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Ein buntes, phantasievolles Spiel zeigen die e.novum-Kinder jetzt am Munstermannskamp. Foto: t&w
Ein buntes, phantasievolles Spiel zeigen die e.novum-Kinder jetzt am Munstermannskamp. Foto: t&w

Wunderbar leichtfüßig

hjr Lüneburg. Ihm droht die Wurstmaschine. Der gefräßige Bauer will seinen Esel zu Salami verhackstücken, wenn das müde Tier weiterhin seinen Dienst versagt. Das zur Plackerei verdammte Wesen quittiert seinen Dienst, haut ab, verbündet sich mit Leidensgenossen, die ebenfalls von ihren Besitzern drangsaliert werden. Solidarität zeichnet sie aus. Gemeinsam sind sie stark, sie bestehen Abenteuer und gehen in die Geschichte ein. Heute erinnert sogar ein Denkmal an die Viererbande. „Die Bremer Stadtmusikanten“ präsentiert das theater im e.novum mit dem Kinderensemble III jetzt als buntes, musikalisch aufgepepptes Weihnachtsmärchen.

Weder ein verzauberter Prinz noch ein schmuckes Schloss oder eine gruselige Hexe bevölkern die Stadtmusikanten. Ein untypisches Grimm-Märchen, aber mit ziemlich aktuellen Bezügen: Ausgediente Zeitgenossen wandern auch heute schnell aufs Abstellgleis, keineswegs nur Vierbeiner. Margit Weihe und Alexander Krüger, das kreative Leitungsteam, verzichten aber auf allzu deutliche Fingerzeige in die Gegenwart oder gar moralisierende Deutungen. Die ergeben sich ohnehin. Sie gönnen der Fantasie den größten Raum, belassen die vertraute Geschichte im gewohnten Rahmen, vitalisieren ihn jedoch formvollendet. Das Regie-Duo filtert mit Finesse die Charaktere heraus, gibt jeder Figur klare Konturen. Das beginnt mit den Kostümen. Die sind von Kirstin Rechten und Ute Glitzenhirn artgerecht entworfen und verpassen sämtlichen Akteuren ein maßgeschneidertes Outfit. Die Maske unterstreicht die Züge punktgenau.

Ulf Manú komponierte eine Musik, die das Geschehen befördert, Akzente setzt, entscheidende Aspekte herausstreicht. Der herrlich deftige Song der ausgelassen und reichlich tumb daherkommenden Räuberbande (Rahel Dubke, Jakob Richter, Antonia Schmidt-Jortzig) ist beinahe für die Charts geeignet, und das versöhnliche Schlusslied erweist sich als eingängiger Beitrag. Der Sound regt an, ebenso begeistert Nicole Riemenschneiders immer wieder überraschend gewitzte Choreografie.

Im Bühnenbild von Ricarda Lutz darf sich das jugendliche Ensemble mit Energie austoben. Mia Bromm als stets klug handelnder Esel, Sami Köppe als kauzig kecker Hund, Finja Sandow als divenhaft elegante Katze und Nele Rechten als vorwitziger, gern in der Vergangenheit schwelgender Hahn füllen die Handlung textsicher, spielfreudig, stimmgewandt und höchst beweglich aus: ein starkes Stück. Es ist eine helle Freude, ihnen zuzuschauen, wie sie sich einigen, der Unbill nächtlicher Geräusche entgegentreten oder das Räuber-Trio in die Flucht schlagen. Es sind wahre, pralle Typen, die hier bestaunt werden können. Margit Weihe und Alexander Krüger wirkten dabei entsprechend motivationsfördernd.

„Die Bremer Stadtmusikanten“ erweist sich als eine wunderbar leichtfüßig beschwingte Produktion, mit viel Liebe für Details und sicherem Gespür fürs Timing inszeniert. Ein herrlicher Spaß mit nachdenklichem Effekt. So amüsant und doch frei von Plattitüden kann ein Weihnachtsmärchen sein, auch für Erwachsene. Das Publikum jubelte. Bis zum 8. Dezember folgen 21 Vorstellungen in zwei Besetzungen, beste Unterhaltung ist garantiert.