, noch vom Jetlag geprägt, nur ein paar Minuten, also ein Lied lang Zeit hat, die Jury zu überzeugen und vielleicht hundert Mitbewerber zu überholen? Wie schreibt man/frau überhaupt eine Bewerbung an ein deutsches Theater? Auch so etwas gehört zur Ausbildung.

Aber heute geht es um das Größte überhaupt, um die italienische Oper, um Interpretation in der Tradition des legendären Dirigenten Arturo Toscanini: Strahlend und hell soll es klingen, temperamentvoll, sonnig, nach Italien eben. Weiter mit Donizettis Liebestrank: Alexa Jarvis aus den USA hat die Noten für „Prendi, per me sei libero“ auf dem Pult. Sie ist die Adina, die umschwärmte reiche Gutsbesitzerin. Diesmal sind es die langen, über mehrere Takte gezogenen Vokale, die Olivieri nicht gefallen: „You think aaah, but its oooh!“ Außerdem: „Legato please, not staccato“, gebunden, nicht so abgehackt bitte. Am Ende heißt aber auch für Alexa: „Bravo!“

Zum Abschluss geben die Akademie-Teilnehmer ein Konzert: morgen, Sonnabend, 20 Uhr im Theater.