Donnerstag , 29. September 2016
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François Infray alias Clown Frako reist in die Mongolei  allerdings nicht in seinem Wohnwagen. Foto: ff
François Infray alias Clown Frako reist in die Mongolei allerdings nicht in seinem Wohnwagen. Foto: ff

Mit Pappnase und langen Unterhosen

ff Lüneburg. Wie es sich für einen richtigen Clown gehört, lebt auch François Infray alias „Frako“ in einem Wohnwagen. Der ist zwar zurzeit nicht rollfähig, darf also eher als Immobilie gelten. Als Künstler unterwegs ist Clown Frako, der seit 1995 in Lüneburg lebt, aber natürlich dennoch. Jetzt wartet ein Abenteuer auf ihn: Am Sonntag reist er für zwei Wochen in die Mongolei, um dort mit Kindern an der schweren Kunst der Heiterkeit zu arbeiten.

Das Ziel heißt Darkhan, die drittgrößte Stadt der Mongolei. Hier steht die Zirkusschule Shonhoodoi; sie wurde von einem Zirkusartisten-Ehepaar gegründet, das viele Jahre durchs Ausland tourte, sich schließlich in Darkhan niederließ. Zwar hat die Stadt durch ihre Stahl-Industrie einigen Wohlstand erworben, Elend gibt es trotzdem: Kinder, die in der Kanalisation leben, ohne Eltern und erst recht ohne Schule. In der Zirkusschule bekommen einige von ihnen die Chance, als Artisten zu proben und aufzutreten, einige haben inzwischen sogar selbst Jobs als Künstler.

François Infray beteiligt sich nun in einem Workshop mit Zirkuskindern im Alter von fünf bis 17 Jahren. Der Profi-Clown wird mit ihnen an Pantomime arbeiten, generell Selbstbewusstsein und damit die Bühnenpräsenz stärken. Geprobt wird fürt die Revue „Begegnung der Clowns“ in Darkhan, die Aufführungen finden hauptsächlich in der Landeshauptstadt Ulaanbaatar (Ulan Bator) statt. Das Projekt, über die deutsche Botschaft vom Auswärtigen Amt gefördert, wurde von der Fotografin Mareike Günsche initiiert. Sie lebt seit 2009 in der Mongolei, gilt als Kennerin des Landes und will auch die Zirkus-Geschichte dokumentieren, geplant ist eine entsprechende Ausstellung. Es geht nicht zuletzt darum, Spenden zu sammeln, die jungen Zirkuskünstler bei Gastfamilien unterzubringen und an vielen weiteren Ecken zu helfen.

Geboren wurde Frako 1963 in Paris. Die eigene Kinderzeit lehrte ihn, dass Humor die beste Schlagfertigkeit sein kann. François Infray lernte zunächst den Beruf des Röntgenassistenten. Schließlich zog er mit seiner Familie nach Lüneburg, arbeitete im Krankenhaus (mitunter auch als Clown) und absolvierte eine Ausbildung an der Schule für Tanz, Clown und Theater „TuT“ Hannover. Hier entwickelte er dann auch seine heutige Erscheinung, eine recht martialisch wirkende Figur im knallrot lodernden Kostüm, und gründete ein eigenes Ensemble, den Epikur-Express.

Ein Erholungsurlaub wird die Zeit für Clown Frako nicht unbedingt: Ulaanbaatar ist, im Durchschnitt gerechnet (minus 20 Grad im Januar, im Schnitt plus 6), zusammen mit Ottawa die kälteste Hauptstadt der Welt, die Quecksilbersäule fällt auch schon mal auf minus 40 Grad. Man habe ihm, so Frako, dringend zu langen Unterhosen unter dem Kostüm geraten. Zu tief Luft holen sollte er durch seine rote Clownsnase auch nicht: Nebenbei ist Ulaanbaatar eine der Städte mit der weltweit höchsten Luftverschmutzung. Wer hier einen Tag atmet, inhaliert (umgerechnet) die Giftstoffe von vier bis fünf Schachteln Zigaretten.