Dienstag , 27. September 2016
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Philip Richert (Faust, links) und Gregor Müller (Mephisto). Foto: t&w
Philip Richert (Faust, links) und Gregor Müller (Mephisto). Foto: t&w

Erst Faust, dann Gretchen

oc Lüneburg. Mit Goethes „Faust“ bekommen es das Theater Lüneburg und sein Publikum am kommenden Wochenende gleich doppelt zu tun. Am Freitag, 26. September, um 20 Uhr hat „Faust I“ Premiere, in der Regie von Martin Pfaff, der seit mehreren Jahren am Theater präsent ist. Tags drauf, am 27. September, geht es um 20 Uhr im Keller spezieller zu. Im T.NT kommt „Gretchen 89ff.“ auf die Bühne. Matthias Herrmann inszeniert die Komödie von Lutz Hübner.

Großes Geheimnis wird am Theater um das Bühnenbild der „Faust“-Inszenierung betrieben. Es stammt von Mathias Rümmler, er hatte mit seiner Arbeit bzw. seiner bühnengroßen Tulpe für Shakespeares „Was ihr wollt“ für viel Aufsehen gesorgt. Nun hat er sich einen Kopf für das Goethe-Drama gemacht, gemeinsam mit Regisseur Martin Pfaff, der in Lüneburg mit leichten Stoffen wie „Ladies Night“ und schweren wie dem „Schimmelreiter“ erfolgreich war.

Als Faust und Mephisto stehen Philip Richert und Gregor Müller auf der Bühne. In weiteren Rollen sind Fabian Kloiber und Britta Focht sowie die neuen Ensemblemitglieder Alisa Levin und Felix Breuel zu erleben. Für die Musik zeichnet Stefan Pinkernell verantwortlich. Die „Faust“-Premiere am Freitag ist bereits ausverkauft. Die nächste Aufführung folgt am Sonnabend, 4. Oktober.

Kleiner Rückblick: „Faust“ wurde am Lüneburger Theater bisher dreimal in Szene gesetzt, zuerst schon kurz nach dem Krieg. Der erste Lüneburger Faust 1948/49 wurde von Heinz Klevenow (1908-1975) als Gast vom Thalia Theater gespielt. Die Regie und den Mephisto übernahm Hans Bauer (1914-1970), der kurzzeitig auch Intendant in Lüneburg war, in seiner späteren Karriere mit fünf Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Das Gespann 1982/83 bildeten Dieter G. Knichel und Karl Korte, 1996/97 waren es Albrecht C. Dennhardt und Peter Cwielag.

Ganz anders, nämlich weniger bis gar nicht ernst, wird es bei „Gretchen 89ff.“ am Sonnabend um 20 Uhr. Denn Lutz Hübner („Das Herz eines Boxers“, „Creeps“, „Nellie Goodbye“) führt auf witzige Weise vor, wie sich Theaterleute um den richtigen Ausdruck mühen.

Geprobt wird die Gretchenszene, die in Goethes „Faust I“ ab Seite 89 zu finden ist. Ulrike Gronow und Martin Andreas Greif spielen die Proben zu dieser Szene gleich mehrfach. Kennenzulernen sind dabei die verschiedensten Typen von Regisseuren und Schauspielerinnen. Selbstdarsteller, sexbessesene Egomanen, Textstreicher auf der einen Seite, Diven, Zicken und naive Anfängerinnen auf der anderen Seite prallen in schnellem Wechsel zur immer gleichen Szene aufeinander.

Die Satire setzt Matthias Herrmann in Szene, für das Bühnen- und Kostümbild zeichnet Simone Anton-Bünting verantwortlich. Bis zum 31. Dezember ist „Gretchen 89ff.“ insgesamt zehnmal im T.NT Studio zu erleben. Martin An­dre­as Greif ist neu im Ensemble des Theaters. Er spielte bereits auf zahlreichen Bühnen, unter anderem am Staatstheater Cottbus, an den Städtischen Bühnen Münster und am Maxim Gorki Theater Berlin.