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Carmichael (Burkhard Schmeer) will seine Hand zurück, ein zwielichtiges Pärchen (Sophia Voss, Metin Turan) behauptet, ihm helfen zu können, gegen Geld natürlich. Foto: t&w
Carmichael (Burkhard Schmeer) will seine Hand zurück, ein zwielichtiges Pärchen (Sophia Voss, Metin Turan) behauptet, ihm helfen zu können, gegen Geld natürlich. Foto: t&w

Wie Tarantino, aber mit Herz

ff Lüneburg. Wenn jemand Carmichael zuwinkt, dann hat der Mann ein ganz schlechtes Gefühl. Es kann sein, dass es seine eigene Hand ist, die da geschwenkt wird, Carmichael hat es schon erlebt. Jugendliche haben ihn einst gezwungen, den linken Arm auf ein Bahngleis zu legen. Was auf den Schwellen liegen blieb, haben sie mitgenommen. Das ist ein Vierteljahrhundert her, aber Carmichael will seine Hand zurückhaben. Nun hockt er in einem miesen Hotelzimmer und wartet auf einen Deal. Ein Pärchen hat ihm in Aussicht gestellt, dass er seine fünf Finger endlich wiederbekommt.

Das ist „Eine Enthandung in Spokane“ von Martin McDonagh, eine Komödie, die schwärzer als schwarz ist. „Wie bei Quentin Tarantino, aber mit Herz“, sagt Thomas Flocken. Am Sonnabend, 8. November, feiert der Regisseur in der Kulturbäckerei Premiere. Die Hauptrolle spielt Burkhard Schmeer, mit dabei sind Sophia Voss, Metin Turan und Andreas Püst. Das Bühnenbild, eine schiefe Fläche, die nach vorn und zur Seite kippt, schuf Nicole Bettinger. In dieser schrägen Komödie gibt es keine Waagerechte, hier geräten eine Welt aus den Fugen. ,,Ich habe, was Humor angeht, ein sehr dunkles Herz“, sagt Flocken. Wer sich für die „Enthandung“ entscheidet, sollte also ein Faible für Pulp Fiction und schlechten Geschmack haben, auf der anderen Seite political correctness nicht überbewerten. Aber: „Splatter wird es nicht.“

Normalerweise ist Thomas Flocken mit seinem Schauspielkollektiv in den Schulen des gesamten norddeutschen Raumes auf Tournee, seit neun Jahren schon, „das hat sich zu einer echten Erfolgsstory entwickelt“. In diesen Stücke werden Themen verhandelt, die mit den Schüler(inne)n zu tun haben (können), Alkoholismus beispielsweise, Drogen oder Mobbing.

Gewaltsame Amputationen zählen zum Glück nicht dazu. Das Schauspielkollektiv gehört neben drei anderen Ensembles zu den Mietern der Kulturbäckerei. Im kommenden Jahr, wenn das Kollektiv also Jubiläum feiert, soll es „einen fetten Spielplan mit vielen neuen Produktionen“ geben, mit Abendstücken etwa, die sich an junge Erwachsene richten.

Der Ire Martin McDonagh, 1970 in London geboren, erhielt 2006 für seinen Kurzfilm „Six Shooter“ einen Oscar. Für das abendfüllende „Brügge sehen und sterben?“ wurde er immerhin nominiert. 2012 folgte mit „7 Psychos“ eine Actionkomödie. Die „Enthandung in Spokane“ wurde 2010 uraufgeführt und behauptet sich in diversen Inszenierungen in aller Welt. Manche fallen recht artifiziell aus, „meine Version ist dicht am Stück“, sagt Thomas Flocken. Spielzeit: etwa 80 Minuten, „danach sind alle Zuschauer eingeladen, mit uns zu reden“. Nur um 21.30 Uhr muss Schluss sein, das ist Vorschrift, die Kulturbäckerei liegt in einem Wohngebiet. Deshalb beginnt das Stück bereits um 19.30 Uhr. Die nächsten Termine: 15., 21. und 29. November.