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Die Theaterleiter Volker Degen-Feldmann (r.) und Hajo Fouquet wollen ihr Haus in eine sichere Zukunft führen. Foto: A/t&w
Die Theaterleiter Volker Degen-Feldmann (r.) und Hajo Fouquet wollen ihr Haus in eine sichere Zukunft führen. Foto: A/t&w

Das Land ist gefordert

oc Lüneburg. Es stehen entscheidende Tage bevor. In Hannover werden die Fraktionen von SPD und Grünen in Klausurtagungen beraten, wie der Haushalt des Landes für die nähere Zukunft aufgestellt sein soll. Begehrlichkeiten sind groß, Spielräume knapp. Die kommunalen Theater gehören zu denen, die dringend Unterstützung brauchen. Das böse Wort „Insolvenz“ wird mittlerweile in den Mund genommen, wenn nicht etwas passiert. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat im Namen der sechs kommunalen Bühnen an die Abgeordneten geschrieben und ihnen Argumente auf den Weg gegeben. Die Ratsfraktionen von SPD und Grünen legen nach: „Wir müssen mehr Dynamik in die Förderung für das Theater bringen“, sagt Andreas Meihsies, Grünen-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeister.

Die Lage ist eindeutig. Da das Land in den Jahren 2005 bis 2011 seine Förderung einfror, Tarifsteigerungen nicht mittrug, rutschen die Finanzen der kommunalen Theater in den roten Bereich. Mit Einsparungen, Preiserhöhungen und dem Anzapfen von Rücklagen ließ sich das Minus eine Zeit deckeln. Jetzt sind die Reserven verbraucht. Das Theater Lüneburg hat in seiner mittelfristigen Finanzplanung jährlich Fehlbeträge in sechsstelliger Höhe stehen, allein für die anlaufende Spielzeit summieren sich 324380 Euro. Ministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajic hat das Problem erkannt, betont aber, im Haushalt keine Luft zu haben.

Für alle sechs kommunalen Theater in Niedersachsen geht es um 2,6 Millionen Euro, mit denen das Land den Sockelbetrag anheben müsste, um nachhaltigen Schaden abzuwenden. Die kommunalen Träger wären ebenfalls gefordert. Bei den Verhandlungen über neue, ab 2015 geltende Verträge für die Theaterfinanzierung hat das Land Mittel aufgenommen, die bisher über Anreizverfahren immer wieder beantragt werden mussten, dabei ging es unter anderem um Kinder- und Jugendprogramme. Die Hineinnahme in die Förderung begrüßt Mädge, sie sei ein wichtiger Baustein für die Planungssicherheit. Aber es geht ums Grundsätzliche.

Mädge, der in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Politikern auf Landesebene gesprochen hat, verweist auf ein Ungleichgewicht bei der Theaterförderung. Er beruft sich auf den Niedersächsischen Kulturbericht 2013/14. Der weist aus, dass vom Land insgesamt 112,5 Millionen Euro für die Theater ausgegeben werden. 91 Millionen gehen an die Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg, 21,5 Millionen an die sechs kommunalen Theater. Umgerechnet auf den Zuschuss pro Zuschauer gibt das Land 114 Euro bei den Staatstheatern aus, 29 Euro für die kommunalen Theater in Celle, Göttingen, Hildesheim, Osnabrück, Wilhelmshaven und eben Lüneburg.

Ernst Bögershausen, Ratsherr der Lüneburger Grünen, verweist auch auf die laufende energetische Sanierung des Theaters. Sie wird wesentlich vom Land finanziert aus EFRE-Mitteln, das ist der Europäische Fonds für regionale Entwicklung. Verbunden mit der Sanierung sei die Forderung, das Gebäude für 15 Jahre als Theater zu nutzen. „Da kann das Land nun nicht die Mittel zum Überleben vorenthalten, zumal das Lüneburger Theater für den Raum Nordost-Niedersachsen ein wesentlicher Kulturträger ist“, sagt Bögershausen. Eugen Srugis (SPD) sitzt seit vielen Jahren im Aufsichtsrat der Theater GmbH, er kennt die Zahlen der Lüneburger und anderer, ähnlich großer Bühnen: „Wir haben ein Theater, das hohe Qualität bietet, und nirgendwo wird so günstig Vergleichbares geboten.“ Ob sich etwas zugunsten der kommunalen Theater bewegt, dürfte bis Ende Oktober klar sein.