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Wo früher Brot für Soldaten gebacken wurde, wird künftig Kunst zubereitet. Foto: t&w
Wo früher Brot für Soldaten gebacken wurde, wird künftig Kunst zubereitet. Foto: t&w

Die Sahneschnitte

oc Lüneburg. Auf der Homepage läuft ein Countdown: Heute früh. 2. Oktober, wird dort etwas von 23 Tagen stehen, von Stunden, Minuten und Sekunden. Mehr folgt kommende Woche auf www.kulturbaeckerei-lueneburg.de. Dort, wo das real existierende Gebäude steht, werden schon länger keine kleinen Brötchen gebacken. Was an der Dorette-von-Stern-Straße im Hanseviertel am 25. Oktober eröffnet und jetzt schon mit Leben gefüllt wird, das nämlich entpuppt sich, um im Bild zu bleiben, als Sahneschnitte für das Kulturleben in Lüneburg. Zwölf Ateliers, eine Kunstschule, ein Theatersaal, zwei Räume für Lesungen, Kunst und mehr  das ist die Kulturbäckerei. Sie wird Lüneburgs Kulturszene vielleicht verändern, in jedem Fall bereichern. Dabei wäre das Haus fast abgerissen worden.

Die Malerin Gudrun Jakubeit bekommt beim Einzug Hilfe von Johannes Landmann, einem Mitarbeiter der Sparkassenstiftung. Foto: t&w
Die Malerin Gudrun Jakubeit bekommt beim Einzug Hilfe von Johannes Landmann, einem Mitarbeiter der Sparkassenstiftung. Foto: t&w

Es gab da mal den Plan, das von Speichern gesäumte Areal der früheren Standortverwaltung zusammenzuschieben und dort neu für die Lebenshilfe zu bauen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatte aber schon früh im Kopf, zumindest das massive Haus der Bäckerei, die Brot für die Soldaten buk, zu erhalten. Es kam anders. Die Lebenshilfe baute nicht, stattdessen zeigt sich das Hanseviertel mit seinem Mix aus Wohnen und Gewerbe als lebendiger Stadtteil. Die Speichercharakteristik blieb zum Teil erhalten, und für die Bäckerei mit ihren 1500 Quadratmetern kam die Sparkassenstiftung als Mieter und Betreiber ins Spiel.

Drei Millionen Euro kosteten Sanierung und Neugestaltung, Stadt, Land und Bund teilen sich die Kosten. Die Sparkassenstiftung packt noch einmal eine sechsstellige Summe für die Ausstattung hinzu, so Geschäftsführer Carsten Junge. Stühle, Traversen und Licht für die Bühnen gehören dazu und verschiebbare Elemente für Ausstellungen, die es in beiden Geschossen geben wird. Junge trieb das Non-Profit-Projekt wesentlich an und freut sich über das Interesse an Ateliers und Bühnen. Als erste Künstlerin zog Karin Greife ein, mittlerweile tut sich überall etwas. Die Restauratoren Inga Blohm und Markus Tillwick schrauben Regale zusammen, Malerin Gudrun Jakubeit sortiert Rahmen und Bilder, und Carolin George vom Kreativ Kontor wartet auf die Telekom.

„Es war uns wichtig, eine gute Mischung hinzubekommen und Mieter zu gewinnen, die bereit sind, sich in unser Konzept einzugeben“, sagt Carsten Junge. Wer in der Kulturbäckerei arbeitet, soll sich nicht in seinem Atelier verkriechen, sondern sich in eine Gemeinschaft eingeben. Die Malerin Alexandra Uhle, eine der Mieterinnen, ist noch gar nicht ganz eingezogen, da hat sie schon Ideen (mit-)entwickelt: einen Kunstsalon als Austauschforum, eine Sommerakademie, etwas mit Kochen und Kunst. Und da sie sich schon öfter mit Stadtarealen befasst hat, die sich radikal verändern, richtet die Malerin ihre künstlerische Aufmerksamkeit auf die Standortverwaltung und ihre Geschichte.

Maria Smith leitet den Kurs „Kunterbunt“ der Kunstschule Ikarus. Hier arbeiten Daniel, Felix, Ella und Praktikantin Vivien mit Haushalts-Materialien an Piratenschiffen. Foto: t&w
Maria Smith leitet den Kurs „Kunterbunt“ der Kunstschule Ikarus. Hier arbeiten Daniel, Felix, Ella und Praktikantin Vivien mit Haushalts-Materialien an Piratenschiffen. Foto: t&w

Im Obergeschoss nutzt die Kunstschule Ikarus einen Flügel. Sie zieht zurzeit Kurs um Kurs, Tisch für Tisch raus aus dem Keller an der alten Musikschule, vergrößert sich gleich mehrfach. Kooperieren wird Ikarus mit der Lebenshilfe. Zwei Ikarus-Kursleiter sind ohnehin vor Ort, Anke Gruß und Igor Frank haben beide ein Atelier gemietet.

Alles, was die freie Theaterszene betrifft, koordinieren Jürgen Baumgarten, der Kopf des Amateurtheaters Rampenlicht, und Raimund Wurzwallner-Becker vom Theater zur weiten Welt. Profis und ambitionierte Laien finden in der Kulturbäckerei zusammen, das Schauspielkollektiv um Thomas Flocken ist dabei und Thomas Ney. „Wir wollen auch einen gemeinsamen Flyer herausgeben“, sagt Baumgarten.

Zurzeit ist Johannes Landmann von der Sparkassenstiftung laufend vor Ort, um die Interessen von Handwerkern, Mietern und Betreibern unter einen Hut zu bekommen. Manches wird sich zurechtruckeln müssen. Ob eine Theaterprobe gestört wird, wenn Bildhauer Gero Bräutigam Stein und Holz befräst und -schlägt? Ist es abends ruhig, wenn es Aufführungen gibt? Sind sie um 22 Uhr beendet wegen der Nachbarn? Rund 60 öffentliche Termine gebe es bereits für 2015, sagt Carsten Junge.

Los aber geht es am Sonnabend, 25. Oktober. Nach einem offiziellen Teil beginnt um 14 Uhr ein Tag der offenen Ateliers, mit Theater, Musik etc. - am Tag darauf folgen weitere Aktionen. Dann beginnt der Alltag, werden kleine und große, körnige und süße Brötchen gebacken und ab und an sicher auch ein Sahneschnittchen.

 

Die ersten Termine
23. Oktober, noch vor der offiziellen Eröffnung, 20 Uhr: Eröffnung des 5. Lüneburger Krimifestivals mit Marc Elsberg.
24./25. Oktober: Eröffnung mit vielen Aktionen.
21. November: 19 Uhr, Premiere „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza mit dem Amateurtheater Rampenlicht.
8. November: „Enthandung in Spokane“ von Martin McDonagh mit dem Schauspielkollektiv, Burkhard Schmeer und anderen Gastdarstellern.
22. November: „Medea“ von Euripides mit dem Theater zur weiten Welt  27. November: „Mein Hüsch“ mit Thomas Ney.