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Es gibt, pünktlich zur Vorweihnachtszeit Neues von Grete Hoops: ein Hörbuch mit Weihnachtsgeschichten und ein Bändchen mit Plattdüütsch-Erzählungen  es ist bereits ihre 13. Buchveröffentlichung. Foto: ff
Es gibt, pünktlich zur Vorweihnachtszeit Neues von Grete Hoops: ein Hörbuch mit Weihnachtsgeschichten und ein Bändchen mit Plattdüütsch-Erzählungen es ist bereits ihre 13. Buchveröffentlichung. Foto: ff

Wie die Sau in die DDR flüchtete

ff Lüneburg. Lieber ein Leben in der DDR als tot im freien Westen. So oder so ähnlich muss das Schwein gedacht haben, als es Anfang der Sechziger-Jahre durch ein Loch im Zaun gen Osten floh. Eigentlich sollte es geschlachtet werden, doch der Bolzen traf nicht richtig. Und so fand die grenznah beheimatete Sau ein Loch im Eisernen Vorhang, der offensichtlich noch Lücken in den Maschen hatte. Wirklich erfolgreich war das arme Schwein beim Rübermachen allerdings nicht.

„VoPos warfen das Tier wieder über den Zaun zurück“, erzählt Grete Hoops. Diese Geschichte, so die Autorin, habe sich seinerzeit in dem Dorf Schlutup bei Lübeck abgespielt, und zwar so und nicht (oder nur wenig) anders. Sie heißt nun „Dat Lock in`n Tuun“ und ist die vierte von insgesamt zwanzig Erzählungen in dem Bändchen „Kiek wiet, snack platt un höög Di“ (80 Seiten, 8,50 Euro). Und das ist wiederum die 13. plattdüütsche Publikation von Grete Hoops.

Ihr Besuch im Haus der Landeszeitung gehört zu den verlässlichen Terminen im Kalenderjahr der Kulturredaktion. Einmal im Jahr macht sich die bodenständige Schriftstellerin aus 27412 Tarmstedt auf den Weg, um für ihr neues Buch zu werben. Schlaumeier und Schlitzohren von damals und heute, kleine Geschichten, Anekdoten, die ihr erzählt wurden (oder die sie selbst erlebt hat), übersetzt ins Heidjer Platt das ist das Programm von Grete Hoops, die längst kein Geheimtipp mehr ist, vor allem daheim auch mal beim Bäcker oder sonstwo angesprochen wird. „Die meisten melden sich aber per Telefon oder per Post“, erzählt Grete Hoops, „und viele entschuldigen sich, dass sie ihre Geschichte nicht auf Platt berichten können“. Da ist sie großzügig, „ich kann schließlich auch Hochdeutsch“.

Und so ist die gelernte Hauswirtschafterin über die Jahre mit ihren Publikationen auf eine recht beachtliche Gesamtauflage gekommen. Der Oldenburger Isensee-Verlag druckt gern die Bücher aus der Feder von Grete Hoops, dazu kommen Illustrationen von Christel Daub. Wobei das mit der Feder fast wörtlich zu nehmen ist, denn notiert wird weiterhin mit dem Kugelschreiber. Im Gepäck hat die Autorin auch ein Hörbuch, „Advents- un Wiehnachtsgeschichten“, es ist ihre zweite CD, natürlich auch alle selbst geschrieben und gesprochen.

Anfragen für Lesungen, etwa bei Heimatvereinen oder Landfrauenverbänden, hat Grete Hoops reichlich. Nächstes Jahr wird sie 80, da soll es nun ein bisschen ruhiger zugehen, „nicht zwei an einem Tag, und auch nicht vier in der Woche“, sagt sie. Günther Wagener, Plattdeutsch-Beauftragter für Stadt und Landkreis Lüneburg, hat sie aber gleich engagiert. Da ist allerdings noch ein wenig Zeit: 21. April in Adendorf. Wer sich bis dahin vorbereiten will, der findet im Anhang des Büchleins ein Vokabelverzeichnis. Ein Dööspaddel, das ahnt wohl jeder, ist ein Trottel. Aber ein Huulbessen? Ein Heulbesen, ein Staubsauger also. Das allerdings wissen nur Klookschieter.