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Gabriele Nafisa Klipstein (l.) und Ursula Blancke Dau zeigen ihre Arbeiten in enger Nachbarschaft, gestalten aber auch eigene Räume in der Galerie. Foto: ff
Gabriele Nafisa Klipstein (l.) und Ursula Blancke Dau zeigen ihre Arbeiten in enger Nachbarschaft, gestalten aber auch eigene Räume in der Galerie. Foto: ff

Neue Räume schaffen

ff Lüneburg. Als Malerinnen sind sie in ihren Ateliers In der Altstadt Nachbarinnen. Nun sind es auch ihre Gemälde. In einer Doppelausstellung zeigen Gabriele Nafisa Klipstein und Ursula Blancke Dau gemeinsam aktuelle Arbeiten. Die Nachbarschaft wäre jetzt kein zwingendes Kriterium, aber tatsächlich lässt sich das Doppel auch inhaltlich begründen. Die Präsentation mit dem schlichten Titel „klipstein & blancke dau“ im Heine-Haus wird am Sonntag, 7. September, um 11.30 Uhr eröffnet.

Auf den ersten Blick lassen sich die Gemälde leicht zuordnen. Alles was nach Baumstämmen aussieht, ist von Ursula Blancke Dau. Alles, was rot-orange leuchtet oder dunkelblau-grün schimmert, ist von Gabriele Nafisa Klipstein. Ihre abstrakten Szenarien sind von lateinischen und arabischen Schriftzeichen durchsetzt, die sich bei den glutvollen, pulsierenden Bildern in freiem Fall zu befinden scheinen, und bei schattigeren Schauplätzen wohl eher schwimmen. In jedem Fall geht es der Malerin darum, Gedichte und Lieder zu formulieren, die sich aus den Fragmenten ergeben mögen, mal fließend wie swingender Jazz, mal von heißer Emotionalität befeuert, je nach Farbe eben. Auslöser für das Malen kann erlebte Landschaft (etwa bei einer Radtour durch MeckPomm) sein, oder die Suche nach Romantik  alles immer in Maßen, „ich arbeite abstrakt, um nicht zu pathetisch zu werden“, sagt Gabriele Nafisa Klipstein.

 Auch dieses Bild zeigt ein Exponat von Gabriele Nafisa Klipstein und Ursula Blancke Dau. Foto: ff
Aufgegebene Gebäude – wie etwa die Ruine eines Bahnhofs … Foto: ff

Auch Ursula Blancke Dau ist gern unterwegs, in diesem Fall also im Wald. Das Dickicht, grob geordnet durch senkrechte (Baum-)Linien, wird im Detail reduziert auf Liniengeflechte. Die Bilder funktionieren aus unterschiedlicher Distanz auch verschieden, zwingen also den Betrachter zum Vor- und Zurückgehen und schaffen damit Räume. Dieses Erwirken von Tiefe, die sich bei Klipstein durch die lasierenden (transparenten) Farbflächen ergibt, ist denn auch der Rote Faden der Ausstellung. Beide Malerinnen haben in der Heine-Haus-Galerie auch jeweils ein Zimmer für sich, das wiederum durch den Zusammenklang der Gemälde zu einem künstlerisch neu gestalteten Raum wird.

...oder Mobilia, hat die Malerin im Graffiti-Sprayer-Stil neu belebt. Foto: ff
…oder Mobiliar, hat die Malerin im Graffiti-Sprayer-Stil neu belebt. Foto: ff

Noch einmal das Thema Raum: Gabriele Blancke Dau dokumentiert in einer eigenen Foto-Serie eine ganz andere Eroberung von Räumen: Aufgegebene Gebäude  wie etwa die Ruine eines Bahnhofs  und die Wände der zerfallenden Fluchten hat die Malerin mit Zeichnungen von Mobiliar und Bewohnern im Graffiti-Sprayer-Stil neu belebt. Da steht nun eine alte Dame vor dem wieder besetzten Fahrkartenschalter, anderswo gibt es Regale mit Aktenordnern und sogar Blumen in der Vase.

Die Ausstellung in der Regie des Bundes Bildender Künstler (BBK) Lüneburg läuft bis 21. September und ist jeweils sonnabends/sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet sowie mittwochs von 15 bis 18 Uhr.