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Stefan Gwildis, der Sänger mit dem gewissen Clooney-Charme, bei seinem jüngsten Vamos-Konzert. Foto: t&w
Stefan Gwildis, der Sänger mit dem gewissen Clooney-Charme, bei seinem jüngsten Vamos-Konzert. Foto: t&w

Das mit dem Glücklichsein

oc Lüneburg. Es war das gefühlt 25. Stefan-Gwildis-Konzert in Lüneburg, und es war wieder einmal ganz anders und doch sehr vertraut. Nie trat der Hamburger hier mit so vielen Musikern auf. Für sein Programm „Das mit dem Glücklichsein“ hatte er sich schon 2013 mit der NDR Bigband kurzgeschlossen. Sie machte nun mächtig Dampf an einem nahezu ausverkauften Abend im Vamos, bei dem Gwildis sein Konzept, eingedeutschte Klassiker zu singen, nicht auf Soulmusik, sondern auf den Jazz anwandte. Gwildis singt also Songs von Cole Porter und Kollegen und bleibt dabei doch vor allem immer Gwildis. Das Publikum ließ den smarten 55-Jährigen nicht ohne Zugaben gehen.

Gwildis Stimme klingt mal wie Kiesel, mal wie Samt und ist immer emotional geprägt. Der Hamburger schleift die Töne an, und vor allem liebt er es, bis an den Rand des Möglichen stimmhaften Konsonanten Klang zu geben, Gwildis singt „gannnnnnnz“ und „Gedannnknnnnnnn“. Dass Gwildis den Jazz mag und das Improvisieren, macht er bei Ausflügen in den  seit Satchmo und Co. beliebten  „di da da bi bol di-bi-la daou“-Scatgesang deutlich, mehrfach im angedeuteten Duell mit Solisten der Bigband.

Arrangiert waren die populären Titel von Jörg Achim Keller, dem Chefdirigenten der NDR Bigband, die sich sehr gekonnt zwischen Avantgarde und Mainstream bewegt. Wobei Mainstream bedeutet, dass eingängige Songs ein anpruchsvolles Fundament erhalten. Gwildis bewegt sich darauf gekonnt, die musikalischen Spitzen des Abends aber kommen doch von Bandmitgliedern, von Fiete Felsch (sax), von Ingolf Burkhardt (tp), Dan Gottshall (tb) und anderen.

Zu den Überraschungen im Konzert zählten Vertonungen von gar nicht geblödelten Texten Heinz Erhardts: „Der Einsame“ zeigt einen ganz anderen, einen traurigen und wütenden Menschen. Und ausgerechnet das Titelstück hat ebenfalls eine tragische Komponente. „Das mit dem Glücklichsein“ (auf „My Funny Valentine“ von Richard Rodgers) ist nämlich keineswegs immer so leicht. Das Stück widmet Gwildis seinem früheren Pianisten Ralf Schwarz, der sich in den Tagen, als das Lied entstand, das Leben nahm. Gwildis hat für Schwarz schon einmal einen „hidden track“ (auf seinem Album „frei händig“) aufgenommen.

Dirigent Rainer Tempel hat einen eher ruhigen Abend. Die Bigband ist in den Stücken zu Hause, tourt zurzeit mit dem Programm. Tempel kennt Lüneburg, er arbeitete mit der nicht mehr bestehenden Bigband Blechschaden zusammen, und diesen Abend eröffnete er mit Raum 13, der Jazzformation der Lüneburger Musikschule. Sie spielte zwei Tempel-Titel, darunter einen namens „VfB Stuttgart“  was Gwildis um ein Stück für den HSV bitten lässt.

„Das mit dem Glücklichsein“ passte ins Konzept der Niedersächsischen Musiktage, die sich in diesem Jahr dem „Glück“ widmen. Intendantin Katrin Zagrosek würdigte, dass Lüneburg zu den treuen Konzert­orten des Festivals zählt und dankte der Sparkasse, die Jahr um Jahr drei Konzerte für Stadt und Land möglich mache.

„Herrlich, herrlich“ fand Stefan Gwildis den Abend, und er brachte die Besucher bzw. seine „Brüder und Schwestern“ auch mal zum Mitsingen. Das passt alles bei seinen Soul-Abenden, aber nur bedingt bei einem Jazzkonzert. Glücklich nach Hause gingen die Konzertbesucher dennoch.