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Die Lüneburger Symphoniker, aufgestockt auf gut 40 Musiker, da klingt auch Verdi gut. Hier dirigiert Thomas Dorsch sein Orchester. Foto: t&w
Die Lüneburger Symphoniker, aufgestockt auf gut 40 Musiker, da klingt auch Verdi gut. Hier dirigiert Thomas Dorsch sein Orchester. Foto: t&w

Jetzt wird aufgetischt

oc Lüneburg. So kann es natürlich weitergehen: Der Abend war seit Wochen ausverkauft. Was gespielt, gesungen und getanzt würde, war nicht einmal bekannt. Aber die Abendgala zum Ende des Theaterfestes ist der große Appetitmacher der Saison, und folgt man den Reaktionen auf das gut zweistündige Programm, so rückt auch in der Spielzeit 2014/15 die Marke der 100000 Besucher in den Blick. Katja Stoppa und Friedrich von Mansberg führten von Verdi zu Verdi und baten schließlich ins Zelt, wo Dr. Faust gegen den Regenteufel rockte. Mit Erfolg.

Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Die späten Ferien und der Saisonstart liegen eng beieinander, schon ab kommendem Wochenende ist Lüneburg wieder Theaterstadt. Zuerst mit einem Stück für junge Menschen und ihre Eltern: „Du, Du & Ich“ erzählt von Kindern, die mit der Scheidung ihrer Eltern umgehen müssen. „Wir wollen niemals auseinandergehen“, sangen Olga Prokot und Martin Skoda zur Einstimmung auf Freitag, 19. September, 18 Uhr im T.3. Einen Tag und eine Stunde später, am 20. um 19 Uhr, startet im Großen Haus Verdis „Rigoletto“. Franka Kraneis, Karl Schneider und Ulrich Kratz gaben Kostproben, Thomas Dorsch leitete die Lüneburger Symphoniker, das klang vielversprechend.

Theaterstadt Lüneburg: Das heißt am kommenden Wochenende auch theater im e.novum („Romeo & Julia“ am Sonnabend) und Kunst & Fertig („Robinsons andere Insel“ am Sonntag). Das große Theater bietet dazu am Sonntag noch eine Wiederaufnahme: „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“, das Erfolgsstück mit Ballettchef Olaf Schmidt. Er wird ab November das Publikum als Conferencier bezirzen, im Musical „Cabaret“, aus dem es einen Ausschnitt mit knapp bekleidetem Ballett und mit Kristin Darragh als Sally Bowles zu sehen gab.

Das Schauspiel startet am Freitag, 26. September, mit „Faust“, im Regiezugriff von Martin Pfaff („Schimmelreiter“). Es wird, traut man dem kleinen Ausschnitt, eine lebhafte Sache. Jedenfalls schlossen Gregor Müller als Mephisto und Philip Richert als Doktor Faust einen leidenschaftlichen Pakt.

Neue Gesichter kamen auf die Bühne, Stephan Zilias als 1. Kapellmeister zum Beispiel, die Schauspieler Alisa Levin, Felix Breuel und Martin Andreas Greif, der mit Ulrike Gronow einen Ausblick auf „Gretchen 98 ff.“ gab, ein Stück über die Marotten der Regisseure und die Mühsal des Probens, zu sehen ab Sonnabend, 27. September.

Vorfreude auf die Spielzeit beherrschte den Abend, der mehr bot, als sich hier auflisten lässt. Dass es hinter den Kulissen aber zurzeit um sehr viel, im ärgsten Fall um das Bestehen des Theaters geht, machte Heiderose Schäfke vom Theater-Freundeskreis deutlich. Sie wies auf die Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen hin, bei denen es gelingen muss, den Sockel der Finanzierung stabiler aufzustellen. Die Fraktionen von SPD und Grünen rücken in den Fokus der Bemühungen. Der Freundeskreis jedenfalls, betonte Schäfke, stehe fest an der Seite des Theaters, und Intendant Fouquet freute sich über einen Scheck von 10000 Euro.

Raus aus dem „Faust“, ran ans Mikro sprang Philip Richert. Mit seiner Band As You Like It rockte er den Abend in die Nacht  schweißtreibend, tanzfördernd. Theater darf und muss auch einfach Spaß machen können.