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Peter Horton im Kulturforum: Der vielseitige Künstler servierte bittersüße Lieder und farbenreiche Chansons, ließ aber auch mal die Gitarren alleine sprechen. Foto: t&w
Peter Horton im Kulturforum: Der vielseitige Künstler servierte bittersüße Lieder und farbenreiche Chansons, ließ aber auch mal die Gitarren alleine sprechen. Foto: t&w

Bittersüße Balladen

ff Lüneburg. Peter Horton? Wenn in einer Gruppe im Gespräch dieser Name fällt, dann fängt immer einer spontan an zu singen  „Solang Du in Dir selber nicht zuhause bist…“, oder: „Wenn Du nichts hast als die Liebe…“ Eine kleinere Fraktion denkt an den Gitarristen, der zusammen mit Sigi Schwab etwa mit der „Toccata for a wild old lady“ die zupfende Szene in den 80er-Jahren belebte. Beide Seiten seiner Künstlerseele  und noch einige mehr  stellte Peter Horton nun mit einem Solo-Abend im Kulturforum Gut Wienebüttel vor.

Wenn es so etwas wie Urgestein im deutschsprachigen Showbiz gibt, dann gehört Peter Horton, Jahrgang 1941, ganz sicher dazu. Der österreichische Sänger, Instrumentalist, Komponist und Buchautor war ein Wiener Sängerknabe, TV-Moderator, führte das „Café in Takt“ und lud zu „Hortons Kleiner Nachtmusik“, gab mit dem fast schon legendären Duo „Guitarissimo“, als Solist und in verschiedenen Ensembles tausende Konzerte.

Mittlerweile ist es ruhiger geworden um Peter Horton, der heute in München lebt, ab und zu auch Ausflüge in den Norden unternimmt, alte und neue Lieder singt und mit dem Quartett „Guitarissimo XL“ unterwegs ist. Die Besucherschar im Kulturforum war übersichtlich, weshalb Horton von einem „Wohnzimmer-Konzert“ sprach und die Behaglichkeit des Abends würdigte.

Die Vielseitigkeit des Künstlers dagegen ist beeindruckend. Den Mittelpunkt des Abends bildeten bittersüße Lieder, Balladen, Szenen aus einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, den Menschen atemlos zurücklässt. Dabei wird Horton durchaus zum Moralisten, der aber den Weitblick behält: „Vater Staat, Dir fehlt die Mutter, die Dir ein Spiegel ist“, lautet der Refrain in einem Lied über die sich abkühlende Gesellschaft, aber dann heißt es über Vater Staat auch: „Wenn ich Dich mit anderen vergleiche, habe ich Dich richtig gern“.

Als Weltenbummler hat sich Peter Horton ausführlich in Brasilien umgetan und die Musiktradition des Landes studiert. Ein Medley brasilianischer Lieder und eigene virtuose Instrumentalstücke in der Färbung des Landes gehören zum Programm, Flamenco-Passagen und Chansons, in denen die Wiener Mundart durchschimmert. Der Schriftsteller präsentiert treffende Aphorismen („Auch Lügner leben von der Wahrheit“) und, Spaß muss sein, auch mal ein Gedicht irgendwo zwischen Ringelnatz und Eugen Roth: Ein Gehirn verlässt seinen Sitz, den Schädel eines Politikers, und macht sich selbstständig  kein Mensch, das war zu erwarten, bemerkt den Unterschied. Der Klassiker „My Funny Valentine“ erscheint bei Horton in neuem jazzigen Gewand, mit gutmütigem Schmäh singt er von der österreichischen Weltraumfahrt, und ohnehin ist Horton am stärksten, wenn er seine musikalischen Erzählungen mehrfach bricht.

Nein, er hat nicht die Toccata gespielt und keinen der eingangs erwähnten Hits  auch nicht, wie es in der Branche gern praktiziert wird, als letztes Stück, als Wink mit dem Zaunpfahl für eine nur allzu gern gewährten Zugabe. So etwas braucht Peter Horton bis heute nicht, Zugaben hat das Publikum auch so gefordert.