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Gastspiel im T.3 des Lüneburger Theaters: Ute Kotte alias Psychologin Greulich führte zu Loriots Szenen einer Ehe. Foto: t&w
Gastspiel im T.3 des Lüneburger Theaters: Ute Kotte alias Psychologin Greulich führte zu Loriots Szenen einer Ehe. Foto: t&w

Grau, grüngrau, mehr braungrau

ff Lüneburg. Das Frühstücks-Ei ist eine heikle Angelegenheit. Gerät es zu fest oder zu flüssig, kann es schnell Ärger geben. Speziell das Viereinhalb-Minuten-Ei hat schon zu Ehekrach und zu heimlichen Morddrohungen geführt; Zitat: „Ich bringe sie um. Morgen bringe ich sie um.“ Dahinter steckt natürlich Vicco von Bülow alias Loriot, der in einem seiner berühmtesten Sketche  „Berta, das Ei ist hart!“  die Abgründe des deutschen Bürger-Alltags bloßlegte. Dieser Spaß funktioniert auch als Figurentheater.

„Siehste…“ heißt das Programm, in dem Ute Kotte vom Eine-Frau-Theater „Maskotte“ Szenen einer Ehe spielt, und zwar vor allem mit klassischen Handpuppen  wie früher beim Kasperletheater. Ute Kotte selbst ist in der Rahmenhandlung als Loriot-Partnerin Evelyn Hamann zu erleben, beziehungsweise als Psychologin Edelgard Greulich, die ihrem Publikum Beratung für den Alltag zuteil werden lassen möchte: „Wie schön, dass Sie alle hier sind!“ Tatsächlich, im T.3, der Jugendbühne des Lüneburger Theaters, war es proppevoll, der Name von Bülow zieht immer, und auch Erwachsene haben Spaß am Puppenspiel.

Edelgard Greulich also, Hornbrille, graue Locken, grauer Rolli, grauer Rock, graue Strümpfe, sagt: „Ich liebe Farben!“ Ihre Protagonisten sind ebenso verquer: der verklemmte Trikotagen-Fabrikant beispielsweise, der im Büro seine Sekretärin flachlegen will, und  „Sagen Sie Karl-Heinz zu mir!“  so ziemlich alles falsch macht. Oder der gemütliche Typ, der nach Feierabend einfach nur in seinem Sessel sitzen und an nichts Besonderes denken möchte, was wiederum seine Frau partout nicht versteht: „Geh doch ein bisschen spazieren, ich hol Dir Deinen Mantel.“ Er: „Ich will nicht spazierengehen.“ Sie: „Es ist aber draußen zu kalt ohne Mantel“  und so fort.

Die Kenntnis dieser Sketche gehört längst zum bürgerlichen Bildungskanon, weshalb Ute Kotte ein gewisses Risiko eingeht, denn natürlich weiß das Publikum in der Mehrheit, wie die Szenen ausgehen. Aber als Psychologin ist sie hinreißend und als Puppenspielerin, die mal vor und mal hinter (bzw. unter) der Bühne agiert, mit einfachen Mitteln souverän.

Apropos Grau: Natürlich steht bei Fräulein Kotte-Greulich auch der Sketch „Die Eheberatung“ auf dem Programm, das Einüben des Kusses an einer Puppe. Und natürlich fragt auch hier die Psychologin nach der Lieblingsfarbe ihrer beiden Patienten, was einmal verweigert („Man sagt die falsche Farbe, und schon ist man schuldig geschieden“) und einmal ausführlichst beantwortet wird: „Grau … aber nicht so grau … mehr grüngrau … ins Bräunliche. Eine Art Braungrau … mit Grün … ein Braungrüngrau …“

Aber das kennen wir als einig Volk von Loriot-Guckern ja. Langer, sachkundiger Applaus für das Fräulein Greulich.