Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Über den Augenblick an sich
Trittsicher und schwindelfrei (Ausschnitt) von Gerhard Schlittchenl. Repro: ff
Trittsicher und schwindelfrei (Ausschnitt) von Gerhard Schlittchenl. Repro: ff

Über den Augenblick an sich

ff Bardowick. Maler und Fotografen gehen unterschiedlich an ihre Motive heran. Eine Ausstellung mit dem Titel „Augenblicke“ wendet sich naturgemäß zunächst an die Kamera-Fraktion, die mit dem Einfangen des richtigen Momentes technikbedingt im Vorteil ist, während der Künstler mit dem Pinsel eher in einem längeren Prozess um den richtigen Ausdruck ringt. Die „neue formation kunst Bardowick“ präsentiert in ihrer Jahresausstellung Arbeiten, die mal dicht dran sind am Augenblick, andere nähern sich dem Titel eher auf Umwegen.

Unmittelbar vom richtigen Sekundenbruchteil lebt Beate Schmegels „Cassandra“, das Foto zeigt eine Ziege mit dem typischen  nun ja: zickigen  Gesichtsausdruck. Untertitel: „Es geht mich auch nichts an und ich möchte auch nichts gesagt haben…“ Es bleibt dem Betrachter überlassen, das fällige „aber“ selbst auszuformulieren. Auch Gerhard Schlittchen betont mit seinen Fotografien das Situative: Ein Zimmermann balanciert auf einem Brett, nicht breiter als ein Schwebebalken, über einen Dachstuhl. In anderen Bildern sind Abschiedsszenen aus dem Hamburger Hafen, 1955, zu sehen: Familien wandern in die USA aus, ihr letzter Blick gehört den daheimbleibenden Angehörigen.

Manfred Balzer schlägt mit seinen Makroaufnahmen von Blumen, in denen eher Farben und Oberflächenstrukturen als die Formen betont werden, eine Brücke zur Malerei, zu Arbeiten von Ingeborg Friedrichs, Ilse Twesten, Renate Rudolph und Inge Bruns-Geraldy: Landschaften vor allem, die über ihre Jahreszeit wahrgenommen werden, über das Licht  Augenblick im Sinne von Eindruck also. Oder den Gemälden diente ein Foto als Vorbild. Gründlich vorbereitet hat sich Inge Bruns-Geraldy auf die Ansicht eines Wolkenkratzers: Vier Abende verbrachte sie vor dem Burj Khalifa in Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt. Marita Glomm ist mit Text-und-Bild-Collagen dabei, mit Bildern, die ihre Aussagen über mehrere Ecken und Ebenen transportieren.

Die Ausstellung „Augenblicke“ wird am Sonnabend, 30. August, um 15 Uhr in der Galerie „Kultur am Markt“ (Große Straße 2a) eröffnet. Zur Einführung spricht Marita Glomm, dazu gibt es Ragtime-Gitarrenmusik. Öffnungszeiten: bis einschließlich Sonntag, 28. September, jeweils sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr.