Mittwoch , 28. September 2016
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Karl Schneider verkörpert den Herzog von Mantua, der vor allem an jungen Frauen interessiert ist. Foto: wege/theater
Karl Schneider verkörpert den Herzog von Mantua, der vor allem an jungen Frauen interessiert ist. Foto: wege/theater

Strudel des Verderbens

oc Lüneburg. Wlodzimierz Wrobel steigt vom Gerichtsdiener zum Grafen von Monterone auf, Dobrinka Kojnova-Biermann wechselt ihre Aufgabe vom Pagen der Herzogin zur Gilda-Aufpasserin Giovanna. Karl Schneider aber wird erneut den Herzog von Mantua verkörpern wie vor zwölf Jahren, und Ulrich Kratz singt zum zweiten Mal die Titelpartie. Drumherum ist alles neu, wenn am Sonnabend, 20. September, um 19 Uhr Verdis „Rigoletto“ die neue Spielzeit des Theaters Lüneburg eröffnet.

Es ist eine extrem bittere, auf Victor Hugos Melodram „Le roi samuse“ basierende Geschichte, in die sich der Narr Rigoletto reinreitet. Er spart auf der einen Seite nicht mit ätzenden und verletzenden Worten, wenn es um seinen Job geht, und auf der anderen ist er ein liebender, seine Tochter überbehütender Vater. Rigoletto wird in tragischer Verkettung der Ereignisse ihren Untergang besiegeln, in einem Geflecht aus Willkür, Eifersucht und mörderischer Intrige.

Hajo Fouquet inszeniert die Oper. Er äußert sich zu seiner Stückwahl so: „Neben Verdis wunderbarer Musik interessiert mich an Rigoletto vor allem die Handlungspsychologie der einzelnen Charaktere. Trotz wiederkehrender Situationen und trotz so vieler Hinweise, die die beteiligten Protagonisten erhalten, korrigieren sie ihr Verhalten nicht. Sie verschließen die Augen und begehen dieselben Fehler wie in der Vergangenheit. Dabei geraten sie immer tiefer in den Strudel ihres eigenen Verderbens, allen voran Rigoletto selbst.“

Wie bei den vorausgegangen Produktionen arbeitet Fouquet wieder mit dem Bühnen- und Kostümbildner Stefan Rieckhoff. Die musikalische Leitung übernimmt Musikdirektor Thomas Dorsch, neben den Lüneburger Symphonikern kommen auch der Haus- und der Extra-Chor zum Einsatz. Die Partie der Rigoletto-Tochter Gilda, ein Opfer der Begierde des Herzogs und der Liebe des Vaters, wird von Franka Kraneis gesungen. Mit dabei sind unter anderem der Lüneburg-Rückkehrer Arthur Pirvu als Berufsmörder Sparafucile, Kristin Darragh als dessen Schwester Maddalena und MacKenzie Gallinger als Höfling Borsa.

Gesungen wird auf Italienisch, deutsche Übertitel laufen mit, sie werden lesbar sein. Das jedenfalls versprach Chefdramaturg Friedrich von Mansberg bei der Abendgala des Theaterfestes. Man wird sehen und lesen  oder auch nicht.

Bis zum 26. Dezember stehen insgesamt dreizehn Vorstellungen der seit ihrer Uraufführung ununterbrochen populären Oper auf dem Spielplan. Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn findet jeweils eine Einführung im Foyer statt. Für die Premiere gibt es noch Restkarten. Die Produktion wird vom Freundeskreis des Theaters unterstützt, er richtet auch wie in den Vorjahren die Premierenfeier aus.