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Peer Frenzke mit der blauen Stratocaster, seiner liebsten Gitarre, neben ihm die Sängerinnen Maya Sedef (l.) und  Fatma Tazegül. A/t&w
Peer Frenzke mit der blauen Stratocaster, seiner liebsten Gitarre, neben ihm die Sängerinnen Maya Sedef (l.) und Fatma Tazegül. A/t&w

Sommer geht, Session kommt

oc Lüneburg. Selten geht Peer Frenzke ohne Mütze auf die Bühne. Mal eine Basecap, mit Schirm nach hinten. Mal was aus Wolle. Jetzt geht die 1st Class Session wieder los, und was bringt die neue Kollektion? „Ich bin noch am Stricken“, sagt Peer Frenzke, der Session-Gründer, der Session-Leiter, der Session-Organisator und der Mann, der an der Gitarre alles spielt, was denkbar ist. Die neue Kollektion, das sind aber vor allem neue und auch einige vertraute Musiker, die in die Ritterakademie locken. Los gehts am nächsten Freitag, 19. September, mit einem satten Bluesrock-Abend.

Die 1st Class Session hat sich zum Markenprodukt gemausert. Egal, wer singt, wer spielt, es stehen gute bis sehr gute Leute auf der Bühne. Peer Frenzke bekommt mittlerweile Anfragen aus ganz Deutschland, vieles läuft über Mundpropaganda, aber es melden sich auch Agenturen, die junge Künstler ans Mikro bringen wollen. Manche, die zur Session kamen, machten fett Karriere: Gregor Meyle, Johannes Oerding, Max Mutzke etwa. Und sie kommen gern wieder, denn die Session läuft anders, lockerer, freier als die festgezurrten eigenen Programme. Meyle und Mutzke sind zurzeit im Gespräch für kommende Sessions.

Zu den Abenden der 1st Class Session gehen viele, ohne zu wissen, wer denn eigentlich auftritt. Das ist ein gutes Zeichen. Das war schon schnell so, als die Session startete, 2007 in der WunderBar, heute Salon Hansen. Irgendwann nach dem dritten Bier zeugten damals WunderBar-Co-Betreiber Jo Lund und Peer Frenzke, der gerade einen Auftritt von Rolf Stahlhofen begleitet hatte, die Session-Idee. „1st Class klang mir eigentlich zu elitär, aber es war ein Arbeitstitel, und er ist dann geblieben“, sagt Frenzke im Rückblick. „Für die Musiker gab es Essen vom Anno gegenüber, ein Bier, das wars.“ Die Sache aber wuchs, die Session wanderte an andere Orte und kam in der Ritterakademie an.

Manche meinen, in der WunderBar sei es irgendwie besser gewesen. Früher war ja immer alles besser. „Es gibt auch Leute, die sagen, nach den Beatles und den Stones kam nichts mehr“, kontert Frenzke und fügt hinzu: „Leben ist Veränderung.“ So wie auf der Bühne Raum fürs Spontane bleibt, so hat die Session manches ausprobiert, zum Beispiel: auf große Namen setzen. Das ging nicht gerade gut, zum Beispiel beim Abend mit Roachford. „Das lief zäh“, sagt Peer Frenzke  und das Loch hinterher war tief.

Die Organisation hat sich professionalisiert, es gibt Sponsoren. „Es ist herausragend, was für uns geleistet wird“, sagt der Organisator. Hotel, Autohäuser und weitere Partner stützen die Reihe, die sich natürlich rechnen muss. Die Künstler bekommen heute eine feste Aufwandsentschädigung, egal, wie viele Besucher kommen. „Es ist eine Mischkalkulation“, sagt Frenzke und: „Qualität hat einen Preis.“ Es wird ein wenig teurer, Karten an der Abendkasse kosten nun 17 Euro.

Nächsten Freitag also Blues. Das liegt daran, dass Peer Frenzke bei einem Konzert mit Marc Breitfelder auf der Bühne stand. Breitfelder spielt das „Mississippi saxophone“, sprich Mundharmonika. „Ich fand ihn umwerfend“, sagt Frenzke. Breitfelder bringt Georg Schroeter mit, er ist für Tasten und Gesang zuständig. Von der Blues-Basis bricht das Duo auf zu RocknRoll, RhythmnBlues, Boogie Woogie und Country. Die Kieler nahmen 2011 am weltweit größten Bluescontest teil, in Memphis/Tennessee  und gewannen! Das hatte in 27 Jahren Wettbewerb keine europäische Formation geschafft. Lüneburg-Erfahrung hat das Duo auch, sie liegt einiges zurück, zum Beispiel spielten die Beiden einst im Rosenkrug.

Oliver Spanuth (Achim Reichel, San Glaser, Stefan Gwildis etc.) wird an den Drums sitzen, und Peer Frenzke wird aus den 30 Gitarren in seinem Studio wieder die blaue Strat wählen, „die hat eine wunderbare Tiefe, alles, was eine alte Gitarre ausmacht. Sie ist schwer zu spielen, aber man wird belohnt“, sagt der Gitarrist und legt noch eins drauf: „Wenn eine Saite reißt, krieg ich Depressionen.“

Die Session wird künftig um 20.30 Uhr beginnen, „wir rücken zeitlich nach vorn“. An einem wohl blueshaltigen Vorprogramm für kommenden Freitag wird noch gestrickt. Im Herbst bietet die 1st Class Session dann viel Pop, Soul und Funk: am 17. Oktober mit Emily Intsiful und Nico Gomez, zwei aus dem „Voice of Germany“-Pool, am 21. November mit Marina Raffaela Ortega und Daniel Styanov. Am 5. Dezember wird es vorweihnachtlich. Singen werden  endlich mal wieder  Jenniffer Kae und Rick Washington, „für mich das Highlight“, sagt Peer Frenzke. Aber jetzt wird Blues geprobt.