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Leon-Silas Gärtner im Wettenbostel-Einsatz. Dort schauspielert er auch. Fotos: Brüggemann
Leon-Silas Gärtner im Wettenbostel-Einsatz. Dort schauspielert er auch. Fotos: Brüggemann

Der Mann mit dem Fagott

oc Lüneburg. Schön, dass es das allwissende Netz gibt. Darum lässt sich die Sache mit Silas schnell aufklären. Bei Silas, lehrt das alle Lexika ersetzende Wikipedia, werde angenommen, dass es sich „um eine gräzisierte Form einer aramäischen Variante des hebräischen Namens Saul“ handelt oder „um die griechische Kurzform des lateinischen Namens Silvan“. Okay. Schön, dass Silas Gärtner, der auch noch einen Leon im Vornamen hat, jetzt unkompliziert leibhaftig am Tisch sitzt, eine Tasse Milchkaffee in den Händen dreht und erzählt, warum er ausgerechnet Fagott spielt, und warum er nun auch noch schauspielert  heute Abend wieder bei „The History of Lagerfeuer“ in Wettenbostel.

Die Sache mit dem Fagott also, das einen „Knorzklang“ habe, „ja sicher, aber das Fagott ist eben auch das singende hohe Holz mit einem schönen weichen Klang“, sagt der 19-Jährige. Am Anfang war, wie immer und überall, die Blockflöte, bis der Tag kam, als in der Musikschule mal wieder ein Instrument vorgestellt wurde. „Ich war der einzige, der einen Ton rausbekam, das fand ich cool.“ So fangen Karrieren an. Ob es eine wird, das wird sich zeigen. Aber Leon-Silas Gärtner ist auf gutem Weg. Er studiert in Hamburg Fagott, schon im dritten Semester. Auf dem Weg dahin hatte ihm Benedikt Manemann die Grundlagen beigebracht, und spätestens, als er mit Freunden ein Trio gründete, wusste er: „Hey, das ist es, was ich machen will.“

Das Trio hatte eine Menge Erfolg, bei „Jugend musiziert“ und einer langen Reihe von Konzerten. Die Zeit aber dreht sich weiter, das Abi kam, und der eine Triopartner pflanzt zurzeit Bäume in Afrika, der andere wollte lieber Tanzlehrer werden. Der junge Mann mit dem Fagott spielte mittlerweile auch beim Niedersächsischen Jugendsinfonieorchester, und er hat sich ein Ziel gesetzt: „ein großes Orchester mit coolen Leuten und in die Welt reisen.“

Musik hat für die Silas-Gärtner-Generation viele Seiten. „Klassik haut ordentlich rein“, sagt Gärtner, sie bestimmt sein Leben. Die Hälfte der Musik auf seinem iPad aber dreht sich anders: „Ich höre wahnsinnig viel Elektro.“ Und dann kam auch noch die Sache mit dem Schauspielern, sie beginnt aber wiederum mit Musik.

Im Gymnasium Oedeme probten sie ein Musical: „Swinging St. Pauli“. Gärtner spielte in Detlef Schults Bigband, und eines Tages hörte Musical-Autor Thomas Matschoß zu. Er suchte einen Posaunisten und einen Trompeter für eine Produktion seines Jahrmartkttheaters. „Detlef Schult schlug mich vor“, erinnert sich der Musiker, und so landete er auf dem Hof in Wettenbostel bei Goldonis „Diener zweier Herren“. Die Sache hatte ungeahnte Folgen: „Ich lernte da meine Freundin kennen.“ Maika Viehstädt, Hamburger Schauspielerin, Sängerin und mehr gehört zum Kernensemble des Jahrmarkttheaters.

Silas Gärtner reist längst auch aus Hamburg an. Als Musiker kam er zur komplett ausverkauften Produktion „The History of Lagerfeuer“, mal mit Posaune, mal mit Fagott. Dann aber folgte die Frage von Thomas Matschoß, ob er auch ein bisschen schauspielen könne. „Wenn dir das gefällt“, meinte der Musiker. Es gefiel und wurde eine ganze Menge. Als Kiffer, der im Gerangel um eine Chips­tü­te erkennt, wie sich die globalen Verteilungskämpfe lösen lassen, ist Gärtner einfach gut. Sein Hauptthema aber wird die Schauspielerei nicht werden. Im Blick bleibt die Sache mit dem Orchester.

So, Kaffee leer, er muss jetzt los. Noch nicht aus der Tür, dreht er sich erst mal eine Zigarette. Alle Holzbläser rauchen. Gefühlt jedenfalls.