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Architekt Gregor Sunder-Plassmann schlägt zu, neben ihm (v.l.) Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert, der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, Hubertus Hilgendorff für die Ostpreußische Kulturstiftung, Lüneburgs Bürgermeister Eduard Kolle und Dr. Thomas Lindner vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Foto: t&w
Architekt Gregor Sunder-Plassmann schlägt zu, neben ihm (v.l.) Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert, der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, Hubertus Hilgendorff für die Ostpreußische Kulturstiftung, Lüneburgs Bürgermeister Eduard Kolle und Dr. Thomas Lindner vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Foto: t&w

Fragen an die Geschichte

oc Lüneburg. Das Angebot des Ostpreußischen Landesmuseums schrumpft in diesen Tagen. Entfallen wird der beliebte Museumsmarkt, das Ausstellungsprogramm setzt aus, und für eine Zeit wird das Haus ganz schließen. Der Grund: Das Museum wächst und stellt sich neu auf, seit Wochen wird zwischen Heiligengeist- und Ritterstraße gebuddelt. Am Montag, 10. November, gab es als symbolischen Akt zu dem gut acht Millionen Euro umfassenden Projekt eine Grundsteinlegung. Da machten nicht nur die Bauarbeiter Pause.

Die Kelle beiseite legten kurz auch die Archäologen, die zurzeit zwei Backsteinkloaken und einen großen Knochenfund sichern „viel Mittelalter“, sagt Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring. Das Vergangene dokumentieren, für Gegenwart und Zukunft aufschließen, das will wie die Archäologen das Museum. Künftig kann es eine Ausstellungsfläche nutzen, die auf mehr als 2000 Quadratmeter wächst. Neue Schwerpunkte werden gebildet, etwa zur Integration der Vertriebenen in ihre neue Heimat, und eine deutschbaltische Abteilung kommt hinzu. Den Blick noch weiter nach vorn richtete Klaus Brähmig, in der Bundestags-CDU Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten sowieTourismusspezialist: Er wies auf das Museum Stadt Königsberg hin, das mit seiner großen Kant-Sammlung von Duisburg nach Lüneburg wechseln will. Das wird eine Baumaßnahme nach dem laufenden Bau erfordern.

Bürgermeister Eduard Kolle (SPD) würdigte das Museum als wichtigen Part für Lüneburgs Bedeutung als kulturelles Zen­trum im Nordosten Niedersachsens. Ministerialrat Dr. Thomas Lindner als Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien machte deutlich, dass jede Generation neue Fragen an die Geschichte formuliert. Dies müsse beim ostpreußischen Kulturerbe auch im Respekt für eine oft andere Sichtweise derjenigen erfolgen, die heute in den einst deutschen Gebieten leben. Begrüßt wurden Redner und Gäste von Hubertus Hilgendorff, dem Stiftungsratsvorsitzenden der Ostpreußischen Kulturstiftung. Er erinnerte an die erste Grundsteinlegung vor ziemlich genau 31 Jahren.

Stefan Müller vom Baugeschäft Tillmann leitete die folgende kleine Zeremonie ein, für die Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert einen Zylinder bestückte, mit der LZ vom Tage, einem Ostpreußenblatt, einem Grundgesetz, einem Stück Rehgeweih, Plänen des Architekten und des Museums sowie einem Stück Cadiner Keramik, einem beschädigten Stück: Symbol für die Verbrechen der Nazis in der einst ostpreußischen Region.