Mittwoch , 28. September 2016
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Eine Maschinenhalle der Hitzler-Werft bildet die Kulisse für die Lesung mit Sebastian Zimmler. Foto: nh
Eine Maschinenhalle der Hitzler-Werft bildet die Kulisse für die Lesung mit Sebastian Zimmler. Foto: nh

Das Herz der Finsternis

ff Lauenburg. Wuchtige Maschinen, der Geruch von Diesel und Maschinenöl: Die Hitzlerwerft wird zur Kulisse für einen szenischen Literaturabend. Am Montag, 22. September, präsentiert der Schauspieler Sebastian Zimmler die Novelle „Das Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad  berühmt geworden durch eine prominent besetzte Hollywood-Verfilmung, durch „Apocalypse Now“ mit Marlon Brando als Colonel Kurtz. Das Elbe-Projekt gehört zu einem Programm des Hamburger Thalia Theaters und ist eingebettet in eine Kulturpartnerschaft mit der Metropolregion Hamburg.

Die Geschichte „Heart of Darkness“, bereits 1899 veröffentlicht, spielt also nicht etwa im Vietnamkrieg, sondern in einer Zeit der Ausbeutung und eines latenten kalten Krieges: im Kolonialismus Afrikas. Sie beleuchtet die Wirkung der Kolonialpolitik auf Betroffene und Repräsentanten kolonialer Macht kritisch, bleibt dabei aber selbst nicht ganz frei von Vorurteilen. Im Mittelpunkt steht der Seemann Marlow, der im Kongo einen leckgeschlagenen Flussdampfer übernimmt. Während seines dreimonatigen Aufenthaltes in der Hauptstation der Kolonialgesellschaft, die die Schätze der Agenten im Dschungel sammelt und weiterverschickt, beobachtet er, wie brutal und verständnislos die Besatzer mit den Einheimischen umgehen.

Marlow hört von Kurtz, dem Leiter der äußersten Station, der „mehr Elfenbein gesammelt, eingetauscht, erschwindelt oder gestohlen hatte, als alle die anderen Agenten zusammen“, zugleich als genialer Geist und begabter Redner gilt. Kurtz hat sich seit einem Jahr nicht mehr gemeldet, er ist nun das Ziel einer 800 Meilen langen Fahrt flussaufwärts, auf einem kleinen rußigen Dampfboot, das langsam und mühevoll immer tiefer in den rätselhaften schwarzen Kontinent eindringt, in das „Herz der Finsternis“. Joseph Conrad hatte selbst eine zermürbende Boots-Reise durch den Kongo erlebt.

Neben „Apocalypse Now“ ist auch „Aguirre, der Zorn Gottes“ mit Klaus Kinski zu großen Teilen von Conrads Buch inspiriert. Die erste Verfilmung des Stoffs erfolgte 1958 unter dem Originaltitel für das Fernsehen in der Regie von Ron Winston  mit Frankenstein-Darsteller Boris Karloff als Kurtz.

Schauspieler Sebastian Zimmler nimmt die Zuschauer nun inmitten des Lauenburger Werftbetriebes mit an Bord des Flussdampfers. Noch heute bestimmen Bau und Reparatur von Binnenschiffen den Betrieb der Hitzler-Werft: Auch wenn die heutigen Schiffe natürlich etwas anders aussehen, ihr rauher, ungeschliffener Charme ist geblieben.

2 Die Lesung beginnt um 20 Uhr; Vorverkauf in Lauenburg unter Tel.: 04153/5909220.