Mittwoch , 28. September 2016
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Da ist nun Land in Sicht: v.l. Felix Breuel, Olga Prokot, Fabian Kloiber und Alisa Levin. Foto: theater/tamme
Da ist nun Land in Sicht: v.l. Felix Breuel, Olga Prokot, Fabian Kloiber und Alisa Levin. Foto: theater/tamme

Die Sache mit Gott

oc Lüneburg. Es wird eng auf der Arche. Die Antilopen wollen nicht so gern neben den Löwen schlafen, die Ameise hat ihren Kollegen verloren, und die Spechte hacken Löcher ins Holz. Die beiden Pinguine aber, die arktischen Schlingel, haben sogar einen dritten an Bord geschmuggelt, obwohl doch immer nur zwei einer Art an Bord dürfen. Die weiße Kontrolltaube war wohl müde und hats nicht gemerkt. Nun streiten und vertragen sich die Drei im Schiffsbauch in Ulrich Hubs so witzigem wie klugem Theaterstück „An der Arche um acht“. Das wird ein Renner im T.3, dem Jungen Theater.

Ulrich Hub hat nicht nur ein witziges Stück für Menschen ab sieben Jahren geschrieben. Der 1963 geborene Autor verhandelt zugleich große Themen, die Sache mit Freundschaft und Solidarität etwa, und vor allem die mit Gott. Der hat, wie die drei Pinguine schon vor der Arche-Tour finden, einen kleinen Nachteil: Man sieht ihn nicht. Das gibt eine Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren, und es wird im Laufe des Geschehens zum Beispiel die Frage aufgeworfen werden, ob Gott auch aus einer Kühltruhe sprechen kann. Ulrich Hub macht sich aber über nichts lustig, er findet in humorvollen Zuspitzungen die Sprache, die jedem Betrachter einen Weg zur eigenen Meinung mitgibt.

Lars Peter hat die drei Pinguine treffend und die Taube originell kostümiert, die Bühne mit Fantasiemitteln wie Leuchtstäben und Planen in eine Eislandschaft verwandelt. Regisseur Thilo Voggenreiter sorgt für Spielwitz, er spitzt die Dialoge zu, baut einen Rap und Pop ein, das ist durchweg originell und mit Gespür für Tempo gemacht, sodass auch jungen Besuchern die knappe Stunde wie im Fluge vergehen wird.

Alisa Levin, Olga Prokot und Felix Breuel formieren ein wunderbares Pinguintrio, das streitet und leidet miteinander und hält zusammen, wenn es ernst wird. Fabian Kloiber als gestresste, aber vergessliche Taube spielt seine Rolle mit ebenso viel Herz und Scherz. es gibt wiederholt Szenenapplaus und am Ende ganz große Zustimmung. Danach kann man gut über Gott reden.

Die Premiere war zugleich Teil einer kleinen Feier zum fünften Geburtstag des T.3. Intendant Hajo Fouquer erinnerte an eine Erfolgsgeschichte, die dazu führte, dass ein Viertel der Theaterbesucher Kinder und Jugendliche sind. Fouquet dankte u.a. seinem Vorgänger Jan Aust, der das T.3 mit auf den Weg brachte. Chefdramaturg Friedrich von Mansberg, T.3-Leiterin Sabine Bahnsen und Bürgermeister Eduard Kolle unterstrichen die Bedeutung der jungen Sparte. Solidarität mit dem Theater, das zurzeit mit dem Land über seine Zukunftsfähigkeit berät, zeigten neben den kommunalen auch die Bundestagspolitiker, Eckhard Pols (CDU) und Hiltrud Lotze (SPD). Mirjam Staudte, Landtagsabgeordnete der Grünen, versprach, sich bei den kommenden Etatberatungen für das Theater einzusetzen.