Aktuell
Home | Kultur Lokal | Wo geht die Reise hin?
In der Kulturbäckerei: Kulturausschuss-Vorsitzender Ernst Bögershausen (Grüne, l.), und Vertreter Friedrich von Mansberg (SPD). Foto: t&w
In der Kulturbäckerei: Kulturausschuss-Vorsitzender Ernst Bögershausen (Grüne, l.), und Vertreter Friedrich von Mansberg (SPD). Foto: t&w

Wo geht die Reise hin?

oc Lüneburg. Das neue Sahnestück der Kulturförderung ist  ab 25. Oktober  die Kulturbäckerei. Auch mit dem Neubau des Museums, der Übungsraum-Initiative Lets Rock, dem aus Bundesmitteln erweiterten Ostpreußischen Landesmuseum, dem künftigen Audimax und auch mit der noch frischen Musikschule wird in Lüneburg enorm in Kultur investiert. Zu tun bleibt genug: Das Theater kämpft um auskömmliche Förderung, die Kulturverwaltung der Stadt steht vor einem Umbruch, das Salzmuseum braucht Erneuerung. Die LZ sprach mit Ernst Bögershausen (Grüne), der für den gestorbenen Ulrich Völker den Vorsitz im Kulturausschuss des Rates übernimmt, und seinem Stellvertreter Friedrich von Mansberg (SPD).

Wenn das Land den Sockelbetrag der Theaterförderung anheben sollte, wie es die Theater GmbH dringend benötigt, wären auch die kommunalen Träger Stadt und Kreis gefordert. Ziehen Sie da mit?
Bögershausen: Anders geht es nicht, Wir wollen mitziehen, weil dieses kulturelle Angebot für unsere gesamte Region so bedeutsam ist. Es geht hier nicht nur um unsere Stadt, das haben auch unsere Landtagsabgeordneten erkannt.
von Mansberg: Man muss aber auch sehen, dass es sich die Kommunen nicht leisten könnnen, einen ausbleibenden Zuschuss des Landes allein auszugleichen. Es ginge dem Theater dann an die Socken.

Mit dem Ausscheiden von Peter Koch als Kulturdezernent der Stadt muss der Bereich der Verwaltung neu aufgestellt werden, was ist Ihre Option?
Bögershausen: Oberbürgermeister Ulrich Mädge wird die Kultur zur Chefsache machen. Das finde ich gut.
von Mansberg: Ja, das ist gut so. Und: Das will er schon lange.
Bögershausen: Projekte wie die Musikschule und die Kulturbäckerei zum Beispiel wären ohne sein Engagement nicht gelaufen. Geplant ist außerdem, mit einer halben Stelle einen Kultur-Koordinator einzustellen. Wir müssen, was Veranstaltungen betrifft, das Online-Angebot der Stadt dringend verbessern und außerdem nicht nur eine effektivere Abstimmung, sondern auch eine bessere inhaltliche Kooperation zwischen den einzelnen Institutionen anstreben.

Geht es um Kulturförderung, die nicht in Institutionen fließt, ist heute fast immer die Sparkassenstiftung aufgerufen. Bündelt sich da nicht enorme Macht?
Bögershausen: Im städtischen Etat sind uns doch die Hände gebunden, wir haben kaum freie Mittel, um die freie Kulturszene zu unterstützen. Da ist die Sparkassenstiftung ein Segen. Vielleicht gelingt es uns auch, sie für ein weiteres Projekt, das uns sehr wichtig ist, zu gewinnen. Wir wollen die Gedenkkultur erhalten und dafür etwas tun.
von Mansberg: Ein zentraler Punkt dabei ist die Synagoge. Darüber reden wir seit langem, da muss bald etwas passieren.

Drohen beim neuen Museum, vor allem durch mehr Personal, nicht Folgekosten, die den Etat der Stadt zusätzlich belasten?
von Mansberg: Die Finanzmittel für die Museumsstiftung sind in der mittelfristigen Finanzplanung deutlich erhöht worden. Das ist also sozusagen bereits eingepreist. Auch da engagiert sich die Sparkassenstiftung.
Bögershausen: Es ist der Museumsdirektorin Frau Dr. Düselder außerdem gelungen, einen großen Kreis von Ehrenamtlichen zu gewinnen, auch das hilft. Wir wollen aber dafür sorgen, dass aus der bisher halben Stelle für Museumspädagogik eine ganze wird, zumal es uns wichtig ist, gerade bildungsferne Schichten zu erreichen.

Das Salzmuseum möchte wachsen, sich runderneuern. Sehen Sie da Perspektiven?
von Mansberg: Ohne jetzt sofort eine ganz große Investition zu machen, werden einige Dinge schon angegangen. Wir müssen abwarten, was auf dem Gelände passiert, welche Möglichkeiten sich bieten.
Bögershausen: Wir wollen erreichen, dass das Museum adäquate Räume bekommt. Die Räume sind da, aber werden eben noch anders, durch den Supermarkt, genutzt.
von Mansberg: Wir haben da ein dickes Brett zu bohren.

Auch das Ostpreußische Landesmuseum als nichtstädtische Einrichtung erneuert und erweitert sich, es wird sich innerstädtisch präsenter machen. Muss man da nicht auch zusammenrücken?
Bögershausen: Das ist natürlich nicht unsere Baustelle, das Museum wird ja vom Bund finanziert. Aber bei der Vernetzung von Veranstaltungen, bei Kooperationen von Ausstellungen kann ich mir gut eine Zusammenarbeit vorstellen.
von Mansberg: Die Museumsstiftung ist ja so gebaut, dass sie weitere Mitglieder aufnehmen kann. Man muss auch sehen: Das Ostpreußische Landesmuseum hat einen Weg hinter sich, es hat sich geändert, es herrscht jetzt mehr Offenheit.

Mit dem Audimax kommt ein weiterer Ort hinzu, der auch für kulturelle Angebote genutzt werden wird. Ist das eine Gefahr für andere?
von Mansberg: Ich bin sehr gespannt, was sich dort machen lässt. Wir haben ja auch als Stadt die Chance, den Raum zu nutzen. Andere Kulturanbieter müssen sich, denke ich, aber keine Sorgen machen, ich bin da sehr gelassen.

Und das Vamos?
Bögershausen: Das können wir überhaupt nicht entscheiden, aber wir prüfen, was wir tun können. Mir ist daran gelegen, die Zusammenarbeit sowohl mit der Universität als auch den studentischen Initiativen im Kulturbereich engagiert fortzusetzen.
von Mansberg: Ich hoffe dringend, dass sich das Vamos erhalten lässt, aber so wenig, wie man Kultur genau steuern kann, so sehr gehört auch der Wandel dazu.

Wir führen dieses Gespräch bei der Kulturbäckerei, die in wenigen Tagen eröffnet, in die gut drei Millionen Euro geflossen sind. Haben wir nicht irgendwann zu viel Kultur in Lüneburg?
von Mansberg: Nein, man kann hier doch genau ablesen, wofür die Kulturbäckerei gut ist. Es findet eine Stärkung der freien Szene statt, die verortet sich hier. Die Kulturbäckerei ist natürlich auch Ausdruck dafür, wie potent die Sparkassenstiftung als Betreiberin ist.
Bögershausen: Ich möchte noch anfügen, dass hier ein lebendiger Ort der Begegnung zwischen freien Kulturschaffenden entsteht, der vor allem der Bildenden Kunst einen wundervollen Ort der Präsentation bietet, wie es z.B. im Heine-Haus bisher nicht möglich war. Auch der barrierefreie Zugang ist zu erwähnen. Und die Kooperation mit Ikarus und der Lebenshilfe erlaubt eine qualitative Verbesserung der Kulturförderung.