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Hannah Greiwe als Paulus steht im Mittelpunkt einer ambitionierten und mitreißenden Aufführung. Foto: t&w
Hannah Greiwe als Paulus steht im Mittelpunkt einer ambitionierten und mitreißenden Aufführung. Foto: t&w

Vom Saulus zum Paulus

hjr Lüneburg. Biblische Geschichten sind anrührend, spannend, drängen Grundfragen des Lebens ins Bewusstsein und haben gelegentlich märchenhafte Züge, weil sie von Wundern erzählen. Das lieben besonders Kinder. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren musikalische Aufbereitungen dieser uralten Stoffe zu bestaunen. Nun „Paulus“: Ein famos konzipiertes Singspiel von Uwe Friedrich mit starkem Musical-Bezug und straffen Texten.

Sie filtern Stationen des Apos­tels heraus, vom grausamen Christenverfolger Saulus zum geläuterten und selbst massiv drangsalierten Missionar. Jugendchor und Kinderchöre von St. Michaelis verbündeten sich unter Leitung von Dörte Lorkowski, um die Auftragskomposition für zwei Vorstellungen am 15. und 16. November, jeweils um 17 Uhr, in der Lüneburger Michaeliskirche zu realisieren.

Ein sehr ambitioniertes Projekt mit immenser Vorbereitungszeit, betreut von einem engagierten Kreativteam. Viel Aufwand war nötig, um das Singspiel adäquat zu stemmen. Rund 100 junge Vokalisten probten fast ein Jahr, feilten an Wort und Klang, sensibel angeleitet von Regisseurin Birgit Becker und theologisch unterstützt von Pastor Stephan Jacob. Für die weitgehend authentischen Kostüme zeichnete Rotraut Kahle verantwortlich.

In acht Momentaufnahmen wird die ereignisreiche Biografie der Titelfigur aufgeblättert. Jerusalem, die Blendung, das Damaskus-Erlebnis, bis hin zu Taufe und der Verhaftung in Philippi: Episoden, die eindrucksvoll von den überraschenden Wandlungen des Paulus berichten. Die kompakte Dramaturgie vermeidet Längen, der Inhaltsfaden spult sich mit Energie gradlinig ab. Birgit Becker leistete da hervorragende Arbeit, regte Kinder und Jugendliche zu großer Disziplin an. Das garantiert anschauliche Bilder mit sorgsam arrangierten Tableaus, von Wolfgang Graemer in dichter Atmosphäre illuminiert. Videoprojektionen verweisen auf die jeweiligen Schauplätze, liefern kurze Hintergrundinformationen.

Die Musik von Uwe Friedrich schmeichelt sich ins Ohr, ist ein formidabler Wurf, bietet Pop-Elemente und knackfrische Jazz-Einsprengsel, Ballen und parfümiert die Songs manchmal orientalisch. „Denn dein Leben ist ein Wunder“, das flotte „Lied vom fiesen Saul“, „Seid gegrüßt, ihr hohen Herren“, das subtile „Ich lag im Schatten“ oder „Kommt, lasst uns alle feiern“ sind Indikatoren für die wohl klingende Vielfalt der raffinierten Partitur, die von der sechsköpfigen Band ebenso formvollendet vitalisiert wird.

Hannah Greiwe als Paulus führt das kraftvoll singende, beherzt spielende Ensemble konzentriert, text- und intonationssicher an. Alle Solo-Rollen sind angemessen besetzt, die Chöre fast pausenlos gefordert. Die komplex ausgelegten Fäden souverän im Griff zu halten, erweist sich hier als eine besonders schwierige Aufgabe. Dörte Lorkowski gelingt das Kunststück. Der Eintritt ist frei

One comment

  1. Es wäre schön gewesen, wenn der Text korrekt darauf hin gewiesen hätte, das der Eintritt frei ist – die Aussage „… es gibt noch einige Karten…“ hat vermutlich nicht dazu beigetragen, das sich kurzentschlossene noch auf den Weg gemacht haben… Der Rest des Artikels ist gut geschrieben, die falsche Information macht leider den guten Eindruck zunichte.