Dienstag , 27. September 2016
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Impressionistisch, surrealistisch, fast apokalyptisch: Holzschneiderei von Frank Lippold. Foto: ff
Impressionistisch, surrealistisch, fast apokalyptisch: Holzschneiderei von Frank Lippold. Foto: ff

Landschaften der DDR

ff Dahlenburg. Als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Neubrandenburg bombardiert und fast vollständig zerstört wurde, brannte das Herzögliche Palais völlig aus. Hier war auch die Kunstsammlung der Stadt untergebracht. Die Exponate konnten zwar noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, gelten aber heute als verschollen. Im Jahre 1982, fast vierzig Jahre später also, wurde die Kunstsammlung als städtische Einrichtung neu gegründet. Der Kunstverein Region Dahlenburg widmet der Institution eine Ausstellung, sie wird am Sonntag, 31. August, eröffnet.

Die Präsentation gehört zu der Reihe „DDR_de“, initiiert zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls, natürlich auch mit Blick auf die Nähe zum ehemaligen Staatsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Die Ausstellungs-Serie des Kunstvereins, begonnen im Januar mit dem Fotografen Harald Hauswald, stößt auf große Resonanz und Anerkennung, mittlerweile auch bei den Profis der Branche. Präsentiert werden Künstler, die sich jenseits des Eisernen Vorhangs mit ihren Reflexionen einen Namen gemacht haben, Autoren, und eben auch Institutionen.

Als Gegenentwurf zum Kunstarchiv Beeskow, im März in Dahlenburg vorgestellt, kann die Kunstsammlung Neubrandenburg gelten. Das Beeskower Archiv versammelt Arbeiten, die in den Diensten des Staates entstanden. Jetzt geht es um eine Einrichtung, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert hat und auf den privaten Sammlungen des Malers Henry Stoll (Jahrgang 1822) und des Kunsthändlers August Schmidt (1825) beruht.

Die Neugründung begann bei Null. Nicht Linientreue, sondern ausschließlich künstlerische Qualität sollte das Kriterium sein. Vor allem Landschaftsmalerei hat in Mecklenburg-Vorpommern eine lange und hochwertige Tradition. Mittlerweile zählen zum Bestand 6000 Gemälde, Grafiken und Plastiken  und, jetzt doch noch, ein paar Exponate aus den alten Zeiten: Überraschend sind bei archäologischen Grabungen auf dem Marktplatz in Neubrandenburg 2006 Überreste der Porzellan- und Skulpturensammlung gefunden worden, die ersten Belege für die Sammlung.

Für die Ausstellung in der Galerie kunstFleck Dahlenburg wählten Barbara Vollmer und Christiane Kause Exponate von Matthias Jäger (Jahrgang 1945), Frank Lippold (1970) und Michael Wirkner (1954-2012), die nun drei Positionen zum Thema Landschaft vertreten: Jäger steht für impulsive, farbkräftige, skizzenhafte Malerei; Wirkner hatte mit der Konzeption seiner lichtdurchfluteten, annähernd abstrakten Arbeiten ganz sicher auch William Turner im Blick. Lippold ist wiederum mit einer ganz anderen Technik vertreten, er nennt sie ,,Holzschneiderei“. Das Ergebnis sind Bilder, die wie Druckstöcke für Grafiken wirken.

Auf der Vernissage am Sonntag, 11.30 Uhr, spricht zur Einführung der Kunsthistoriker Dr. Alexander von Knorre. Die Ausstellung in der Galerie kunstFleck läuft bis 28. September, jeweils sonnabends/sonntags 14 bis 18 Uhr. Nächster Gast der Reihe „DDR_de“ ist am 12. Oktober der Zeichner Volker Stelzmann