Aktuell
Home | Kultur Lokal | Unterschätzt und vergessen
Dr. Karl-Heinz Rehbein stellt sein Buch am 9. Oktober vor. Rechts: Grund- und Aufrisse für eine neue Kirche in Garlstorf, 1754. Foto: nh
Dr. Karl-Heinz Rehbein stellt sein Buch am 9. Oktober vor. Rechts: Grund- und Aufrisse für eine neue Kirche in Garlstorf, 1754. Foto: nh

Unterschätzt und vergessen

ff Bleckede. Wer war Bartold Dietrich Kneese? Der Name des Bauunternehmers (1696 bis 1770) ist heute auch unter Fachleuten fast völlig unbekannt. Dabei hat er mit Ideen und Methoden, die seinerzeit als undenkbar galten, ordentlich frischen Wind in seine Branche gebracht. Kneese lebte lange Zeit in Bleckede, zahlreiche Gebäude in der Region tragen noch heute seine Handschrift. Jetzt hat Dr. Karl-Heinz Rehbein ein Buch über den vergessenen und unterschätzten Baumeister herausgegeben.

Der Titel „Bartold Dietrich Kneese  Ein Bauunternehmer des 18. Jahrhunderts“, erschienen bei Books on Demand in Norderstedt als Hardcover mit 151 Seiten, trägt einen etwas seltsamen Untertitel: „Ein Arbeitsheft von Falk-Reimar Sänger“. Tatsächlich hatte der Denkmalpfleger Sänger durch sorgsame Archiv-Recherche das Material über 58 Bauvorhaben Kneeses zusammengetragen. Es sollte als Arbeitsheft in der Schriftenreihe des Landesamtes für Denkmalpflege erscheinen. Nach Sängers Tod 2007 machte Rehbein, Bauingenieur der Stadt Lüneburg und Mitbegründer des Arbeitskreises Geschichte im Kultur- und Heimatkreis Bleckede, ein Buch daraus  mit einem vollständigen Werksverzeichnis, illustriert mit allen greifbaren Bau-Zeichnungen, umrahmt mit biographischen Daten aus dem erfolgreichen Berufs- und wechselhaften Privatleben Kneeses.

Bartold Dietrich Kneese, in Alvensleben (heute Bebertal) geboren, zog 1728 nach Bleckede  über Gründe für die Ortswahl lässt sich heute nur spekulieren. An der Elbe durchlitten er und seine Familie die Rote Ruhr, später die Pest, Kinder starben in jungen Jahren. Als Architekt, Bauunternehmer und Baustofflieferant entwickelte er, ohne viel Rücksicht auf das starre Zunftwesen seiner Zeit, völlig neue Geschäftsmodelle: Sein Angebot reichte vom Brennen von Ziegeln bis zum schlüsselfertigen Haus  mit einem fest vereinbarten Abgabetermin, auch dies ein Novum. Dabei beschäftigte er bis zu 50 Gesellen, was damals einem Großbetrieb entsprach, und hatte noch mehr Neider, vor allem in Lüneburg. Dort soll es sogar Morddrohungen von Maurermeistern gegeben haben, die sich durch Kneeses wirtschaftliche Umtriebigkeit an den Rand gedrängt sahen.

Der Mann aus Bleckede arbeitete offensichtlich schnell, effizient und kostengünstig, obwohl er seinen Mitarbeitern deutlich höhere Löhne als üblich bezahlte. Um das liebe Geld ging es dauernd. Das Buch dokumentiert Planungs- und Bau-Verläufe, vermittelt dabei einen Eindruck, wie damals chronische Geldknappheit selbst die wichtigsten Reparaturen behinderte. Betroffen von Kneeses Arbeit waren vor allem Kirchen, Kapellen, Pfarr- und Küsterhäuser. Er und seine Leute widmeten sich in einem Jahr zugleich dem Kloster Lüne und dem Lüneburger Schloss sowie Bauten in Winsen, Ebstorf und Medingen. 1747 beantragte er die Lüneburger Bürgerschaft  auf Anweisung der Königlichen Landesregierung.

Eines der markantesten Projekte Kneeses ist die Bleckeder St. Jacobi-Kirche. Nicht weit davon, im Schloss, spricht Dr. Rehbein am Donnerstag, 9. Oktober, um 19 Uhr über Leben und Werk des Unternehmers.