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Farben-Inferno: Peter KF Krueger hat sich unter dem Titel The time is always now seinem Arbeitsplatz als Motiv gewidmet. Foto: ff
Farben-Inferno: Peter KF Krueger hat sich unter dem Titel The time is always now seinem Arbeitsplatz als Motiv gewidmet. Foto: ff

Durch die rot-grüne Brille

ff Scharnebeck. „The time is always now.“ Was soll das heißen? Zeit ist immer jetzt gerade  man könnte auch sagen: Wir befinden uns stets in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Peter KF Krueger hat diesen Slogan in New York aufgeschnappt und zum Titel seiner jüngsten Werkreihe gemacht. Und weil Gegenwart für einen Maler vor allem sein Atelier bedeutet, drehen sich die Gemälde um Pinsel, Töpfe und Farben, eben um das Zentrum der Kreativität. Aber mit den Farben stimmt etwas nicht, das irritiert.

Anton Bröring, Kurator der Galerie Kulturboden, hat Peter KF Krueger (Nachname mit ue, das Kürzel bedeutet Karl Friedrich) für eine Ausstellung nach Scharnebeck geholt. Der Künstler kennt die Region, er wurde 1945 in Bad Bevensen geboren, studierte Malerei und Bildhauerei, lebt und arbeitet heute in in dem Landsitz Wätjens Schloss in Bremen-Blumenthal. Dort, so lassen es die Gemälde vermuten, hat es sich Krueger in einem dekorativ-bizarren Wirrwarr von Arbeitsmaterialien eingerichtet.

Die Farben sind oft knallig bis schrill, manche Arbeiten nähern sich damit der Graffiti-Kunst (zumal der Slogan immer im Bild auftaucht), was wieder zu New York passt. Aber viele Konturen erscheinen doppelt, immer ein Stückchen parallel versetzt. Das erinnert an 3D-Bilder und -Filme, die über eine Rot-Grün-Brille ihre räumliche Wirkung entfalten.

Genau so sind die Bilder auch gemeint, als Anaglyphen. Das Wort stammt aus dem Griechischen, lässt sich mit „aufeinander meißeln“ übersetzen und meint nun einen Stereo-Effekt, der dem Betrachter Tiefe suggeriert. Und so wird das ohnehin schon recht unübersichtliche Atelier-Chaos durch die Rot-Grün-Verschiebung noch einmal kräftig aufgemischt.

Die Methode, für deren Umsetzung es mittlerweile auch Computerprogramme gibt, funktioniert tatsächlich, Peter KF Krueger will für die Ausstellung ein paar Kinobrillen bereithalten. Es geht ihm aber nicht (mehr) um die Attraktion an sich, eher um die Schärfung der Wahrnehmung des Betrachters. Auftrags-Arbeiten, etwa Porträts oder Gemälde von Häusern, hat Peter KF Krueger  zur Verblüffung der Geldgeber  in der gleichen Art gemalt. Proteste gab es nicht. Generell schöpft Krueger die Themen für seine freien Arbeiten nach dem Lustprinzip, oder er verfolgt (wie hier) eine malerische Problematik.

Die Ausstellung wird Sonnabend, 13. September, um 16 Uhr eröffnet. Auf der Vernissage begrüßt Bürgermeister Dr. Dieter Heidelmann die Gäste, Anton Bröring spricht zur Einführung. Öffnungszeiten: bis 7. Oktober jeweils freitags 16-18 Uhr, sonnabends 15-17 Uhr, sonntags 11-13 Uhr; Sondertermine unter Tel.: 04136-7178.