Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Adrian (rechts) und Julius Kock von der Band Loifior sind als erste komplett in das Lets Rock-Probenhaus eingezogen. Offiziell wird das Modellprojekt nach den Herbstferien eingeweiht. Foto: t&w
Adrian (rechts) und Julius Kock von der Band Loifior sind als erste komplett in das Lets Rock-Probenhaus eingezogen. Offiziell wird das Modellprojekt nach den Herbstferien eingeweiht. Foto: t&w

Außen bunt, innen laut +++ Mit LZplay-Video

oc Lüneburg. Der Perserteppich ist ausgerollt, die Ludwig-Drums sind aufgebaut, der Vox-Verstärker kann eingeklinkt werden, ein Gitarrenständer ist bestückt, Kabelboxen stehen bereit, und das Wasser läuft jetzt auch. Nur das Reinkommen ist an diesem Nachmittag schwer. Am Eingang braucht es ab heute einen Code, und zu dem Raum, in dem die Band Loifior künftig probt, einen weiteren, der bitteschön nicht einfach 1-2-3-4-5-6 heißt. Ein paar Telefonate später sind die Jungs drin. „Das ist der beste Raum, den wir je hatten“, sagt Raphael Kufner.

Nebenan werden noch Wände gestrichen, Böden belegt, wird an der Elektrik gefeilt. Es entsteht etwas komplett Neues, „das gibts so in keiner anderen Stadt“, sagt Bandmitglied Adrian Kock. „Lets Rock“ heißt das Haus, es liegt ein bisschen versteckt zwischen Feuerwehr und Autowaschstraße und ist eine Idee von Jürgen Thiele. Er kennt die Lüneburger Musikszene seit Jahrzehnten, hat national und darüber hinaus bei großen Künstlern aus Jazz, Rock & Co. für Licht und Ton gesorgt, von Miles Davis bis B.B. King, bei der JazzBaltica und der Autostadt Wolfsburg. Thiele hat seine Firma Profi Musik nach 33 Jahren weitgehend in jüngere Hände gegeben und nun eine Stiftung und einen gemeinnützigen Verein gegründet, um ein altes Problem anzugehen: Übungsräume für Bands.

Thiele griff Überlegungen der Stadt auf, band die Sparkassenstiftung ein, engagiert sich in hohem Maß. Die Kosten für den in Sachen Schall, Energie und Sicherheit ausgeklügelten Bau liegen über denen für ein normals Haus, sagt Thiele. Das Sponsoring zahlreicher beteiligter Handwerker half, „Lets Rock“ zu verwirklichen. Nur für die Gestaltung der vier Bandräume sind die Musiker selbst verantwortlich. HaJü und Kai von den Peppones streichen an diesem Nachmittag die Wände weiß, heute ziehen sie ein, morgen rocken sie vor dem Rathaus. Einen weiteren Raum hat Achtung Baby gebucht. Raum vier nutzt Jürgen Thiele vorläufig als Baubüro, er wird später vermietet. Dann gibt es noch einen Projektraum, der kurzzeitig gebucht werden kann. Am 14./15. Oktober etwa probt dort der schwedische Jazzpianist Jacob Karlzon mit seinem Trio für eine Tour, die ihn unter anderem in die Hamburger Laeiszhalle (30. Oktober) führt. Der Raum, für den Jürgen Thiele einen Flügel gekauft hat, kann für Vocal-Coaching genutzt werden und ist auch für Aufnahmen geeignet, soll aber kein Studio ersetzen.

„Lets Rock“ ist innen sicher mal laut und außen schon schön bunt. Karin Greife und Dirk Helbig haben zur Farbe gegriffen, dabei Plakate der beteiligten Bands eingearbeitet. Die „Seelenbauten“ von Loifior sind zu erkennen, und sie selbst haben eine Songzeile zugefügt: „Treuer Freund, ich wünsch Dir Flügel“. Treue Freunde sind sie ja selbst, seit sie vor zehn Jahren als Chucks starteten. Überstanden haben sie das Ende der Schulzeit, die Phase, in der die meisten jungen Bands in alle Winde verfliegen. Sicher, auch Loifior hatte kritische Phasen. „Aber wir haben alle entschieden, den beruflichen Weg so zu wählen, dass es mit der Band vereinbar ist“, sagt Adrian Kock. Die Idee sei immer da gewesen und bestehe weiter, dass man ins Profilager wechseln könne, fügt sein Bruder Julius hinzu.

Loifior hat wie viele Bands einiges an Proberäumen gesehen. Der Keller beim Vater von Dennis Preuß musste vor allem herhalten, da ist nun Ruhe. Loifior hat als erste Band, die bei „Lets Rock“ eingezogen ist, einen guten Grund fürs Proben. Drei Konzerte im Oktober stehen an, zehn im November zwischen Kassel, Köln, Würz- und Lüneburg (29. November, Salon Hansen). Mit im Gepäck: eine neue EP. Die Vier, die sehr jung begannen, zählen nun zu den Arrivierten in Lüneburg, sie haben schon in England gespielt, kamen dort mit deutschsprachigen Titeln sehr gut an. „Ich hatte nur noch Gänsehaut“, erinnert sich Adrian Kock.

Die erfahrenen Bands haben bei „Lets Rock“ eine Aufgabe: Sie teilen sich den Raum mit einer jungen Band und tragen auch den höheren Anteil der Mietkosten. Bei Loifior zieht We Build Windmills mit ein, bei Achtung Baby schlüpfen die wechselnden Projekte von Andreas Schlitzkus unter. Die Peppones haben sich noch nicht entschieden.

„Lets Rock“ ist noch im Aufbau. An der Spitze des Vereins, der das Projekt managt, steht Jürgen Thiele. „Noch“, sagt er. Läuft alles rund, wird er sich zurückziehen. Eingerichtet ist eine  auf ihre Inhalte wartende  Homepage (www.letsrock-lueneburg.de), mehr Verkehr ist schon auf der Facebook-Seite. Nach den Herbstferien soll das Projekt offiziell eröffnet werden. Dann wirds vielleicht kurz mal vor der Tür etwas lauter.