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Katerina Vlasova tanzt Dornröschen, hier zusammen mit Anibal Santos, im Hintergrund Ewelina Kukuschkina und Kilian Hoffmeyer. Foto: theater/t&w
Katerina Vlasova tanzt Dornröschen, hier zusammen mit Anibal Santos, im Hintergrund Ewelina Kukuschkina und Kilian Hoffmeyer. Foto: theater/t&w

Ein Prinz wird kommen

oc Lüneburg. Jetzt schwirren Feen über die Bühne, hüpft und quakt ein Frosch herbei, lassen sich tanzende Dornenrosen bestaunen, und Matthew Sly verwandelt sich in die böse Fee Carabosse. Ohne sie funktioniert die Geschichte nicht im „Dornröschen“-Ballett mit der Musik von Peter Tschaikowsky. Lüneburgs Ballettchef Olaf Schmidt hat „Dornröschen“ für seine top trainierte Tanzcompagnie eingerichtet, Barbara Bloch drapierte ein rosenreiches Bühnenbild um die Tanzfläche im T.3, und Heide Schiffer El-Foully entwarf eine wahre Pracht von Kostümen für eine runde Stunde Tanz. Die Theater-Märchensaison ist hiermit eröffnet.

Es geht recht klassisch und sehr romantisch zu. Olaf Schmidt entwirft große, anspruchsvolle Tableaus, baut viel Spitzentanz ein, so lassen sich festliche Szenen bei Hofe anschaulich und ausgiebig gestalten. Schmidt gibt den Szenen von Geburts- und Geburtstagsfeiern viel Schwung. Er sorgt, was die Kinder zu schätzen wissen, beizeiten für witzige bis artistische Einlagen, etwa von den Hofnarren (Phong Le Thanh, Anibal Santos), und er baut Tiere ein: Ein Storch klappert durch den Saal, die böse Fee hat zwei fiese Biester bei sich, und wenn zwei Katzen maunzen, dann kann es schon mal ein Echo von den jungen Zuschauern geben. Ebenso erfrischen kleine szenische Gags: Ein roter Teppich entpuppt sich als Stolperfalle und fordert perfekte Körperbeherrschung, damit die Geburtstagstorte nicht in hohem Bogen fortfliegt.

Im Zentrum aber stehen mit anmutigen Tänzen erst das Königspaar (Francesc F. Marsal, Ewelina Kukuschkina), später die neugierige und lebenshungrige Titelfigur (Katerina Vlasova), die noch schlafwandelnd tanzt, und schließlich der Prinz ihres Herzens (Kilian Hoffmeyer). Nicht zu gruselig, aber schon schön finster und dynamisch zeichnet Matthew Sly die böse Fee, die Dornröschen per Spindelstich in den Langzeitschlaf schickt. Carabosse wird sich als Vogel wiederfinden, die guten Feen aber erwachen zu neuem Leben, sie werden getanzt von der stark geforderten Giselle Poncet sowie von Mara Sauskat und Harumi Washiyama.

Olaf Schmidt stellt das Tänzerische über die Handlung, die Geschichte wird aber nachvollziehbar erzählt. An ein paar Stellen wird Märchentext eingesprochen, was den Jüngsten hilft. Schließlich ist die Produktion für alle ab vier Jahren konzipiert. Musikalisch bleibt Schmidt zu 99 Prozent bei der originalen Tschaikowsky-Musik. Nur wenn er am Ende von hundert Jahren Schlaf „Some Day My Prince Will Come“ einbaut, macht er eine Anleihe bei „Schneewittchen“ bzw. bei einem alten Disney-Film.

Den vielen Kindern und den wenigen Erwachsenen hats zur Premiere sehr gut gefallen. Die nächsten beiden Vorstellungen sind schon ausverkauft, aber „Dornröschen“ bleibt ja noch bis Anfang November auf dem Spielplan.